"Ich wollt' nur dem Oliver helfen"

8. August 2008, 18:43
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Prozess: Bombendrohung gegen Schule - weil der Freund verschlafen hatte

Wien - "Ich hab' eine Bombe versteckt", sagte der Anrufer. "Und? soll mi' des jetzt interessier'n?", reagierte zunächst der Lehrer vom Polytechnikum in Wien-Donaustadt. "In einer Stunde fliegt die Hütte in die Luft." - "Bist wo ang'rennt?" - "I' wollt's nur sagen."

Wenig später wurde die komplette Schule evakuiert und das Gelände nach einem Sprengsatz abgesucht. "I war selber bei der Suche dabei", erinnert sich der Lehrer am Freitag im Wiener Landesgericht an jenen Tag im Mai 2007. "I' bin selber Sprengbefugter, und einer der Polizisten war mein ehemaliger Ausbildner."

Die Spezialisten fanden zwar nichts - aber der Lehrer glaubte, an der Stimme des Bombendrohers den Schüler B. erkannt zu haben. "Nach Gesprächen mit ihm hab i' den Eindruck g'habt, dass der ein bisserl ein Spezialist is'. Insofern war mir der Anruf net wurscht."

Bei den folgenden Einvernahmen beteuerte B. allerdings standhaft, dass er mit der Bombendrohung rein gar nichts zu tun habe. Über eine Rufdatenerfassung konnte schließlich der Anrufer ausgeforscht werden: der damals 15 Jahre alte Dominik G.

"Wie kommt man auf sowas?", wollte Richterin Sylvia Primer am Freitag von Dominik G. wissen. Denn der besucht gar nicht das Polytechnikum: "Ich wollt' nur dem Oliver helfen." Sein Freund hatte damals verschlafen und wollte nicht zur Schule. "Gemma schwänzen", schlug Dominik vor, als er Oliver am Schulweg begleitete. Das ging aber nicht: Oliver hatte schon zu viele Fehlstunden - mehr hätten seinen Abschluss gefährdet. Also schlug er vor: "Mach ma a Bombendrohung."

"Dass so etwas kein Scherz ist, ist Ihnen inzwischen hoffentlich klar", ermahnt Primer den jungen Angeklagten. "Es tut mir leid - ich mach' so etwas nie wieder", ist dieser auch zerknirscht. Er wird zu zwei Monaten bedingter Haftstrafe verurteilt. Der ein Jahr jüngere Oliver war bereits vor Gericht - ihm war allerdings "mangelnde Reife" attestiert worden.

Dominik G. hofft nach dem Prozess nun auf eine gute Nachricht: "Ich bekomm' heute Bescheid wegen einer Lehrstelle." (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.8.2008)

 

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