Spekulation um ÖIAG-Gesellschafterzuschuss

7. August 2008, 16:47
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Allerdings müsste auch ein Gesellschafterdarlehen nach EU-Recht auf Beihilfecharakter überprüft werden, wie die ÖIAG betont

Wien - Im Vorfeld des Verkaufs der angeschlagenen Austrian Airlines (AUA) hält sich hartnäckig die Spekulation, wonach die ÖIAG - unabhängig vom Verkauf der Anteile der Republik - in den nächsten Monaten der AUA einen Gesellschafterzuschuss gewähren könnte, um eine drohende Finanzlücke abzudecken bzw. angesichts der hohen Schuldenlast das Eigenkapital zu verbessern. Das wäre eine Art öffentlicher Kredit.

In der ÖIAG machte eine Sprecherin am Donnerstag abermals auf die Problematik aufmerksam, dass "auch ein Gesellschafterdarlehen nach EU-Recht auf Beihilfecharakter überprüft" werden müsste.

Die "Kronen Zeitung" hat auch in ihrer heutigen Ausgabe hervorgehoben, dass es "für Faymanns Planungshorizont" spreche, weil er ... "eine Kapitalspritze von 150 bis 200 Mio. Euro angedacht" habe. So könne die AUA ihre Partnersuche "auf Augenhöhe" professionell durchführen, so die Zeitung.

Neue Varianten "blühen"

Rund um AUA/Lufthansa werden laufend neue Varianten kolportiert. Laut "Format" könnte für den (wahrscheinlichen) Fall, dass die Lufthansa die AUA kauft, eine Paketlösung mit AUA und "Niki" zu stande kommen. Demnach gebe es Überlegungen, in diesem Fall gleich den österreichischen Markt zu konsolidieren und sich auch bei "Niki" zu engagieren. Ein AUA-Eigentümer Lufthansa, der sich zuhause bereits an Billigfliegern beteiligt hat, könnte das Low-Cost-Modell von Niki und das Netzwerk der AUA zusammenspannen. Dass Air Berlin mit 24 Prozent an Niki Laudas Airline beteiligt ist, wäre ein lösbares Problem, heißt es in dem Bericht weiter. "Air Berlin wird sich deswegen keinen Krieg anfangen", wird ein Insider zitiert.

Diskussion um Sperrminorität

Die Raiffeisen Zentralbank (RZB), mit 3,43 Prozent an der vorm Verkauf stehenden Austrian Airlines (AUA) beteiligt, hat nicht vor, Aktien zuzukaufen, um so an einer "österreichischen Sperrminorität" mitzubasteln. "Wir planen nicht, unsere Aktien aufzustocken", erklärte RZB-Vizegeneraldirektor Herbert Stepic am Donnerstag bei der Halbjahrespressekonferenz von Raiffeisen International (RI) in Wien.

Nur unter der Maßgabe, dass sich ausreichend heimische Unternehmen und Investoren finden, um bei der Austrian Airlines eine Kernaktionärsgruppe für 25 Prozent und eine Aktie zusammenzustellen, will die Staatsholding ÖIAG ganz aus der AUA aussteigen. Schon am gestrigen Mittwoch hatte der für "Österreich-Lösungen" immer ventilierte Industrielle Hannes Androsch abgewunken. Auch die börsenotierte Oberbank will keine AUA-Aktionärin sein. Bankchef Franz Gasselsberger kann sich "nicht vorstellen", einem AUA-Kernaktionärskonsortium anzugehören, wie er bei seiner Halbjahrespressekonferenz in Wien deponierte.

Raiffeisen war vor Jahren, wie andere österreichische Investoren auch, zu dem Einstieg gebeten worden. Einer solchen Bitte würde sein Haus jetzt nicht mehr nachkommen, machte Stepic heute deutlich. Raiffeisen sei zwar immer gut für eine "Nothelferposition", man werde jetzt aber keine AUA-Papiere zukaufen. In der Gegenrichtung freilich, sollte ein Verkauf der Anteile eine gute Lösung sein, wäre die RZB bereit für einen Verkauf ihrer Aktien. Zu dem jetzigen Kurs wolle man aber sicher nicht aussteigen.

Mit der jetzigen Aktienquote wird die RZB dem Streubesitz in der AUA zugerechnet. Unter den deklarierten heimischen Investoren ist sie aber nach ÖIAG (42,75 Prozent) und AUA selber (eigene Aktien) immerhin drittgrößter Anteilseigner.

Eine Sperrminoritäts-Quote von 25 Prozent und einer Aktie durch private österreichische Investoren beim Verkauf an eine ausländische Airline könne man nicht politisch verordnen, findet Stepic. Diese Ankündigung sei ein klassischer politischer Kompromiss gewesen. Sich auf eine österreichische Sperrminorität zu einigen sei "theoretisch" möglich, glaubt Stepic, "praktisch" glaubt er nicht daran. "Wenn wer Interesse hat, wird man es an dem nicht scheitern lassen."

Als Konzern mit ausgedehnten Geschäften in Osteuropa wünsche er für die AUA einen Kernaktionär, der letztlich den Schwerpunkt dort lasse, wo er sei und wo die AUA in der Vergangenheit viel Geld verdient habe: In Zentral/Osteuropa (CEE). Stepic geht davon aus, dass jeder Investor genau dieses Netzwerk im Auge haben wird.

Die AUA sei in einer gewissen finanziellen Notlage. Beim Verkauf werde neben der Sicherung einer besseren Struktur der Preis eine Rolle spielen, nicht nur "Sympathie".

Die bisher als Favorit gehandelte Lufthansa ist für Stepic "sicher ein guter Partner" für die AUA, damit wäre auch kein Aufwand für einen Allianzwechsel verbunden. Air France KLM etwa, die gerade bei der Alitalia zu kurz gekommen sei, sitze auf einem Haufen Geld und könnte ebenfalls Appetit zeigen. Für Air China wiederum möge es viel Sinn machen, einen "Hub" in Europa zu besetzen, für die AUA wäre in den Augen von Stepic aber ein Partner mit breit gefächertem Streckennetz logischer als ein Partner mit Schwerpunkt Ostasien.

Kein zweites Frankfurt

"Wien wird auch mit einem strategischen Partner kein zweites Frankfurt", so Stepic weiter. Er bezweifelt, dass eine Lufthansa das Osteuropabusiness dann nach Frankfurt oder München verlegt, "das macht keinen Sinn, ist ja auch die verkehrte Richtung".

Städtische-Chef Günter Geyer (die VIG hält 1,4 Prozent an der AUA) hat eine Aufstockung davon abhängig gemacht, welches Konzept mit dem neuen strategischen Partner verfolgt wird. Der Flughafen Wien hat mehrfach Ambitionen zurückgewiesen, zu einer Beteiligung an der AUA bewogen zu werden,

Nach einem Bericht des Magazins "Format" glaubt nicht einmal Verkehrsminister Werner Faymann (SPÖ) an überbordendes Interesse potenzieller heimischer AUA-Investoren: "Die ÖIAG muss ernsthaft damit rechnen, dass sie weiterhin an der Fluglinie beteiligt bleibt", sagte er dem Magazin. Dem aktuellen Beschluss der Noch-Koalitionspartner zufolge müsste wie berichtet die ÖIAG so viele AUA-Anteile behalten, wie in einem Österreich-Konsortium auf die Sperrminorität fehlen. (APA)

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