Kalt-warm für Österreichs Tourismus

6. August 2008, 12:56
37 Postings

Die heimischen Hoteliers und Gastronomen fürchten sinkende Umsätze – auch Urlauber sind unzufrieden- mit Video

Wien - Dass die EURO 2008 wirtschaftlich ein "Eigentor" war, darüber ist man sich in der Tourismusbranche einig. Wie zufriedenstellend sich die aktuelle Sommersaison, abgesehen vom Minus im EM-Monat Juni, noch entwickeln wird, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Wie der Standard berichtete, erwartet der Präsident der Hoteliervereinigung, Sepp Schellhorn, ein kräftiges Nächtigungs- und Umsatzwachstum. "Derzeit stehen wir bei einem Plus von vier Prozent. Der August hat sehr gut begonnen." Sechs Prozent Plus seien bis Ende Oktober zu schaffen. Weniger optimistisch sehen das die vom market-Institut 3615 befragten Betriebe der Hotellerie und Gastronomie.
Knapp die Hälfte der Betriebe ist mit der Prognose für den Sommer 2008 vorsichtig. Ein Drittel fürchtet sinkende Umsätze, die Gruppe der Betriebe, die von Steigerungen ausgeht, ist nur halb so groß. Die bisherige Entwicklung erklärt die Skepsis der Hotelbetreiber: Knapp die Hälfte sind mit den Nächtigungszahlen bis dato nicht zufrieden. Vor allem in den ländlichen Regionen Tirols und Salzburgs liegen viele Betriebe unter dem Niveau des Vorjahres. Gleiches gilt für die Buchungslage - der Großteil der Unternehmen zieht eine magere Bilanz, sie liegen unter dem Buchungsniveau 2007.

Rückblick auf die Wintersaison

Ein Rückblick auf die Wintersaison gibt mehr Anlass zur Freude. Knapp drei Viertel der Betriebe urteilen positiv. Vor allem die Hotellerie konnte ein Umsatzplus erzielen; aufgrund höherer Kosten gehen die Unternehmer jedoch von einem sinkenden Ertrag aus. Die Betriebe sprechen sich daher mehrheitlich für die Weitergabe der Kosten an ihre Kunden aus. Doch nicht nur vonseiten der Tourismusbetriebe hätte es besser laufen können, auch die Urlauber sehen das so: Immerhin gab es von Mitte Juni bis Mitte Juli 183 Beschwerden. Aus der Analyse der Arbeiterkammer geht hervor, dass 43 Prozent mit der Hotelunterbringung unzufrieden waren. Doppelt so viele wie im Vorjahr ärgerten sich über Lärm. Österreichs Betriebe können aufatmen, die meisten Beschwerden beziehen sich auf Türkei, Griechenland und Ägypten.
Ein Drittel der Klagen betraf die Flüge: Diese waren oft überbucht, wurden zusammengelegt, annulliert oder überhaupt gestrichen. (Doris Nentwich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.8.2008)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zu den Spielen der EURO 2008 bevölkerten Fans die Wiener Innenstadt. Elf Prozent der heimischen Tourismusbetriebe bewerten die Auswirkung der Fußball-EM auf den eigenen Betrieb aber als "sehr negativ".

Share if you care.