Verkauf von Dresdner Bank zieht sich

5. August 2008, 19:30
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Zwischen Dresdner und Commerzbank gibt es laut Insidern ein Vertrauensproblem

Frankfurt - Ein schneller Verkauf der Dresdner Bank ist nicht in Sicht. Als Favorit in den seit Monaten laufenden Sondierungsgesprächen gelte zwar nach wie vor die Commerzbank, allerdings gebe es mit dem heimischen Konkurrenten noch ungeklärte Fragen zur Bewertung. Auch ein Scheitern der Verhandlungen sei nicht auszuschließen, hieß es. Commerzbank, Dresdner Bank und Allianz lehnten Stellungnahmen ab.

"Es gibt derzeit ein Vertrauensproblem zwischen den beiden Banken", sagte eine mit der Situation vertraute Person. Man lasse bestimmte Details in den Büchern nur zögernd vom anderen ansehen. Auf beiden Seiten herrsche Unsicherheit darüber, welche Risiken noch in den Banken schlummerten, ist zu hören.

Die beiden Häuser erwägen eine Fusion und prüfen seit einigen Wochen gegenseitig die Bilanzen, um eventuelle Risiken zu erkennen und den Preis festzulegen. In Folge der weltweiten Finanzkrise musste die Allianz-Tochter Dresdner Bank im Investmentbanking herbe Verluste einstecken. Bei der Commerzbank ist vor allem die Immobilienfinanzierungs-Tochter Eurohypo von den Marktverwerfungen betroffen. Der Wert der Dresdner Bank wird von Analysten auf acht bis neun Mrd. Euro geschätzt. Die Commerzbank kommt an der Börse auf einen Marktwert von fast 14 Mrd. Euro.

Als weiterer Interessent für die Dresdner, die 2001 für 24 Mrd. Euro von der Allianz übernommen worden war, gilt Kreisen zufolge auch die spanische Großbank Santander. Mit der China Development Bank (CDB) habe es in der Vergangenheit ebenfalls Kontakte gegeben, jedoch werde mit ihr nicht verhandelt, hieß es in den Kreisen. "Aktuell läuft da nichts mehr, das ist politisch auf beiden Seiten nicht durchsetzbar", sagte ein mit dem Prozess Vertrauter.

Auslandsinvestitionen der CDB müssen von der chinesischen Regierung abgesegnet werden. Als das Institut kürzlich seinen Anteil an der britischen Bank Barclays aufstocken wollte, wurde dies untersagt.

Auch bei der Postbank, für die der Mutterkonzern Deutsche Post einen Käufer sucht, läuft das Verfahren schleppend. Ein Knackpunkt ist Finanzkreisen zufolge auch hier der Preis, da die Bewertungen aller Banken wegen der Krise an den Kreditmärkten zuletzt nochmals stark gefallen sind.

Und die Krise rüttelt die Branche weiterhin, wie die Quartalsberichte der Großbanken rund um den Globus zeigen. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 6.8.2008)

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    Dresdner und Commerzbank kämpfen: In Zeiten der Finanzkrise zeigt man seine Bilanz nicht gerne her.

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