Verdächtige Kontobewegungen bei Austrokanadier Wolf

5. August 2008, 14:03
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Das Wiener Innenministerium soll auf die Transaktionen aufmerksam gemacht haben. Im Fokus steht eine Überweisung von fünf Millionen Euro an Walter Wolf

Ljubljana - In dem mutmaßlichen Bestechungs-Fall um den Verkauf von 135 Radpanzern des finnischen Waffen-Herstellers Patria an Slowenien wurden die verdächtigen Finanztransaktionen laut slowenischen Medien in Österreich entdeckt. Das Wiener Innenministerium sei bereits Anfangs des Vorjahres auf die Geldflüsse aufmerksam geworden, berichtete die Tageszeitung "Dnevnik" am Dienstag unter Berufung auf mehrere informelle Quellen. Im März 2007 habe Wien slowenische und finnische Behörden informiert. Innenministeriumssprecher Alexander Marakovits konnte diese Angaben zunächst weder bestätigen noch dementieren.

Patria hatte 2006 seinen slowenischen Konkurrenten Sistemska tehnika, einen Partner der in Wien beheimateten Steyr-Daimler-Puch (SSF), ausgestochen. Unmittelbar nach der Unterzeichnung des 278 Millionen Euro schweren Vertrags zwischen Patria und dem slowenischen Verteidigungsministerium im Dezember 2006, nämlich im Jänner 2007, soll es den Berichten zufolge zu ersten fragwürdigen Transaktionen auf österreichischen Bankkonten gekommen sein.

Aufmerksamkeit erregte laut "Dnevnik" vor allem eine Überweisung von fünf Millionen Euro auf das Konto des austrokanadischen Geschäftsmannes und ehemaligen Formel-1-Rennstallbesitzers Walter Wolf (Mit "Wolf Racing" wurde Jody Scheckter 1977 Vize-Weltmeister, Anm.). Das Geld soll über mindestens einen Vermittler aus Finnland überwiesen worden sein. Die Summe, die der slowenische Privatsender POP TV auf drei Millionen Euro bezifferte, soll der in Graz gebürtige und im slowenischen Maribor aufgewachsene Unternehmer auf mindestens fünf Bankkonten etwa in Australien, Kanada, Liechtenstein und Indonesien weitergeleitet haben. Einen Teil der Summe soll Wolf für sich behalten haben.

Haftbefehle

Gegen Wolf und einen früheren hohen Steyr-Mitarbeiter, Hans Wolfgang Riedl, hat ein finnisches Gericht bereits Mitte Juli Haftbefehle ausgestellt. Ein Rechtshilfegesuch an Österreich erging in der Causa bereits im März. Es werde von den Oberstaatsanwaltschaften Graz und Wien bearbeitet, bestätigte Justizministeriumssprecher Thomas Geiblinger der APA am Dienstag. In Österreich sei derzeit kein Verfahren anhängig. Lapidarer Kommentar von Wolf, der sich derzeit auf seiner Ranch in Kanada aufhält und Ende August nach Europa zurückkehren will: Der Haftbefehl sei "eine Dummheit".

Welche Rolle die einstige schillernde Formel-1-Figur bei dem umstrittenen Rüstungsdeal genau gespielt haben soll, ist unklar. "Dnevnik" beruft sich auf finnische Quellen, laut denen Wolf zumindest keinen Vertrag mit Patria hatte. Auch beim slowenischen Unternehmen Rotis, das bei der Ausschreibung in Slowenien als Patrias Vermittler aufgetreten war, weiß man nichts von einer Einbindung Wolfs in den Deal. Wolfs Anwalt Andrej Kac betonte, dass sein Mandant eine Zusammenarbeit mit Patria "kategorisch abstreitet". Zugleich bestätigte er gegenüber POP TV, dass Wolfs Konto in Liechtenstein eingefroren wurde. Sein Mandant hatte abgestritten, ein solches überhaupt zu haben. Zeitungen hatten zuvor berichtet, Wolf sei wegen einer verdächtigten Geldtransaktion über sein Bankkonto in Liechtenstein ins Visier der Ermittler geraten.

Auch zum kolportierten Patria-Berater Riedl gibt es in slowenischen Medien verschiedene Angaben. Als einstiger Steyr-Mitarbeiter soll er nicht nur der Bestechung, sondern auch der Betriebsspionage verdächtigt werden, was die Ermittler vorerst aber nicht bestätigten. Laut "Dnevnik" arbeitete Riedls österreichische Firma Riedl Handelsgeschäfte mit Patria zusammen. POP TV bezeichnete Riedl als Leiter der österreichischen Patria-Niederlassung und berichtete, dass der finnische Rüstungskonzern unmittelbar nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags eine Provision von rund drei Millionen Euro an Patria Austria im Zusammenhang mit dem Slowenien-Deal überwiesen haben soll. Diese Summe soll Riedl an Wolf weitergeleitet haben.

Die slowenische Polizei hält sich in der Causa weiterhin bedeckt. Polizeidirektor Joze Romsek sagte am Montag vor der Presse, man könne die laufenden Ermittlungen wegen dem medialen Interesse nicht kommentieren. (APA)

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