Da raucht der Saibling

5. August 2008, 17:00
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Jeden Freitag in Traismauer stellen sich Hundertschaften um Forellen, Saiblinge und Lachsforellen frisch aus dem Räucherofen an

Dazu: Hilberg über Fisch am Attersee. Und die Reinanken-Staberlfischnummer für den Traunsee.

Sagt Ihnen Haimel etwas? Wenn ja, sind Sie vielleicht häufiger Gast beim feinen Floh in Langenlebarn. Der streicht in der Karte besonders hervor, dass seine Fische vom Nämlichen aus Traismauer sind. Aber auch wer beim Böhm in Weinzierl einkehrt (was man einfach zu selten tut), kann vom Haimel hören. Zum Beispiel, dass in Traismauer jeden Freitag um 18.30 die Forelle steppt. Wer Fisch (im Ganzen, geräuchert) nicht gern mit den Fingern verspeist, der möge das Besteck mitbringen, rät Mutter Böhm noch. Und: Rechtzeitig eintrudeln, vor allem bei Schönwetter!

Die grob geschätzten 20 Heurigentische waren diesen Freitag schon vor 18 Uhr praktisch voll besetzt, Nachzügler bekamen die letzten Campingtische und -sessel in den Vorgarten. Plastiktischdecke, Wein, Apfelsaft, Soda aus der Literflasche. Abgerechnet wird nach Konsumation, und die übrigens sehr kundenfreundlich geschätzt, wenn man zum Beispiel als Alleingänger weder Apfelsaft noch Soda wegbekommt. Mensch braucht ja auch noch Platz für die Fische, um die's hier geht.

Forelle auf Abruf

Das Prinzip: Um 18.30 (mit akademischem Viertel) karrt das trotz Massenandrangs freundlich-souveräne Personal Stapel geräucherter Forellen über den Platz. Wer Interesse signalisiert, bekommt. Wer das tat, wirkte sehr zufrieden. Ich war schon drauf und dran, mir einen Fisch zu rufen. Aber: Zehn Minuten danach kommen die vorbestellten Saiblinge aus dem Räucherofen, und zu denen hat man mir nachdrücklich geraten. Forelle und Saibling? Ich war sehr versucht, aber im Angesicht des bestellten Fisches ganz froh über meine Zurückhaltung.

Auf dem Papierteller (gleich mit Preisangabe: 6,50 Euro) ein unterarmlanger Zuchtfisch, dem man nicht verdenken kann, dass er beim schwungvollen Abstellen noch ein bisschen spuckt. Sollte eh schon in die Putzerei, die Hose. Mit dem ersten Bissen ist dem Tier alle Rüpelhaftigkeit post mortem verziehen. Pur, prächtig, bisschen, aber nicht störend salzig. Schwarzbrot dazu, fertig.

Gewaltige Lachsforelle

Die Herrschaften aus Herzogenburg, die schon öfter da waren, wollen mir jetzt im Übermut des hauseigenen Veltliners noch eine Lachsforelle ans Herz legen. Die kommen so 15 bis 20 Minuten nach den Saiblingen aus dem Ofen. Sollten Sie dieses Tier bestellen, empfehle ich Ihnen, eher in größerer Gesellschaft nach Traismauer aufzubrechen. Fast schon armlang war die Lachsforelle, die wenig später an mir vorbeigetragen wurde. Da reichen auch Fidlersche Fresskapazitäten nicht mehr.


Nächster Plan: Traismauer, Freitags, Forellen kosten. Und vergleichen mit den selbst geräucherten aus dem Hagenthal bei Langenlebarn, wo praktischerweise auch sonn- und feiertags Forellen, Lachsforellen und Karpfen frisch aus dem Wasser ausgegeben werden.


Die Steckerlfisch-Nummer für den Traunsee


Und wo wir schon beim Fisch sind: Ich hab' die Quelle der Reinanken für Steckerl- beziehungsweise Staberlfisch aufgetrieben und darf sie auch verraten, wurde mir vom Horst hinterbracht: Gerhard Friedl (07612 73668) holt sie aus dem Traunsee.


Hilbergs Fischpicknick am Attersee


Weil's von dort auch nicht mehr allzu weit ist zum Attersee, wenn man schon einmal unterwegs ist, hängen wir noch ein fischiges Kurzbulletin aus diesen Gefilden von unserem Sonderkorrespondenten Konstantin Hilberg an. Der schreibt:


"Während Harald Fidler vom Steckerlfisch schwärmt und sie – offenbar schwarmweise – verputzt, treibe ich mich am Attersee herum. Und stelle zunächst resignierend fest, dass der "Fischer Sepp", bis vor einigen Jahren eine Top-Adresse in Sachen Fischessen am Attersee, nach wie vor geschlossen hat. Also heißt es: zur Selbsthilfe greifen, und das ist glücklicherweise bereits ein Haus weiter möglich. Die Fischerei Ecker fängt und produziert selbst. Neben den obligaten Saiblingen und Forellen – wunderbar zart geräuchert erhältlich und in dieser Version vakuumiert rund drei Wochen haltbar, wie man mir versichert hat – gibt es auch immer wieder Reinanken, Hechte, Aale und Weißfische.


Besondere Beachtung verdienen aber die verarbeiteten Produkte, vor allem die Terrinen und die Forellen-Sulz suchen ihresgleichen. Da sich die kulinarischen Sensationen am Attersee eh in Grenzen halten – immer kann man halt nicht ins 1er Beisl im Lexenhof gehen, wovon ein andermal -, empfiehlt es sich also, den Picknick-Korb beim Ecker zu füllen. Soferne das vermaledeite Wetter im Salzkammergut mitspielt. Und sollte der Fisch wider Erwarten doch schwer im Magen liegen, empfiehlt sich ein Stamperl vom Haferschnaps. Den gibt's, nebst einer kleinen Auswahl an Weinen, nämlich auch beim Ecker."

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben – also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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    Frisch aus dem Wasser, ab in den Räucherofen.

    Haimel
    St. Georgener Gasse 5 (gleich hinter dem Weingut, wo's raucht und viele Autos stehen)
    Traismauer
    Jeden Freitag um 18.30 Uhr, früher Kommen empfiehlt sich vor allem bei Schönwetter.

    Saibling, Apfelsaft, Soda 9,60

    Fischerei Ecker
    Moos 17
    4863 Seewalchen
    Di-So 9-18 Uhr
    http://members.aon.at/eckers/

    Foto: Gaetan Bourque/flickr.com; flickr.com/photos/lesec/

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