Organisierte kriminelle "Kleinunternehmer"

5. August 2008, 09:02
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Der größte Teil der Kriminalität durch Fremde in Österreich ist "importiert" - und wird von organisierten Banden begangen, die mit Modellen der Gewinnbeteiligung operieren

Wien -  "Gentleman-Einbrecher sind die meisten keine", gibt Erich Zwettler zu bedenken. "Sie treten die Tür mit brachialer Gewalt ein oder brechen sie auf", schildert der Experte für organisierte Kriminalität im Bundeskriminalamt, wie der typische Einbruch durch eine Bande beginnt.
"Bei Serieneinbrüchen in Wohnungen kommen die Täter, die es auf Bargeld und Schmuck abgesehen haben hauptsächlich aus Georgien, Moldawien, Rumänien und Ex-Jugoslawien." Auffällig ist, dass unter den Verdächtigen speziell bei Georgiern und Moldawiern der Anteil der Asylwerber extrem hoch ist.


Anders das Beuteschema bei Geschäftseinbrüchen: Hier wird oft auf Bestellung gestohlen. "Die Kollegen finden immer wieder Listen, auf denen bestimmte Produkte oder Marken angeführt sind." Die Beute wird in Ost- und Südosteuropa oder auf italienischen Schwarzmärkten verkauft. In Serbien gelangt das Diebesgut mittlerweile sogar originalverpackt in reguläre Geschäfte.

Gegliedert sind die Gruppen  wie ein Wirtschaftsunternehmen, schildert Zwettler. "Für die niedrigste Stufe werden die Täter angeworben, die für die Auftragsdiebstähle einen Lohn wie Arbeiter bekommen. Bewähren sie sich, können sie ohne Auftrag losziehen und bekommen nur Kategorien wie 'Laptops' vorgeschrieben. Sie erhalten eine Fixpreis- und Abnahmegarantie." Die nächste Stufe seien "Kleinunternehmer", die prozentual am Wert der Beute beteiligt werden. Die großen Köpfe haben die Verteilernetze unter Kontrolle und wissen, wo wie viel verkauft werden kann. Jede Ebene ist von der nächsten praktisch abgeschottet, um Verrat zu erschweren - ein typisches Zeichen organisierter Kriminalität.


Unbekannte Täter

Interessanterweise sind die bekanntesten Organisationen wie Mafia, Camorra oder Sacra corona unita in Österreich praktisch nicht aktiv. "Wir wissen nicht genau warum, außer einzelnen Versuchen der Geldwäsche sind diese Gruppen nie auffällig geworden", berichtet der Kriminalist.

Bei organisierter Kriminalität aus China stehen die Ermittler vor einem anderen Problem: Sie sind sich sicher, dass es sie gibt, können aber weder zu Opfern noch Tätern vordringen. Die Gruppe ist völlig homogen und nach außen abgeschottet, was auch auf eine weitere, kleine, Gruppe zutrifft: Perser, die das hierzulande völlig ungebräuchliche Rauchopium über die Balkanroute in die ganze Welt verteilen.


Friedliches Drogenkartell


Diese Balkanroute über die Türkei und Ex-Jugoslawien ist noch immer der Hauptweg afghanischen Heroins Richtung Westen. Die Bosse sind vor allem Türken; in Albanien und im Kosovo wird das Rauschgift umgeschlagen und verpackt. Den Straßenverkauf kontrollieren Westafrikaner. Die Gruppen bilden ein meist friedliches Kartell: Türken stehen hinter dem Heroin, Südamerikaner und Westafrikaner hinter dem Kokain, Polen hinter Ecstasy.
Österreichische Dealer gibt es natürlich auch. "Aber die haben meist einen fixen Kundenstock und wickeln die Geschäfte in Wohnungen ab." Einer der Bereiche der organisierten Kriminalität, die noch fix in heimischer Hand sind: Der Menschenhandel im Zusammenhang mit Prostitution. "Die Lokale gehören Österreichern, die auch das "Verschieben" der Frauen in andere Länder kontrollieren."(Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 5.8.2008)

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    Von dem geschickten Schlossknacker, der die Eingangstüren mit Dietrichen geräuschlos öffnet, ist nicht mehr viel geblieben: Mit brachialer Gewalt dringen Einbrecherbanden in Wohnungen ein.

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