Abkühlung zwischen Nordkorea und Südkorea

4. August 2008, 17:44
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Ein Todesschuss hat einen diplomatischen Nachhall

Der Streit um die Erschießung einer südkoreanischen Touristin in einem nordkoreanischen Touristenresort gefährdet die innerkoreanische Annäherung. Am Sonntag drohte ein Sprecher der nordkoreanischen Militärs an, südkoreanische Angestellte des Erholungszentrums auszuweisen, die als "unnötig" eingestuft würden.

Damit dürfte das Symbol der nationalen Versöhnung am Berg Kumgang schwer ins Wanken geraten. Denn Südkorea antwortete, dass die Regierung ihr Reiseverbot für Touristentouren in den Norden weiterhin solange aufrechterhalten würde, bis der Norden eine gemeinsame Untersuchung des tragischen Todesfalls erlaubt. Die Touristin Park Wang-ja war am 11. Juli bei einem Strandspaziergang in der Morgendämmerung durch einen nordkoreanischen Soldaten erschossen worden.

Harte Haltung

Die Eskalation des Zwischenfalls bedroht den vorsichtigen Versuch von Südkoreas neuem Präsidenten Lee Myung-bak, seine harte Haltung gegenüber Nordkorea aufzuweichen. Nach seinem Amtsantritt im Januar waren die Beziehungen zwischen den Bruderstaaten abrupt abgekühlt. Denn der konservative Staatschef machte seine Drohung war, Wirtschaftshilfe an den Norden stärker als seine linksliberalen Vorgänger an Gegenleistungen des kommunistischen Regimes zu knüpfen.
Doch durch diese Haltung erschwerte Südkorea nicht nur die multilateralen Verhandlungen über die Beendigung von Nordkoreas Atomprogramm. Auch eine drohende Hungersnot im wirtschaftlich ausgebluteten Norden des Landes verlangte einen Kursschwenk.
Lee wollte daher versuchen, Nordkorea auf einem Treffen mit Nordkoreas Nummer zwei, Kim Yong-nam, am Freitag am Rande der Olympischen Spiele in Beijing zu einem Einlenken zu bewegen. Denn seine Wähler dürften ihm ein Zugeständnis nicht verzeihen. Im Süden herrscht Empörung, weil Nordkorea Südkoreas Forderung nach einer gemeinsamen Untersuchungskommission und einer Entschuldigung mit einer Gegenforderung beantwortete, nämlich, dass sich der Süden zu entschuldigen habe.

Massenproteste gegen Bush

Nordkorea behauptet, der Posten hätte sich korrekt verhalten. Nach nordkoreanischer Darstellung war die Frau weit hinter einen Absperrzaun auf militärisches Gelände vorgestoßen. Ein Posten hätte sie aufgefordert, stehen zu bleiben und erst geschossen, als sie trotzdem davongelaufen sei.
Die Popularität des als Hoffnungsträger ins Amt gejubelten Lee ist bereits auf historische Tiefstände gesunken, seit er das Importverbot für Rindfleisch aus den USA aufgehoben hat. Grund für den Importstopp vor fünf Jahren war ein Fall der Rinderseuche BSE in den USA. Der heute beginnende Staatsbesuch von US-Präsident George Bush dürfte Lees Beliebtheit kaum erhöhen. Bürgergruppen haben bereits Massenproteste angedroht.

In Südkorea will Bush über die atomare Abrüstung Nordkoreas sprechen. Auch ein Freihandelsabkommen soll während des zweitägigen Besuchs unterzeichnet werden. Anschließend fliegt Bush nach Thailand, wo er eine umfassende Rede über seine Asien-Politik halten will. Einen Tag vor Beginn der Olympischen Spiele am 8. August will Bush dann nach China weiterreisen, um dort mehrere sportliche Wettkämpfe zu besuchen, aber auch über Menschenrechts- und Handelsfragen will er sprechen. (Martin Kölling aus Tokio/DER STANDARD, Printausgabe, 5.8.2008)

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