FC Kärnten klagt Klagenfurt

2. August 2008, 16:00
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Der Regionalligaverein wird gegen Kärntens Landeshauptstadt und wahrscheinlich auch gegen Mario Canori, Präsident von Austria Kärnten, gerichtlich vorgehen

Der FC Kärnten wird in den kommenden Tagen eine Klage gegen die Stadt Klagenfurt einbringen. Die Klagssumme dürfte insgesamt rund 840.000 Euro betragen. 200.000 Euro davon stammen aus einer Abschlagszahlung der PORR an die Stadt Klagenfurt, die dezidiert für den FC Kärnten gedacht war, weil der früher als vereinbart aus dem alten Stadion auszog und damit die Beschleunigung des Neubaus beförderte. Offenbar hat die Stadt Klagenfurt das Geld bisher nicht weitergegeben, laut FCK-Präsident Josef Steindorfer hat Bürgermeister Harald Scheucher bisher nicht einmal reagiert.

Weiters bereiten Präsident Josef Steindorfer und sein Anwalt Dieter Böhmdorfer offenbar eine Privatklage gegen den Präsidenten von Austria Klagenfurt, Mario Canori vor. Canori unterschrieb am 8. 5. eine (dem Standard vorliegende) Vereinbarung, derzufolge die schrittweise Übernahme wesentlicher Teile des FC durch Austria Kärnten vereinbart wurden. Der FCK sollte eine Million Euro als Entschädigung für die Übernahme der Spieler Bürgler, Prawda, Weber, Wolf, Königshofer, Zakany) bekommen. Diese Summe wurde mittlerweile gezahlt. Weiters wurde vereinbart, dass dem FCK 1 Million Euro an Sponsorgeldern zukommen sollten. Schließlich musste Steindorfer unter anderem dem Deal zustimmen, dass der Landesenergieversorge Kelag nicht mehr seinem Klub, sondern dem neuen Liebkind des Landeshauptmanns zuzahlen würde. Aus der Sponsormillion erhielt der FCK laut Steindorfer bisher erst 500.000 €.

Zeitdruck

Doch die Zeit wird knapp. Nach Informationen der Fußballergewerkschaft haben viele Spieler des FCK seit März keine Marie gesehen. Da der Insolvenzentgeltsicherungsfonds den Lohn ein halbes Jahr retour garantiert, läuft im September eine „natürliche" Frist aus und ein Insolvenzantrag wird fast unvermeidlich. Um sich also gegen den Vorwurf der Konkursverschleppung zu wappnen, „muss" Steindorf in diesen Tagen alle Gelder gerichtlich einfordern, denen er seit vielen Monaten nachläuft. Auch wenn er nicht immer öffentlich darüber berichtete.

Der Präsident der Austria Kärnten, Mario Canori, sieht die Causa ein wenig anders. Canori: „Wir haben dem FCK noch nach dem Beschluss in der Generalversammlung, die Kooperation mit Pasching durchzuziehen, geholfen, damit er überhaupt seine Red Zac-Lizenz noch einmal kriegt." Auch die laut Steindorfer ausständigen 500.000 € aus dem Sponsortitel wertet Canori gegenteilig: „Die Austria hat den KELAG-Vertrag übernommen und dem FCK 500.000 € gezahlt, obwohl ihm nach dem Abstieg in die Regionalliga nichts mehr zugestanden wäre." Das klingt ein wenig verwirrend, denn Steindorfers Forderung stammt aus dem Sommer 2007, da war der FCK für die Red Zac-Liga qualifiziert und laut KELAG-Vertrag standem ihm dafür, so sagt Canori, 500.000 € zu. Die von Canori unterzeichnete Vereinbarung vom 5. 7. 2007 sieht die Zahlung von vier Mal 500.000 € über die Hypo Alpe Adria vor.

Canori: „Ich bin enttäuscht von Steindorfer, und ich glaube, er will jetzt vor der Wahl den Landeshauptmann unter Druck setzen. Damals ließen sich Verbindlichkeiten vor dem Finanzamt in Millionenhöhe nicht klären, deswegen war es nicht möglich den FCK zu übernehmen." Und deshalb, so Canori, habe man die Pasching-Lösung gewählt.

Warum sollten finanzamtliche Verbindlichkeiten nicht zu klären sein? War nicht eher der Wunsch ausschlaggebend, einen maroden Klub schnell loszuwerden? Ob es billig war, ist wohl Ansichtssache, denn die Lizenzübernahme der Austria Kärnten von Pasching kostete die Klagenfurter fünf Millionen Euro (unter anderem für die Spieler Ortlechner, Chaile, Chichinho, Bubenik, Riedl). Um diese Summe wäre wohl die FCK-Finanzamtakte auch sanierbar gewesen.

Rolle der Politik

Nicht zufälligerweise spielt die Politik in Kärntens Fußball eine maßgebliche Rolle. Der dortige Landeshauptmann hat den Klub immer als Renommierbühne für seine Politik erachtet. Der von ihm vor einigen Jahren aus der Austria Klagenfurt einst geklonte FC Kärnten wurde am 14. 3. 2007 nur durch eine Kreditrahmenerhöhung bei der Hypo Alpe Adria vor dem Spielerstreik (und dem Konkursantrag) gerettet und in die Lage versetzt, ein Cup-Spiel zu absolvieren. Vierzehn Tage später präsentierte der Landeshauptmann eine Plakatserie „Kärnten für die EURO". Der Tod des einzigen nennenswerten Landesvereins, der schließlich auch den Vorwand und die Notwendigkeit eines neuen Stadions schuf, hätte sich da ganz grauslich gemacht.

Steindorfer hält Canori/Austria Kärnten weiters vor, dass er durch die Übergabe der Nachwuchsabteilung Transferkosten für Nachwuchsspieler von Euro 588.610 verrechnen müsse, zuzüglich von laufenden Ausgaben bis zum 31.7.2008, dem Tag der Übergabe von Euro 288.700,62. Mit offenen laufenden Rechnungen (88.800 €) ergäbe das eine sofort fällige Summe
von 377.500,62 €.

Wie auch immer, es ist eher wahrscheinlich, dass Steindorfer sich mithilfe einer Klage bei Canori schadlos wird halten wollen. Steindorfer: „Das letzte Kompromissangebot von einer Million Euro war auch nicht zu realisieren. Ich habe nur Blabla gehört." Canori wiederum will davon nichts wissen. Canori: „Da ist offenbar der Wunsch der Vater des Gedankens. Steindorfers Forderungen sind einfach unrealistisch."

Jedenfalls kommt es im September vor der Bundesliga (Senat 2) zu einem Klagsverfahren, das der FCK vor rund zwei Monaten anstrengte und in dem er rund 4,1 Millionen € einfordert. In der Klagsbeantwortung der Austria Kärnten bestreitet Canori die FCK-Verlangen und erhebt seinerseits Forderungen. Die Übernahme der Akademielizenz durch die Austria wird vom FCK mit drei Millionen € angesetzt (Canori: „Die hat Verlust gemacht, wir haben dem FCK die Akademie abgenommen!"). Der Aufwand für den Aufbau und die Erhaltung des Bundesnachwuchszentrums seit 1998 wird mit 1,4 Millionen € beziffert. Mittlerweile kickt der FCK in der Regionalliga, das erste Spiel hat er in Weiz 2:1 gewonnen. FCK-Anwalt Peter Vogl geht dennoch von der Zuständigkeit der Bundesliga aus, schließlich wurde das Problem manifest, als beide Vereine noch Mitglieder waren. Große Eile hatte die Liga jedenfalls nicht, das Verfahren in Gang zu bringen. Wie lange die Causa auch dauert, sollte der FCK zusammenkrachen oder Austria Kärnten (die im vergangenen Herbst nach einem halben Jahr des Betriebs auch schon am Rande der Illiquidität spazierte) erhebliche Zahlungen aufgebrummt bekommen, die Bundesliga wird sich nicht davon distanzieren können. (Johann Skocek; DER STANDARD Printausgabe 2./3. August))

 

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