Darsteller im Drama um MIP und MAI

29. Juli 2008, 18:54
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Ex-Justizminister mit klagenden Anlegern

Dieter Böhmdorfer, Rechtsanwalt und ehemaliger Justizminister, vertritt den Interessenverband für Anleger (IVA). Böhmdorfer führt Klage gegen Meinl-Manager und die Meinl-Bank. Mitte März hatte der Verband unter dem Titel "Sittenbild Meinl" insgesamt sechs Kritikpunkte auch auf seiner Homepage veröffentlicht. Daraufhin belegte Meinl den IVA mit einer Klage im Streitwert von 21.000 Euro. Auf der Hauptversammlung am Montag überraschten von Böhmdorfer vertretene Aktionäre, als sie unerwartet im Sinne des Meinl-nahen Managements stimmten.

Ex-Finanzminister mit Sorge vor Jobverlust

Karl-Heinz Grasser ist Vorsitzender und Drittel-Eigentümer der Meinl Power Management Ldt. (MPM), jener Gesellschaft, die für MIP die Projekte auswählt und abschließt. Die restlichen Anteile an MPM hält die Meinl Bank. Bei der Hauptversammlung ist Grasser sichtlich nervös zwischen Publikum, Investoren und Backoffice hin und her geeilt. Für ihn geht es um seinen Job in der MPM. Denn die MIP verfügt über eine Option, die MPM für 32 Mio. Euro zu kaufen. Dem Ex-Finanzminister (auf einem ÖVP-Ticket) könnte der Managementvertrag aber um elf Mio. Euro abgegolten werden.

Ex-Verbund-Chef mit Kampfgeist

Ex-Verbund-Chef Hans Haider ist Vorsitzender von Meinl International Power. Und diese Rolle dürfte nicht so leicht für ihn sein. Denn im Jänner dieses Jahres gab Haider noch zu Protokoll: "Auch ich frage mich, wieso ich mir das angetan habe." Doch dann erwachte offenbar wieder der Kampfgeist. Den "Rebellen" wollte man das Unternehmen nicht überlassen. Also wurde an Plänen gefeilt, die Investoren von der derzeitigen Strategie zu überzeugen. Dennoch betonte Haider laufend, für eine Filetierung nicht zur Verfügung zu stehen. Chef von MIP zu bleiben ist Haider vorerst gelungen.

Langhaariger "Rebell" mit Zockerlaune

Alexander Proschofsky gilt als Sprecher der "rebellischen" Investoren, die das Direktorium von MIP und MAI neu besetzen wollten. Gelungen ist das nur bei MAI. Bei MIP vertritt Proschofsky laut eigenen Angaben 250 Investoren. Meinl ist aber nicht die einzige Baustelle, wo Proschofsky (er schreibt für den Austria Börsenbrief und ist Eigentümer von Cube Invest) tätig ist. Die Hauptversammlung der Meinl-Power am Montag war für ihn der "schwärzeste Tag seit Jahren für den Kapitalmarkt in Österreich". Zu Hans Haider sagt er: "Wenn er zu seinem Wort steht, dann sollte er zurücktreten."

Diskreter Investor mit keinen Zertifikaten

Michael Treichl, Spross einer alten Banker-Familie und Bruder von Erste-Bank-Chef Andreas Treichl, sitzt im MIP-Board und ist durch Gerüchte in die Kritik geraten. Kolportiert wird, dass Treichls Audely Capital versucht haben soll, vor der HV noch Stimmen zu kaufen. Großinvestoren sollen rund acht Euro pro Zertifikat (Börsenkurs 6,52 Euro) angeboten worden sein, wenn sie dafür bei der HV für die MIP-Pläne und gegen die "Rebellen" stimmen. Treichl zum Standard: "Die von Audely beratenen Fonds besaßen zu keinem Zeitpunkt MIP-Zertifikate und besitzen auch jetzt keine." (bpf, hie, red, DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2008)

  • Anwalt, Ex-FP-Politiker und Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer.
    foto: corn

    Anwalt, Ex-FP-Politiker und Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer.

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    Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

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    MIP-Boss und Ex-Verbund-Chef Hans Haider.

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    Cube-Invest-Eigentümer Alexander Proschofsky.

  • Anglophiler Investor und MIP-Direktor Michael Treichl.

    Anglophiler Investor und MIP-Direktor Michael Treichl.

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