"Landesradl" läuft unrund

29. Juli 2008, 18:34
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Klimaschutz-Schnellschuss: NÖ fördert teures Bike

St. Pölten - Das "NÖ Landesradl" ist offensichtlich eine schwarze Erfindung: Der Rahmen in VP-Schwarz, die Griffe, der Sattel und der Gepäcksträger in den niederösterreichischen Landesfarben Blau und Gelb. Es gehört zur niederösterreichischen Initiative "RADland", durch die sich die Zahl der pro Jahr im Land geradelten Kilometer bis 2012 verdoppeln soll. 1,6 Millionen Euro steckt Niederösterreich ingesamt in die Radinitiative - als Klimaschutzaktion. Ein Teil davon fließt in die landesweit erhältlichen Trekkingbikes: Wer als Niederösterreicher eines kauft, zahlt dafür 499 Euro und bekommt 100 Euro vom Land refundiert. Ein Schnäppchen?

Beim Hersteller Hercules gibt es ein in Ausstattung und Aussehen beinahe identisches Modell, das unter dem Namen "Zandar" in weniger auffallender Farbkombination um 100 Euro billiger erhältlich ist - ohne Klimazuschuss des Landes.

Wolfgang Buchner, Geschäftsführer der Buchner Bike GmbH, die vom Land den Auftrag für die Sonderedition bekam, erklärt: "Das Zandar ist ein anderes Modell. Die Räder sehen einander nur ähnlich." Umweltlandesrat Josef Plank (VP) sagt: "Es ist schon möglich, dass es da günstigere Angebote gibt." Das Landesradl sei ein Sonderauftrag, und es gebe auf dem Markt immer günstige Angebote.

"Bisserl in die Hose gegangen"


Das Salzburger Unternehmen Buchner Bike GmbH, das die Räder in die niederösterreichischen Läden bringt, hat bisher eigenen Angaben zufolge knapp 800 Stück ausgeliefert, nur ein kleiner Teil davon soll dort noch auf Abnehmer warten. 1500 Räder sind für die Aktion insgesamt eingeplant. Mitte Juli verkündete der Politiker Plank, es seien seit dem Startschuss der Aktion im Frühjahr 300 Räder weggegangen. Die Initiative laufe also "äußerst erfolgreich."

Hersteller Buchner liest die Zahlen anders: "Am Anfang ist die Aktion ein bisserl in die Hose gegangen. Der Zeitpunkt war um ein halbes Jahr zu spät." Der Auftrag für die Sonderedition sei nämlich "sehr kurzfristig" ausgeschrieben worden. Plank bestätigt, dass da "nur knapp Zeit" gewesen sei. Die geringe Zeitspanne sei auch mit ein Grund gewesen, warum die in Deutschland hergestellten Hercules-Räder und nicht in Österreich produzierte KTM-Bikes zum Zug kamen. Buchner glaubt, dass ihm die späte Ausschreibung genützt hat. "Es war mein Vorteil, dass ich so gute Kontakte zu mehreren Herstellern habe. Sonst hätte ich das zeitlich auch nicht geschafft", sagt der Zweirad-Service-Unternehmer.

Als das erste NÖ Landesradl im Mai endlich lieferbereit war, sei die wichtigste Messe im Radhandel allerdings vorbei und in den Lagern der Händler kein Platz mehr gewesen. Daran konnten wöchentliche Einschaltungen in Tages- und Lokalzeitungen auch nichts ändern.

Nun heißt es für Buchner: warten auf die nächste Radsaison. Bis Oktober 2009 sollen alle Landesradln weggehen. "Sonst müsste ich eben rechtzeitig stornieren", sagt Buchner. Ausfallshaftung vom Land gebe es keine. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 30. Juli 2008)

 

 

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