Faymann-Berater Androsch gegen Verkauf

29. Juli 2008, 19:00
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Hannes Androsch ist gegen die von der ÖIAG verlangte AUA-Privatisierung. Sollte die nicht in den nächsten Monaten kommen, stehen laut AUA-Chef Ötsch "Grausamkeiten" bevor

Wien - Die Staatsholding ÖIAG drängt auf einen raschen Privatisierungsauftrag von bis zu 100 Prozent des 42,75-prozentigen Staatsanteils der angeschlagene AUA. ÖIAG-Chef und AUA-Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis will damit größtmögliche Flexibilität bei Verhandlungen mit potenziellen Partnern haben. Der neue Partner sollte bis Ende Oktober feststehen.

Eckpunkte des Privatisierungsauftrags sollten Erhalt der Marke und Headquarter-Funktion sein. Darüber hinaus sollte der Auftrag so "minimalistisch" wie möglich sein. Michaelis: "Es stärkt unsere Verhandlungsposition." Einflussmöglichkeiten könne man auch in Managementverträgen festhalten.
Sollte die SPÖ beim Ministerrat am 12. August keine Zustimmung zu einem Privatisierungsauftrag geben, kommt es laut AUA-Chef Alfred Ötsch schon in den nächsten Monaten "zu allen Grausamkeiten, die Sie sich vorstellen können" , sagte er auf eine Standard-Frage bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse. Dazu zählt er den Verkauf von Fliegern, den Abbau von Mitarbeitern und die weitere Reduktion von Strecken. In dem Fall müsste der Vorstand sehr bald "Zündstufe zwei" einleiten und redimensionieren.

Nicht "notschlachten"

"Diesem Erpressungsargument würde ich mich nicht beugen", kontert Hannes Androsch, ehemaliger SP-Finanzminister, Industrieller und jetzt Berater des designierten SP-Chefs Werner Faymann. Er würde Faymann von einem Privatisierungsauftrag zurzeit "abraten". "Nur weil die Herrschaften in der ÖIAG in den letzten acht Jahren Mist gebaut haben, muss man die AUA nicht notschlachten. Herschenken kann man die AUA auch noch nach der Wahl" , sagte Androsch zum Standard. Und es gelte die Frage nach der politischen Verantwortung Wolfgang Schüssels und Karl-Heinz Grassers zu stellen.

Androsch verlangt, die Optionen auf den Tisch zu legen und dann darüber zu diskutieren, was unter Wahrung österreichischer Interessen die beste Lösung für die AUA sei. Jetzt in Panik zu verfallen sei falsch. Laut Androsch "schreit bei der AUA alles nach einer aktienrechtlichen Sonderprüfung und einer Rechnungshofprüfung".

AUA- und ÖIAG-Betriebsrat Alfred Junghans kritisierte, dass in der Boston-Consulting-Studie weder auf Standort-Auswirkungen noch auf fundierte Entwicklungsperspektiven eingegangen worden sei. Einige potenzielle Airline-Partner seien noch gar nicht analysiert worden. Die Unterlage des Beratungsunternehmens sei nicht einmal als Tischvorlage vorgelegen, sondern über Charts und auch hier nur unvollständig präsentiert worden. Für eine Entscheidungsgrundlage ist das Junghans derzeit zu wenig.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl geht es um den Nutzen für AUA, den Wirtschaftsstandort und den Flughafen. Sollte sich die Lufthansa als vernünftigste Lösung erweisen, "dann soll man sie auch nicht verhindern" . Auch eine Sperrminorität müsse man pragmatisch sehen. Diese bedeute zwar Einfluss auf strategische Entscheidungen, aber nicht auf Vorstandsbestellungen.

Ötsch, der mit Unterstützung von Schüssel 2006 zum AUA-Chef gekürt wurde, fühlt sich selbst noch gut im Sattel. "Ich habe einen Vertrag, es ist noch viel zu tun, und mir macht die Arbeit Spaß." Auf die Frage, wie es ihm mit seinem Schwenk vom Alleingang zum jetzigen Verkauf der AUA gehe, sagte Ötsch: "Wenn es die eigene Unfähigkeit gewesen wäre, hätte ich die Konsequenzen gezogen, aber es waren die geänderten Umstände." Nach minus 60 Mio. Euro im ersten Quartal gab die AUA am Montagabend einen Verlust von fast 50 Mio. Euro im ersten Halbjahr bekannt.

Verantwortlich dafür macht Ötsch die Treibstoffpreissteigerung um fast 74 Prozent, die anhaltende Finanzkrise, abgekühlte Konjunktur sowie die hohe Dichte an Billigfliegern in Wien.
Belastet wird das Ergebnis auch durch die Personalkosten. Während die Kapazität nach den Streckenstreichungen um acht Prozent auf 12,3 Mio. "Sitzkilometer" und die Mitarbeiterzahl um 3,3 Prozent auf 7870 sank, stiegen die Personalkosten wegen kollektivvertraglicher Lohnerhöhungen um 0,6 Prozent. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2008)

  • ÖIAG-Chef Peter Michaelis lauscht dme AUA-Vorstand, ehe er selbst für den AUA-Verkauf warb.
    foto: cremer

    ÖIAG-Chef Peter Michaelis lauscht dme AUA-Vorstand, ehe er selbst für den AUA-Verkauf warb.

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