Ausgangssperre für Jugendliche in England

29. Juli 2008, 17:04
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Operation "Gute Nacht" regelt den Sommerabend

Redruth - In Südengland geht man jetzt scharf gegen den Nachwuchs vor. Der Stadtrat von Redruth hat beschlossen, ein Ausgehverbot für die Kinder und Jugendlichen des Städtchens in der Grafschaft Cornwall zu verhängen. Operation "Gute Nacht" heißt die In_i_tiative. Seit dem 25. Juli dürfen sich Jugendliche unter 16 Jahren ab 21 Uhr nicht mehr draußen blicken lassen. Für Kids unter zehn Jahren gilt die Sperrstunde schon eine Stunde früher. Zum Vergleich: In Oberösterreich gilt für unter 14-Jährige ein Zapfenstreich um 22 Uhr, 14 und 15 Jahre alte Teens dürfen bis 24 Uhr draußen sein.


In Redruth ist Polizist Marc Griffin verantwortlich für diese neue Idee der Kontrolle des Jungvolks. In seinem Revier hatten sich die Klagen von Anwohnern über randalierende, gelegentlich betrunkene und vorlaute Jugendliche gehäuft. "Wenn die jungen Leute während des Abends unbeaufsichtigt sind", sagt Griffin, "gehen sie ein größeres Risiko ein, entweder zum Opfer oder zu Tätern von Verbrechen zu werden." Briefe an Eltern wurden verschickt, in denen man sie auf die neue Verordnung hinwies und um Koopera_tion bittet. Wenn Griffin und seine Kollegen auf Streife gehen, werden sie jeden anhalten, der zu jung aussieht, und auffordern, sich nach Hause zu bequemen. Wer sich sträubt, wird nach Hause eskortiert, und den Eltern winkt ein Besuch vom Sozialamt und die Aussicht, an Kindererziehungskursen teilnehmen zu müssen.


Bürgerrechtlerkritik und Anwohnerapplaus


Die Bürgerrechtsorganisation "Liberty" lehnte die pauschale Eingrenzung der Bewegungsfreiheit ab, weil man "nicht automatisch davon ausgehen kann, dass junge Leute, die abends unterwegs sind, nichts Gutes im Schilde führen". Den Anwohnern der So_zialsiedlungen in Redruth hingegen gefällt der Plan. "Wir haben hier ein Kind", sagt Ann Mitchell von der Nachbarschaftsorganisation "Helping Hands", "das herausgefunden hat, wie man an den Straßenlaternen hochklettert und das Licht ausmacht. Ich begrüße die Sperrstunde und hoffe, dass die Straßen dann eine ganze Menge ruhiger werden."


Hintergrund für das Ausgehverbot ist das Problem gewaltbereiter Jugendlicher. In London kam es in diesem Jahr bereits zu 21 Teenager-Opfern von Messerstechereien - zumeist ermordet durch andere Jugendliche. (Jochen Wittmann aus London, DER STANDARD - Printausgabe, 30. Juli 2008)

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