Mehr als ein Drittel traut keiner Partei

29. Juli 2008, 11:43
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Laut einer SWS-Studie sind Koalitionsversagen, schlechtes Politiker-Image und Krisenangst die Hauptgründe dieser Politikverdrossenheit - Experte: "Gefährliche Situation"

Wien - Mehr als ein Drittel der Österreicher traut keiner Partei. Zu diesem Ergebnis ist eine Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS) gekommen, die am Dienstag bei einer Pressekonferenz präsentiert wurde. Die am häufigsten genannten Gründe für die Vertrauenskrise seien das Versagen der Großen Koalition, das schlechte Image von Spitzenpolitikern und die Verunsicherung durch Krisenangst, so SWS-Experte Ernst Gehmacher.

"Konfliktaufschaukelung"

Bereits im Juni - also noch vor der Neuwahl-Ankündigung - wurden rund 1.000 Österreicher befragt. Gehmacher sieht im Ergebnis eine "gefährliche Situation" für die Politik - oder noch drastischer ausgedrückt: "Die jetzige Situation ist bedrohlich." Eine "Konfliktaufschaukelung" und das "Überspielen von realen Belastungen durch Wahlversprechen" könne im Wahlkampf die Demokratie zudem noch stärker schädigen und eine stabile Regierung erschweren. Für Gehmacher ist die Zeit der neuen kleinen Parteien gekommen, in der das Prinzip des Wählerfangs herrsche.

Ältere Menschen gehen eher wählen als Junge

Die SWS fragte auch die prinzipielle Wahlbereitschaft der Österreicher ab. Im Juni gaben knapp 80 Prozent der Befragten an, sowohl an Gemeinderats-, Landtags- und Nationalratswahlen "sicher" teilzunehmen. Nur 50 Prozent wollten allerdings auch über die Vertretung im Europäischen Parlament mitbestimmen. Insgesamt ist die Bereitschaft, wählen zu gehen, bei älteren Befragten deutlich größer als bei jüngeren, zeigt die Umfrage.

"Verantwortungslos"

Längst von der Realität überholt ist jener Teil der Studie, der nach dem Wunschtermin für die Nationalratswahl fragt. 52 Prozent hätten sich allerdings einen Urnengang zum regulären Zeitpunkt gewünscht, nur 19 Prozent wollten Neuwahlen im Herbst. Von einer eventuellen Steuerreform erwarten sich nur 13 Prozent persönliche Erleichterungen, knapp die Hälfte gar nichts. Und auch zwischen US-Hypothekar- und Koalitionskrise hat die SWS Verbindungen geknüpft. Obmann Heinz Kienzl: "Ich finde es verantwortungslos, dass diese Regierung jetzt abgetreten ist." (APA)

 

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