Slowenischer Zwist um Wiener Studentenheim

29. Juli 2008, 09:46
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Nach sechs Jahren Verhandlungen ist Ankauf durch slowenische Regierung gescheitert - Kärntner Slowenen-Verein wirft der Regierung "Scheinverhandlungen" vor

Laibach/Wien - Der vorläufig gescheiterte Ankauf des Wiener Studentenheims Korotan durch die slowenische Regierung sorgt für Verstimmung zwischen Laibach und dem jetzigen Eigentümer, dem Klagenfurter Slowenen-Verein Mohorjeva (Hermagoras). "Dummheit, Eitelkeit und Unkultur" warf Hermagoras-Aufsichtsratsvorsitzender Karel Smolle dem Kabinett von Premier Janez Jansa vor, weil Slowenien das Traditionshaus in Wien-Josefstadt (Albertgasse) nicht kaufen will.

Mehr als ein Studentenheim

Der Mitte-Rechts-Politiker hielt dem slowenischen Bildungsverein in Klagenfurt seinerseits vor, "den Preis treiben zu wollen", wie es in einer Meldung der slowenischen Nachrichtenagentur STA heißt. Eine "Unterstellung", habe der Klagenfurter Verein demnach erbost reagiert. Schließlich liege der im Juni mit der Regierung vereinbarte Kaufpreis von 5,3 Millionen Euro um 730.000 Euro unter dem von einem Gerichtsgutachter festgestellten Wert von Gebäude und Inventar.

Eigentlich hätte die slowenische Regierung den Kaufvertrag bei ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause Mitte Juli absegnen sollen. Nachdem es nicht dazu gekommen war, kündigte Hermagoras den Verkauf des Studentenheims auf dem freien Markt an. Das Korotan ist mehr als ein Studentenheim. In dem vor einigen Jahren aufwendig renovierten Haus mit der markanten Glasfassade finden viele wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen mit slowenischem Hintergrund statt. Durch einen Verkauf auf dem freien Markt - etwa an einen Hotelbetreiber - droht das Haus seinen bisherigen Charakter als Kultur- und Bildungsinstitution zu verlieren.

Eigner will seine Rechte behalten

Hermagoras und die slowenische Regierung hatten sechs Jahre lang über einen möglichen Korotan-Verkauf verhandelt. Hermagoras-Direktor Anton Koren warf der slowenischen Regierung vor, nur "Scheinverhandlungen" geführt zu haben. Dies wies Regierungssprecher Valentin Hajdinjak zurück. Er betonte, dass es der Regierung um "Transparenz" gehe. Dem Vernehmen nach soll der Laibacher Regierung die Absicht des jetzigen Eigners ein Dorn im Auge sein, auch nach dem Verkauf das Sagen bei der Heimverwaltung zu haben. Nach Angaben von STA sind 65 der 230 derzeit im Korotan untergebrachten Studenten slowenische Staatsbürger.

Für ihre Haltung musste die slowenische Regierung auch daheim Kritik einstecken. Die oppositionellen Liberaldemokraten (LDS) warfen Jansa und Außenminister Dimitrij Rupel vor, "die Rolle und Bedeutung des Studentenheims in Wien zu verkennen". Das Korotan biete nämlich nicht nur Studenten Unterkunft, sondern "ein Heim des Slowenentums, das schon seit mehr als 43 Jahren für unseren Staat Werbung betreibt". (APA/STA)

 

  • Der gescheiterte Verkauf sorgt sowohl in Kärnten als auch in Slowenien für kritische Stimmen.
    foto: standard/cremer

    Der gescheiterte Verkauf sorgt sowohl in Kärnten als auch in Slowenien für kritische Stimmen.

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