Lokale schön essen

26. August 2008, 17:00
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Fidler braucht eine Handvoll Anläufe, um das Appiano richtig zu loben. A propos Südtirol: Das gilt auch für's Schöneck

Kann man Lokale schön essen? Bei Sympathie probiere ich's öfter. Zum Beispiel das Appiano. Beim ersten Mal gefiel's mir sehr, aber da hatte ich noch keinen Fressblog. Beim zweiten und dritten Mal war ich wild entschlossen, zu schreiben und zu loben, aber da fand ich doch das eine oder andere Haar in der Suppe. Da litt wieder einer auf hohem Niveau.

Einmal freute ich mich wie wild über das Wild auf der Karte, das als solches ohne Fehl und Tadel daherkam, aber halt so verdammt süß behandelt wurde: Der alte Balsamico, vermutet das Personal, aber das konnte es nicht allein sein, fand ich. Weiß schon, Wild und süßlich, das gehört nicht erst seit der Preiselbeererei auf dem Dekopfirsich zusammen. Ein Irrweg der Menschheit, glücklicherweise ein harmloser.

Weit gereistes Rind

Ein ander Mal moserte ich vor mich hin, dass das Rind aus Argentinien anreisen musste, um mir - ja, ich hab's dann doch bestellt, kleine Karte, große Fleischgier - in der Schottenbastei 4 eine Freude zu machen. Gut, sehr gut, herausragend war's aber. Ein ander Mal fiel die Zunge (auf Erbsenpüree, soweit ich mich erinnere) meines Gegenübers, ja, der hatte sie bestellt, ein gutes Stück zu lasch aus.

Aber ich lass mich da nicht weiter beirren, offenbar hänge ich noch immer dem ersten Eindruck nach, und will nicht glauben, dass der halt gut, aber nun aus sein soll. Einmal noch, ganz spontan hin. Steinpilznudeln ohne großes Gigi (wenn man vom albernen Begleittext eines Kellners etwa zur übergroßen Pfeffermühle absieht), große Freude im Fidler. Aus der Steiermark, sagt man mir. Die Battuta di Manzo dann wunderbare Schnitten vom blutigen Rind, definitiv nichts zu mosern. Haben wir's also doch noch geschafft, das Appiano und ich.

Ab nach Südtirol

Jetzt gilt es, die Kurve zu kratzen Richtung Südtirol. a) Weil jetzt gerade der August zu Ende geht, und das für mich die beiden vergangenen Jahre Südtirol bedeutete, und das wiederum sehr erfreulich, nicht nur wegen Flower Power auf der Alm. b) Weil ich beide Male im Schöneck vorbeigeschaut hab, in Mühlen bei Pfalzens. Und weil ich mir c) seither vornehme, endlich was darüber zu schreiben. Außerdem hab ich mir dieses Lokal auch auf eine Art schön gegessen. Und d) heißt Appiano (auch) Eppan, und das liegt in Südtirol. Eben.

Nach Schöneck hat mich der Herr Seiler quasi geschickt, indem er beim Sodoma behauptete, den Sodoma gäbe es ein zweites Mal, nämlich eben in Südtirol, und er habe dort eine Woche lang in der Küche arbeiten dürfen. Zweiter Sodoma? Nichts wie hin, naturgemäß mit dolomiten- oder schlernhohen Erwartungen. Kann ja nicht gehen.

Beim ersten Mal haben wir uns einfach nicht verstanden, das Schöneck und ich. Das wohlfeile Überraschungsmenü (aus dem Gedächtnis: 69 Euro für vier, fünf Gänge) ging irgendwie nicht, weil ich unbedingt Fleisch, meine Begleitung aber alles, nur das nicht wollte. Ich bat, einen leichteren Weißwein aus der Region vorzuschlagen, auf den Tisch kam ein Sylvaner Kuen Hof mit nicht gerade jausenverdächtigen 14 Volt. Sollte irgendwie nicht sein.

Leiden auf höchstem Niveau

Was soll ich Ihnen sagen: Ich war das Jahr darauf wieder dort. Kein Problem nun mit unterschiedlichen Menüs, auch die Überraschungen ließen sich mit Wünschen in die richtigen Bahnen lenken. Ein kulinarisch sehr erfreulicher Abend, das eine oder andere mir ein bisschen zu süß, aber unter dem Strich sehr, sehr gut. Feines Rehtatare, aber die Moscato-Gelatine hätte für mich nicht sein müssen. Jakobsmuscheln mit Parmesanfonduta, Steinpilzwürfeln, schwarzen Trüffeln, sehr gut, aber die Jakobsmuscheln hätte es da gar nicht mehr gebraucht, notierte die Begleitung. Leiden auf sehr hohem Niveau, ich weiß. Großartige Nudeln mit Rehragout, aber mir zuviel Holunder und - siehe oben - insgesamt zu süß. Die gegrillten Steinpilze ein bisschen langweilig, dafür das Milchferkel mit Kraut und Erdäpfeln sehr anständig.

Was soll ich Ihnen sagen: Mir steht der erste Sodoma näher. Aber wenn Sie gerade in Südtirol sind: Ein mehr als würdiger Trost über die Entfernung nach Tulln.

 

 

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

  • Derzeit mit Schanigarten: Appiano
AppianoSchottenbastei 41010 WienTel. 01 533 61 28Regulär nur wochentags.www.appiano-dasgasthaus.at
Zu zweit rund 80 Euro.
    foto: fid

    Derzeit mit Schanigarten: Appiano

    Appiano
    Schottenbastei 4
    1010 Wien
    Tel. 01 533 61 28
    Regulär nur wochentags.
    www.appiano-dasgasthaus.at

    Zu zweit rund 80 Euro.

  • Schön sitzen, schon sehr gut essen: Schöneck
SchöneckSchloss-Schöneck-Str. 11Mühlen bei PfalzenI-39030 Kiens (BZ)Tel. 0039/0474/56 55 50Ruhetag: Montag, Dienstag mittagwww.schoeneck.it
Zu zweit ausführlich essen und trinken: rund 160 Euro aufwärts.
    foto: restaurant schöneck

    Schön sitzen, schon sehr gut essen: Schöneck

    Schöneck
    Schloss-Schöneck-Str. 11
    Mühlen bei Pfalzen
    I-39030 Kiens (BZ)
    Tel. 0039/0474/56 55 50
    Ruhetag: Montag, Dienstag mittag
    www.schoeneck.it

    Zu zweit ausführlich essen und trinken: rund 160 Euro aufwärts.

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