Tote Kinder ins Meer geworfen

27. Juli 2008, 17:39
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Bei der Fahrt eines Flüchtlingsbootes von Libyen nach Sizilien mussten zwei tote Kinder über Bord geworfen werden - Italiens Premier will Migration mit "Sicherheitspaket" steuern

Rom - Italien reagiert geschockt auf den Tod von zwei nigerianischen Flüchtlingskindern, die auf der Überfahrt von Libyen nach Sizilien gestorben sind. Die Leichen der Kinder im Alter von zwei und vier Jahren wurden ins Meer geworfen. Die Kinder, die an Erschöpfung gestorben waren, befanden sich in einem Flüchtlingsboot mit 75 Migranten, die von der italienischen Küstenwache gerettet wurden.
Italien ist mit einem neuen, noch nie dagewesenen Flüchtlingsstrom konfrontiert. Rund 400 Migranten landeten am Samstag auf Sizilien, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Nach Sardinien kamen 150 Immigranten, überwiegend aus Marokko und Algerien. Sie werden auf Aufnahmelager verteilt.

Notstand

Wegen des massiven Zustroms hatte der Ministerrat in Rom am Freitag den Notstand ausgerufen. Dies soll der Regierung ermöglichen, Sondermaßnahmen gegen die illegale Einwanderung zu ergreifen und zu finanzieren. Das Militär soll jedoch nicht zur Bekämpfung der illegalen Immigration eingesetzt werden. Ministerpräsident Silvio Berlusconi will in allen Teilen Italiens neue Aufnahmelager einrichten lassen. Der Innenminister muss etwa 600 Millionen Euro aufbringen, um die Zahl der Aufnahmelager auf 20 - eines in jeder Region - zu verdoppeln.

Nur kurz nach dem von der Regierung durchs Parlament gebrachten neuen „Sicherheitspaket" gegen Kriminalität und illegale Einwanderung befürchtet die linke Opposition das Schlimmste - was Berlusconi da forciere, sei nur „verabscheuungswürdige" Propaganda und solle Angst schüren. Sogar der Vatikan schaltete sich ein und mahnte Rom, auch im Notstand wegen der Flüchtlingswelle „die Menschenrechte einzuhalten".

Betreuung der Immigranten

Nach Angaben des Innenministeriums erreichten im ersten Halbjahr insgesamt 9342 Immigranten per Boot die Insel Lampedusa - das sind in etwa doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum 2007. Im Auffanglager der Insel haben 381 Personen Platz. In Notstandssituationen könnten bis zu 762 Migranten betreut werden. Derzeit befinden sich allerdings 1005 Flüchtlinge auf der Insel.
Mit der Ausrufung des Notstands werden die Prozeduren zum Abschluss von Abkommen mit der Caritas oder dem Roten Kreuz bei der Betreuung der Immigranten erleichtert, hieß es in Regierungskreisen. (APA, dpa/ DER STANDARD Printausgabe, 28.7.2008)

  • Afrikanische Flüchtlinge erreichen die italienische Insel Lampedusa. Im ersten Halbjahr kamen hier 9342 Immigranten an - rund doppelt so viele wie im Jahr zuvor.
    Foto: AP

    Afrikanische Flüchtlinge erreichen die italienische Insel Lampedusa. Im ersten Halbjahr kamen hier 9342 Immigranten an - rund doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

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