Den Gürtel enger schnallen

29. Juli 2008, 17:00
27 Postings

Die Preise steigen, der Sprit wird teurer - Der glu schnürt aus einem ganz anderen Grund den Gürtel enger

Jetzt ist es so weit. Endgültig. Ich muss den Gürtel enger schnallen. Aber nicht, weil alles viel zu teuer ist und ich mir keinen Sprit für die Tests leisten kann oder weil ich gar so viel abgenommen habe, dass ich die Hosen verliere. Nein, ich ziehe den Lederriemen um die Leibesmitte wegen der Kawasaki ZX 10R so straff, dass meine Hüftjeans wie Bundfaltenhosen ausschauen.

foto: derstandard/grabner

Die Kawasaki ZX 10R hat 188 PS. Und sie wiegt trocken 179 Kilogramm. Deswegen schnalle ich den Gürtel enger. Wenn ich das nämlich nicht mach, dann reißt es mir beim Losfahren das Hirn ohne Zwischenstopp in den Hosenboden. Grund dafür ist das Massenträgheitsgesetz. Schnüre ich mich aber um den Bauch ab, rutscht das Hirn maximal in den Bauchraum – und da ist es eh meistens. Der positive Nebeneffekt ist, dass mir das Herz dann auch nicht in die Hose rutschen kann. Und das ist auf der ZX 10R sehr wichtig, weil mit Erfurcht allein kommt man auf der Kawa nicht weit.

foto: derstandard/grabner

Nicht weit scheint auf einmal auch der Weg ins Büro. Geht alles ganz locker im ersten Gang. Und bei 50 km/h in der Ersten kommt die ZX 10R eh noch nicht in den Drehzahlbereich, wo wirklich die Post abgeht. Unter 6.000 Touren fährt sich die Kawasaki nämlich sehr kommod supersportlich und leistet nur milde rund 130 PS. Die Post geht dann erst über 8.000 Touren so richtig ab. In dem Bereich fragt man sich dann schon, wer das derfahren soll. Gerade wenn man bedenkt, dass die meisten 1000er-Supersportler nicht auf der Rennstrecke sondern auf öffentlichen Straßen bewegt werden. 160 km/h in der Ersten, in der Dritten sind die 200 ein Klacks.

foto: derstandard/grabner

Was bleibt mir also anderes über als die ZX 10R auf der Straße und auf der Rennstrecke zu bewegen? Ich schnall mir den Graf Foto auf das Soziuspolsterl der 10er-Kawa und rutsch mit ihm auf der Autobahn nach Melk. Fotoshooting im ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrum am Wachauring.

foto: derstandard/grabner

Und jetzt kann ich es ja zugeben, ich musste schon schmunzeln, als ich, den Graf Foto mit seinem riesigen und schweren Fotorucksack am Soziusplatz wissend, auf der Autobahnauffahrt den Gashahn etwas forscher aufriss. War aber eh wurscht, weil dem Grafen hat das ur getaugt. „Gemütlich, geil und grün" beschrieb er dem FSZ-Leiter Hans Danzinger die Fahrt zum Ring. Ich hab einstweilen den Gürtel kurz aufgemacht, damit ich wieder Luft krieg.

foto: derstandard/grabner

>>> Konzentration und Knieschleifen auf höchstem Niveau


Der Herr Danzinger hat uns gleich auf die Rennstrecke gelassen. Warat interessant, sich von dem Rallyexperten Danzinger beim Speed-Training am Wachauring ein bisserl was erklären zu lassen. Das geht aber heute nicht. Darum: Gürtel wieder zu und die Kawa fliegen lassen. Sehr arg. Mit dem integrierten Lap-Timer kann man gleich kontrollieren, wie man sich verbessert.


foto: derstandard/grabner

Schade nur, dass die Bedienung des Lap-Buttons recht viel Konzentration braucht, weil er nicht in direkter Reichweite ist. Auf der recht kurzen Start-Ziel-Geraden des Wachaurings kann das schon für große Augen sorgen, wenn man sich mehr auf den Lap-Timer konzentriert als auf die Kurve danach.

foto: derstandard/grabner

Auf dem engen Kurs des Wachaurings braucht man den dritten Gang der Kawa nicht. Für eine 1000er-Supersport ist der Ring schon so eine Aufgabe. Supermotos hätten hier ein leichteres Spiel. Trotzdem macht sich ZX 10R gut und vor allem macht sie viel Spaß. Knieschleifen auf höchstem Niveau. Es ist ein Wahnsinn, was man da bei Kawasaki zusammengebaut hat. Das ist kein Motorrad mehr, das ist Sport pur!

foto: derstandard/grabner

Auf den ersten Metern ist es allerdings sehr entrisch. Da versteht man einfach nicht, wie man so viel Leistung auf die Straße bringen soll und wie man die Pferde überhaupt in Zaum halten kann. Weil die Kawasaki aber trotz fast 200 PS bei unter 200 Kilogramm extrem einfach zu fahren ist, gewöhnt man sich bald an die Leistung. Wenn man auf die Kawa steigt denkt man sich: Arg, wie das anreißt.

foto: derstandard/grabner

Wenn man von der ZX 10R auf eine nackerte Tausender steigt, dann denkt man: Hoppla, ist die Handbremse angezogen? Man lockert den Gürtel und grübelt darüber nach, ob man den Gürtel nicht doch wieder enger schnallen und knapp 16.000 Euro in die ZX 10R investieren soll.

Text: Guido Gluschitsch (Text: Guido Gluschitsch Fotos: Wolf-Dieter Grabner/www.theflow.cc, 03.04.2008)
Guido Gluschitsch ist Chefredakteur von Motorradnet.at

Technische Daten:
Marke: Kawasaki; Typenbezeichnung: Ninja ZX-10R; Baujahr: 2007; Motor: 4-Zylinder-Viertakt-Reihenmotor; Kühlung: Flüssigkeitsgekühlt; Ventile: 16; Steuerung: DOHC;
Hubraum: 998; Verdichtung: 12,7:1; Gemischaufbereitung: Einspritzanlage: ? 43 mm x 4; Nennleistung: 128,7 kW (175 PS) bei 11.700 1/min, 135,3 kW (184 PS) bei 11.700 1/min mit RAM Air; Getriebe: Sechsgang; Endantrieb: Kette; Aufhängung vorne: 43-mm-Upside-down-Gabel mit einstellbarer Federvorspannung, 16-fach einstellbare Zug-Druckstufendämpfung; Aufhängung hinten: Bottom-Link, Uni-Trak-Zentralfederbein mit Gasdruckstoßdämpfer, stufenlos einstellbare Druck- und Zugstufendämpfung; Federweg vorne: 120 mm; Federweg hinten: 125 mm; Radstand: 1390 mm; Lenkkopfwinkel: 24.5°; Nachlauf: 102 mm; Sitzhöhe: 825 mm; Trockengewicht: 175 kg; Bremse vorne: Gelochte 300-mm-Doppelscheibenbremse, halbschwimmend, Petal-Design, radial montierte Vierkolben-Bremssättel; Bremse hinten: Gelochte 220-mm-Scheibenbremse, Petal-Design; Reifen vorne: 120/70ZR17M/C; Reifen hinten: 190/55ZR17M/C; Tankinhalt: 17 Liter; Preis: 15499 .- Euro;

Link:

Kawasaki

  • Ein bisserl hat sie sicher gezwickt die Hose vom glu, so eng wie er sie geschnallt hat für die Ninja ZX 10R. Bei derart viel Vortrieb - kein Wunder!
    foto: derstandard/grabner

    Ein bisserl hat sie sicher gezwickt die Hose vom glu, so eng wie er sie geschnallt hat für die Ninja ZX 10R. Bei derart viel Vortrieb - kein Wunder!

Share if you care.