Enge Zusammenarbeit zwischen Caracas und Moskau

29. Juli 2008, 08:38
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Vier Verträge im Energie-Bereich unterzeichnet - USA protestierten gegen Waffenkäufe

Schloss Meiendorf - Russlands Präsident Dmitri Medwedew und Venezuelas Staatschef Hugo Chavez haben eine engere Beziehung und eine stärkere wirtschaftliche Zusammenarbeit ihrer Länder vereinbart. Besonders im Energiesektor wollen die rohstoffreichen Nationen kooperieren, beschlossen die Staatschefs am Dienstag bei ihrem Treffen auf Schloss Meiendorf nahe Moskau.

Medwedew und Chavez unterzeichneten unter anderem vier Verträge zwischen der staatlichen venezolanischen Energiefirma PDVSA und den drei russischen Konzernen Gazprom, Lukoil und TNK-BP, die in Venezuela Förderanlagen bauen werden. Generell wolle man auf dem Gas- und Ölmarkt enger zusammenarbeiten, ohne dabei Konsumenten zu belasten.

"Russland und Venezuela sind zwei sehr wichtige Öl- und Gasmächte, und eine sichere Energieversorgung hängt von unseren aufeinander abgestimmten Aktionen ab", sagte Medwedew. "Venezuela ist jetzt der wichtigste Partner Russlands." "Wir werden zusammenarbeiten, aber unsere Kooperation richtet sich nicht gegen Drittstaaten", versicherte der russische Staatschef. Die Idee, ein Gaskartell nach dem Vorbild des Ölkartells OPEC zu gründen, sei noch immer aktuell, fügte Medwedew hinzu. Diese Idee beunruhigt die von Gasimporten abhängigen Staaten, die einen Einfluss auf die Preise des Rohstoffes fürchten.

Chavez kündigte an, sein Land weiter aufzurüsten "um die Souveränität Venezuelas zu sichern, die von den Vereinigten Staaten bedroht wird". Ob Russland dafür Waffen liefern wird, blieb zunächst offen.

Bei einem Treffen mit dem russischen Ministerpräsidenten und Ex-Präsidenten Wladimir Putin in dessen Residenz in Nowo Ogarewo wollte Chávez über den Kauf russischer Waffen durch Venezuela sprechen. Putin sagte, Moskau wolle seine Wirtschaftsbeziehungen mit Caracas "in alle Richtungen" ausbauen. Er zählte unter anderem die Bereiche Verkehr, Raumfahrt und Militärtechnik auf. Chávez sagte, die Zusammenarbeit mit Russland im Bereich Militärtechnik sei für Venezuelas Verteidigung besonders wichtig. An den Gesprächen in Nowo Ogarewo nahm auch der Chef der russischen Waffenexportbehörde, Sergej Tschemesow, teil.

"Wir wollen Frieden, aber müssen auch die Verteidigungskraft unseres Landes stärken", sagte Chávez laut der Agentur Interfax zum Auftakt seines zweitägigen Besuchs am Dienstag in Moskau. Laut Medien will Venezuelas Staatschef mit Russland bis Mittwoch über den Kauf von Diesel-U-Booten, Panzern und Luftabwehrraketen-Systemen vom Typ Tor-M1 verhandeln. Chávez bezeichnete Russland als "strategischen Verbündeten" im militär- und im energiepolitischen Bereich.

USA protestierten gegen Waffenkäufe

Die USA haben angekündigte Waffenlieferungen Russlands an Venezuela kritisiert. Das geplante Waffengeschäft in Milliardenhöhe zwischen beiden Ländern würde die Verteidigungsbedürfnisse des lateinamerikanischen Staates klar überschreiten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington am Dienstag.

Venezuela gilt als größter und wichtigster Käufer russischer Rüstungsgüter in Lateinamerika mit einem Volumen von bisher vier Milliarden US-Dollar (2,52 Milliarden Euro). Die geplanten neuen Verträge belaufen sich auf weitere zwei Milliarden Dollar, wie die Zeitung "Kommersant" (Dienstag) berichtete. Dabei gehe es unter anderem um 20 Abwehrsysteme für Kurzstreckenraketen und um 12 schwere Flugzeuge für Militärtransporte vom Typ Iljuschin Il-76 und Il-78 sowie um 24 Kampfbomber des Herstellers Suchoi.

Die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" berichtete unter Berufung auf russische Militärkreise, dass Chávez seine Armee in den kommenden Jahren mit modernen Waffensystem ausrüsten und dafür mehr als 30 Milliarden Dollar ausgeben wolle. Mit den Abwehrsystemen sollten vor allem Industrieanlagen und die Armeestützpunkte vor Luftangriffen geschützt werden. Die Investitionen stammen vor allem aus den Erlösen venezolanischer Ölverkäufe.

Russland hatte laut Medien seit 2005 unter anderem bereits 50 Hubschrauber, 24 Kampfjets vom Typ SU-30MK2 und 100.000 Kalaschnikow-Maschinenpistolen an das Land verkauft und Caracas eine Lizenz für die Produktion der Kalaschnikow AK-103 gewährt. Der Agentur Itar-Tass sagte Chávez, dass er sich auch für russische Panzer interessiere. An diesem Mittwoch will Chávez seinen international isolierten Kollegen Alexander Lukaschenko in Minsk treffen, um über den Bau weißrussischer Agrarmaschinen in Venezuela und über die Energie-Zusammenarbeit beider Länder zu verhandeln. (APA/Reuters/dpa)

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