Heimischer Immobilienmarkt trotzt der Finanzkrise

21. Juli 2008, 14:30
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Sieben Prozent weniger Investitionen im ersten Halbjahr, der SCS-Verkauf rettete allerdings die Bilanz - Europaweites Minus von 49 Prozent

Wien - Die internationale Finanzkrise hat auch vor dem heimischen Immobilienmarkt nicht Halt gemacht. Während es in Europa zu ziemlich dramatischen Einbrüchen und einer Halbierung der Immobilien-Investments im ersten Halbjahr 2008 kam, hielten sich die negativen Auswirkungen in Österreich bisher in Grenzen. Mit 900 Mio. Euro wurde bis zur Jahresmitte nur um 7 Prozent weniger investiert, gegenüber 960 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2007.

Ohne den Mega-Deal um den Verkauf der SCS an Rodamco für 607 Mio. Euro wäre aber auch in Österreich der Einbruch viel deutlicher ausgefallen, so die Immobilienexperten von CB Richard Ellis (CBRE) am Montag bei einem Pressegespräch in Wien. Sie erwarten für das zweite Halbjahr deutlich stärkere Rückgänge.

Im ersten Halbjahr kam es in Österreich zu keinerlei Investitionen deutscher Investoren. Der Anteil internationaler Investoren stieg auf 69 Prozent.

Britischer Markt brach ein

Am stärksten ausgewirkt hat sich die Finanzkrise in Europa auf den britischen Immobilienmarkt, wo die Immobilien-Investments im ersten Halbjahr um 62 Prozent auf 16,2 (nach 42,9) Mrd. Euro einbrachen. In Deutschland gab es einen Rückgang um 55 Prozent auf 12,1 (27,1) Mrd. Euro, in Frankreich um 50 Prozent auf 6,9 (13,7) Mrd. Euro, in Italien, Portugal, Spanien und auch Osteuropa kam es zu Rückgängen von jeweils rund 21 Prozent. Insgesamt sanken die Immobilien-Investments in Europa um 49 Prozent auf 63,4 (123,6) Mrd. Euro.

Die Hauptgründe für die Einbrüche liegen für CBRE-Österreich-Geschäftsführer Andreas Ridder in der generell schlechten Marktstimmung und der damit zusammenhängenden Angst, Mieter könnten nicht mehr bezahlen, sowie in der "nicht erfreulichen Tatsache", dass aufgrund der Kreditklemme Finanzierungen schwerer und teuerer geworden seien. Auch die Bauträger seien vorsichtiger geworden.

Auch Büromärkte straucheln

Darüber hinaus begännen nun auch die Büroimmobilienmärkte, langsam einzubrechen, so Ridder. In der Londoner City seien im zweiten Quartal um 30 Prozent weniger Büros angemietet worden als im ersten Quartal. In anderen Märkten wie Paris oder Madrid seien die Rückgänge milder, in Deutschland sei fast keine Veränderung festzustellen. In Osteuropa gebe es sogar noch Zuwächse, die Mieten würden noch steigen.

Wien zähle nach wie vor zu den stabilsten Büro-Märkten in Europa, sagte Research-Chefin Constanze Daburon. Die Vermietungsleistung lag im ersten Halbjahr mit 220.000 m² unter dem Vorjahreshalbjahr, für das gesamte Jahr 2008 rechnet Daburon mit einem Rückgang auf rund 400.000 m² neu vermieteter Fläche. Das Büroflächenangebot wird mit 260.000 m² niedriger als im Vorjahr (280.000) sein, mehr als 60 Prozent seien aber bereits vorvermietet. Somit stünden nur noch rund 50.000 m² am Markt.

Die Leerstandsrate sei auf 4,7 Prozent gesunken und werde dort verbleiben. Die Spitzenmieten in Wien seien auf rund 23 Euro pro m2 und Monat gestiegen, bis zum Jahresende sei ein weiterer Anstieg auf 24 Euro zu erwarten, so Daburon. (APA)

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