"Was weiß das Netz über Dich?"

18. Juli 2008, 13:42
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Personensuchmaschinen wie 123people sorgen für heftige Kritik - Dienste finden Telefonnummern, Postanschrift, E-Mail Adressen, Bilder, Blogs und Social Network Profile

Wer Social Networking Seiten, Online-Shops wie Amazon, Instant Messaging Dienste und Blogs nutzt, hinterlässt eine Menge Spuren im Web. Das ist bei der Nutzung dieser Dienste von den Mitgliedern auch erwünscht. Was vielen jedoch nicht klar ist, dass sämtliche Einträge zu einer Person auch miteinander verknüpft werden können. Genau das tun Personensuchmaschinen wie die österreichische 123people.at und sorgen damit im Web für heftige Kritik. 

Von der Postadresse bis zur Amazon-Einkaufsliste

Gibt man etwa bei 123people einen Namen ein wird so ziemlich alles aufgelistet, was eben zu diesem Namen gefunden wird: Bilder, Videos, Telefonbucheinträge samt Postadresse, Blogeinträge, Weblinks, E-Mail-Adressen, Biografien, Social Networking Profile und selbst Dokumente sowie Einträge bei Amazon. Damit man sich sofort einen Überblick über die Interessen und Tätigkeiten der gesuchten Person machen kann, werden die am häufigsten gefundenen Begriffe in einer Begriffswolke dargestellt. Natürlich werden auch Ergebnisse von Personen mit gleichem Namen angezeigt, sodass es schon mal zu einem Mix kommen kann.

Telefonnummern mit VoiP-Dienst verknüpft

Wer also einmal in Amazon eine Buchrezension unter eigenem Namen geschrieben hat, im öffentlichen Telefonbuch Herold zu finden ist und einen Lebenslauf auf MySpace angelegt hat, findet all diese Informationen zusammengefasst auf einer Seite. Dabei greift 123people auf im Web öffentlich zugängliche Daten zurück. Für die Bildersuche werden die Ergebnisse beispielsweise von Google, flickr, Live Search, MySpace und Yahoo berücksichtigt, Telefonnummern werden aus  Telefonbüchern wie Herold und T-Mobile aufgegriffen. Die Telefonnummern sind mit dem Dienst des Anbieters Jajah verknüpft, sodass Nutzer die gefundene Person mit einem Mausklick anrufen können. Dahinter steckt wohl weniger Benutzerfreundlichkeit, als vielmehr ein "IT-Coup", wie schon die APA titelte.

Bespitzelung 2.0

Wer auf dem Laufenden über eine Person Gehalten werden will, kann sich sogar per E-Mail über neu gefundene Einträge informieren lassen. Kein Wunder, dass viele User über derartige Services  aufgebracht sind. Immerhin erhält man so ein kostenloses und relativ einfaches Bespitzelungstool, das sofort aufmerksam macht, wenn es von der gesuchten Person neue Fotos oder neue Buchrezensionen gibt.

Datenspur im Netz selbst beeinflussen

Der Anbieter von 123people hat bei seinem Dienst keine datenschutzrechtlichen Bedenken, sondern will Nutzern die Gelegenheit geben, ihre Spuren im Netz selbst verfolgen zu können. "Jeder hinterlässt eine Datenspur im Netz. Der erste Schritt ist, wie sieht die Datenspur aus, und der zweite, wie kann ich sie beeinflussen", so Geschäftsführer Stefan Kalteis zum Launch Anfang des Jahres gegenüber der APA.  Nach kostenloser Registrierung kann man eine eigene Visitenkarte erstellen, um falsche Einträge zu korrigieren.

Von Google-Werbung erfasst

Zwar sind die Suchergebnisse alle auf im Web frei zugängliche Daten zurückzuführen, doch in diesen Fällen ist die Nutzung der Daten durch Dritte in den meisten Fällen untersagt. 123people beruft sich darauf, nur freizugängliche Daten zusammenzufassen. Es kann aber zu unerfreulichen Nebenwirkungen kommen. Denn die personenbezogenen Suchanfragen werden für 14 Tage zwischengespeichert, was dazu führen kann, dass die Suchanfrage von Googles Robot erfasst und indiziert wird. So kann es auch passieren, dass ein Name mit Google AdWords verknüpft wird, wie es Blogger Mathias Richel passiert ist.

"Rechtlich unbedenklich"

Seiner Aufforderung, die Werbung zu entfernen, kam 123people, wenn auch das Unternehmen selbst keine Bedenken bei der Werbung mit den Usernamen sieht. "Die Schaltung der Google-Ad, unter der Verwendung Ihres Namens, wurde mit unserer Rechtsabteilung abgeklärt und für rechtlich unbedenklich befunden! Wir möchten uns dennoch sehr herzlich entschuldigen und werden die Schaltung mit Ihrem Namens selbstverständlich schnellstmöglich entfernen lassen!", so die Antwort des Unternehmens an Richel.

Missbräuchliche Nutzung

Die Verwendung der Daten durch Unternehmen zu Marketing-Zwecken ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Dienstes untersagt: "Die Sammlung von Benutzernamen oder E-Mail-Adressen von Mitgliedern mit elektronischen oder sonstigen Mitteln zum Zwecke der unaufgeforderten Zusendung von E-Mails und das nicht autorisierte Framing oder Verlinken auf die Website werden eingehend untersucht und es werden entsprechende rechtliche Schritte eingeleitet, insbesondere straf- und zivilrechtliche Rechtsmittel sowie Anträge auf Unterlassung." Wie eine missbräuchliche Nutzung festgestellt werden kann, wenn alle Daten frei zugänglich sind, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Keine Überprüfung von Inhalten 

Wer seine Daten aus der Suchmaschine löschen lassen will, hat Pech, denn die Suchergebnisse werden automatisch zusammengestellt. Um bei 123people nicht mehr aufzutauchen, müssten also die Informationen an der Quelle gelöscht werden - also das Social Networking Profil, die eigene Website, der Telefonbucheintrag etc. "Aufgrund des enormen Volumens regelmäßig hinzugefügter, gelöschter und geänderter Daten kann und wird 123people kein Screening von Inhalten durchführen, die durch ihre Indizes zur Verfügung gestellt werden", heißt es dazu in den AGB. Was allerdings auch heißt, dass beispielsweise rassistische Postings eines Users unter den Suchergebissen einer Person mit gleichem Namen auftauchen und im Normalfall nicht entfernt werden können.

Entfernung nur nach Antrag

Und selbst wenn eine private Website wieder vom Netz genommen wird, kann es sein, dass die Daten weiterhin bei 123people aufscheinen. "Falls entweder (i) der Inhaber einer Website den Zugang zu seiner Website einschränkt oder (ii) eine Website aus dem Netz genommen wird, kann 123people für jede in den Indizes von 123people enthaltene Website nach alleinigem Ermessen auf Antrag des Website-Inhabers oder eines Dritten in 2. Instanz von Fall zu Fall entscheiden, den Link zu dieser Website von ihren Indizes zu entfernen", so das Unternehmen in den AGB.

Trend Personensuche

123people ist nicht der einzige Dienst, der personenbezogene Daten aus dem Web miteinander verknüpft. In den USA gibt es Services wie Spock.com und Zoominfo.com, das neben Weblinks auch Name, Beruf und Unternehmen einer Person auflistet. Personalmanager könnten so mit einfachen Mitteln überwachen, ob sich ihre Mitarbeiter im Web negativ über das Unternehmen äußern.

Auch Yasni.de ermöglicht die Suche nach Personen und trennt dabei in berufliche und private Suchergebnisse. "Die Menschen werden damit nicht durchsichtiger, als sie heute schon sind. Jeder ist für die Informationen, die er veröffentlicht, selbst verantwortlich, Yasni hilft bei der Pflege des eigenen Rufes", erklärte Gründer Steffen Rühl anlässlich des Starts des Dienstes im November 2007. Wobei Yasni seinen Nutzern ebenso wie 123people ermöglicht, Suchergebnisse, die nicht ihre Person betreffen, wieder zu entfernen. Bei den US-Vorbildern ist das nicht möglich. (Birgit Riegler)

  • Bilder, Telefonnummern, Blogeinträge etc. - 123people findet alle mit einer Person verknüpften Daten im Web
    foto: 123people.com

    Bilder, Telefonnummern, Blogeinträge etc. - 123people findet alle mit einer Person verknüpften Daten im Web

  • Die zwischengespeicherte Suchanfrage zu einer Person kann von Google indiziert, die Seite mit Werbung verknüpft werden
    foto: mathias-richel.de

    Die zwischengespeicherte Suchanfrage zu einer Person kann von Google indiziert, die Seite mit Werbung verknüpft werden

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