"Nutzen unsere Praktikanten nicht aus"

27. Juli 2008, 16:00
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Sind "Ferialer" von heute potenzielle Mitarbeiter von morgen oder nur billige Urlaubsersatzkräf- te? Wir haben uns bei heimischen Unternehmen umgehört

Praktikum ist nicht gleich Praktikum und Ferialarbeiter ist schon gar nicht gleich Ferialpraktikant. Bei der letztgenannten Gruppe steht der "Ausbildungszweck" im Vordergrund. Im Gegensatz zu Ferialarbeitnehmern, bei denen es in erster Linie ums Geld verdienen geht und darum, in die Rolle einer Urlaubsvertretung zu schlüpfen. Was beiden gemein ist: Sie haben keinen Anspruch auf ein Mindestgehalt. derStandard.at/Karriere hat sich bei einigen heimischen Arbeitgebern aus unterschiedlichen Branchen umgehört, ob "Ferialer" von heute als potenzielle Mitarbeiter von morgen gesehen werden oder ob sie nur als billige Urlaubsersatzkräfte den Betrieb am Laufen halten sollen.

500 Ferialarbeiter pro Jahr bei der BA/CA

"Keine verantwortungsvollen Aufgaben" übernehmen Ferialarbeiter bei der Bank Austria, wo rund 500 pro Jahr beschäftigt werden. "Aber nur in den drei Sommermonaten", sagt Andrea Schrenk von der Personalabteilung. In erster Linie sind es Schüler, die Mädchen oder Buben für alles spielen. Der Bereich Kundenbetreuung sei für sie normalerweise tabu. Wenn, dann beschränke es sich auf Hilfsdienste in den Foyers, so Schrenk. Die Bezahlung sei in Ordnung und variiere je nach Alter und Schulbildung. "Wir nutzen unsere Praktikanten natürlich nicht aus", betont sie.

Coca Cola zahlt "überdurchschnittlich"

"Unser Lohn ist überdurchschnittlich gut", meint Magdalena Racieski, Pressesprecherin von Coca Cola Österreich. Das Unternehmen nimmt das ganze Jahr über Praktikanten für die Bereiche Marketing, Verkauf, PR, EDV und Finanz auf, schwerpunktmäßig aber Ferialarbeiter im Sommer. "Insgesamt sind es zirka 20 bis 30 pro Jahr", berichtet Racieski, die überzeugt ist, dass beide Seiten davon profitieren. Die Hilfskräfte hätten die Möglichkeit, den "Arbeitsalltag kennen zu lernen und an Projekten mitzuarbeiten". Auf der anderen Seite werden manchmal talentierte Leute "fix in die Organisation integriert", so Racieski.

Internships bei Microsoft

Keine "herkömmlichen" Ferialjobs oder Volontariate können bei Microsoft absolviert werden. Der Softwaregigant hat eigene "Internships" installiert, die im Normalfall "zwischen sechs und acht Monate" dauern, erläutert Thomas Lutz, Pressesprecher des Konzerns. Darüber hinaus offeriere Microsoft ein Programm, das sich über zwei Jahre erstrecke. "Das klare Ziel bei diesem Modell ist, dass das Ganze in einem fixen Beschäftigungsverhältnis mündet."

Die Internships umfassen alle Abteilungen und werden "adäquat" entlohnt, betont Lutz, da es sich um keine Volontäre handle. Interessenten und damit potenzielle Mitarbeiter werden über Kooperationen mit internationalen Studentenverbindungen rekrutiert. Microsoft Österreich vergibt laut Lutz zehn bis 15 Internships pro Jahr. Um die Vernetzung unter den "Praktikanten" zu forcieren, betreibt Microsoft ein eigenes Blog (www.free-coffee.org), wo die Auszubildenden ihre Erfahrungen dokumentieren können.

Zwischen 700 und 1.000 Euro

"Wir bieten eine Möglichkeit zum Reinschnuppern", sagt Martin Himmelbauer, Leiter Konzernkommunikation bei den Casinos Austria und den Österreichischen Lotterien. Im Vergleich zu anderen Metiers könne sich hier die Entlohnung durchaus sehen lassen. Ferialarbeiter verdienen bei den Casinos und den Lotterien je nach Alter und Qualifikation bis zu 1.000 Euro brutto pro Monat. Schüler bekommen rund 700 Euro. Insgesamt 48 sind über die Sommermonate in den diversen Abteilungen im Einsatz: "Nur sensible Bereiche mit heiklen Infos wie die Rechts- oder Gamingsparte sind ausgenommen." Ferialarbeit sieht Himmelbauer als "Möglichkeit, um Leute auszuprobieren". Man halte danach viele in Evidenz: "Wenn es passt und wir eine freie Stelle haben, dann nehmen wir Kontakt mit ihnen auf."

Und wie schaut es mit Praktika oder Ferialarbeit bei Red Bull aus? Darüber war keine Auskunft zu bekommen, denn eine Stellungnahme widerspräche der Unternehmensphilosophie, heißt es vom Unternehmen.

Drei Modelle bei der mobilkom

Einige verschiedene Modelle hat die mobilkom austria in ihrem Repertoire. Zum einen hat das Unternehmen "das ganze Jahr über Berufspraktikanten im Haus", die zumeist im Rahmen ihrer FH-Ausbildung ein drei bis sechsmonatiges Praktikum zu absolvieren haben. "Das sind zirka 20 pro Jahr", berichtet Michaela Egger, Pressesprecherin des Unternehmens. Diese seien primär in der Technik im Einsatz. "Es kommt immer wieder vor, dass die Praktikanten entweder gleich den Einstieg in einen Job schaffen oder als Freie Dienstnehmer in Projekten neben dem Studium bei uns zu arbeiten beginnen", so Egger. "Klassische Ferialarbeiter" nimmt die mobilkom in den Sommermonaten.

Im Fokus der Personalauswahl stehen Studenten und Maturanten und weniger Schüler, meint Egger. Das Ziel manifestiere sich darin, schon früh mit Studenten in Kontakt zu kommen: "Das gibt uns die Möglichkeit, potenzielle Bewerber-KandidatInnen für später kennen zu lernen." Und die mobilkom könne sich als "attraktiver Arbeitgeber positionieren". Studenten können als einzige Gruppe auch außerhalb der Sommermonate ein Praktikum absolvieren, so Egger. Das Salär beläuft sich auf 1.200 Euro monatlich.

"A1 Top Talent Competition"

Für Studenten, die sich in der Endphase ihres Studiums befinden, gibt es noch ein zusätzliches Angebot. Die so genannte "A1 Top Talent Competition" findet einmal pro Jahr statt und soll laut Egger "ehrgeizigen High Potentials die Möglichkeit zum Karriereeinstieg" geben. Im Rahmen eines Projektwochenendes müssen die Kandidaten ein Konzept erarbeiten und dem Vorstand präsentieren. Wer von den rund zwei Dutzend Teilnehmern reüssiert, bekommt ein "überzeugendes Karriere-Angebot - inklusive einjährigem Trainee-Programm mit Auslandsaufenthalt", so Egger.

920 Euro bei Novomatic

"Egal, ob Verwaltung oder Produktion, wir zahlen 920 Euro pro Monat", sagt Hannes Reichmann vom Glücksspielkonzern Novomatic. Praktika vergibt die Novomatic AG auch unterm Jahr. Dabei handelt es sich zumeist um Studenten, die im Rahmen ihrer Ausbildung ein solches vorweisen müssen. "Es ist schwierig, jemanden in einer kurzen Zeit in eine hochkomplexe Materie einzuarbeiten", erzählt Reichmann, dass beispielsweise die Fabrikation quasi eine praktikantenfreie Zone ist. Novomatic hat sich auf die Entwicklung von Glücksspielequipment spezialisiert. Die primären Beschäftigungsfelder für Aushilfskräfte seien die Bereiche Einkauf und Controlling. (om, derStandard.at, 28.7.2008)

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  • Dass Praktikanten nur zum Kopieren eingesetzt werden, ist ein Märchen aus "grauer Vorzeit"
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    Dass Praktikanten nur zum Kopieren eingesetzt werden, ist ein Märchen aus "grauer Vorzeit"

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