Zwitschern für die Gegenwart

7. April 2003, 22:02
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Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos" am Grazer Schauspielhaus

Graz - Da hat sich die Grazer Oper aber wacker gehalten nach den Aufführungen des Mariinsky-Theaters: Während die Gäste aus St. Petersburg mit Proben und Vorstellungen das Opernhaus besetzt hielten, wurde eine hauseigene Produktion im Schauspielhaus herausgebracht: Ariadne auf Naxos von Richard Strauss - also wahrlich nicht die einfachste Sache der Welt.

Die Grazer Philharmoniker spielten unter der Leitung von Philippe Jordan exquisit, und es erklang das Vokale in so "stimmiger Eintracht", wie es nicht oft zu hören ist. Eine mittlere Bühne erwies sich hier als eine große, wenn auch im kleineren Gehäuse am Freiheitsplatz. Zu nennen sind: die hervorragende Stephanie Houtzeel als Komponist im Vorspiel, Margareta Klobucar als Zerbinetta, die nicht nur eine Zwitschermaschine ablaufen lässt, sondern auch als jugendliche Figur der genaue Gegenpart zu der von Theseus verlassenen Ariadne ist, zu Carole FitzPatrick als edle Primadonna. Und Stephen Gould als kraftvoller Bacchus.

In der Gegenwart

Es gab zwei Premieren: eine (auf die hier Bezug genommen ist) für die Schauspiel-Abonnenten; die andere für die der Oper. Regie geführt hat Hausherr Mathias Fontheim. Er sie- delte das köstliche Ineinander von "seria" und "buffa" in der Gegenwart an, was an sich nicht originell, sondern heute schon Allerweltssache ist und hier die Gefahr einer Vergröberung des fein gesponnenen Stoffes mit sich bringt:

Hat man sich erst an die schnittige Limousine gewöhnt, die dem lustigen Quintett als Vehikel und Rückzugsversteck dient, ist allerdings eine sehr effiziente Personenführung zu beobachten. Mancher neue Blickwinkel wird da geöffnet, zum Beispiel, wenn Ariadne und Zerbinetta, im Dialog von Frau zu Frau, aus derselben Flasche trinken, als Zeichen des (noch unbewussten) Einverständnisses.

Agiert wird im Vorspiel auf der leeren Bühne, die dann im Hauptteil mit Hängern verdeckt wird. Wenn dann das Automobil in der Versenkung verschwunden ist, öffnet sich das hintere Tor, durch das die Prinzessin und der Gott nacheinander - der wohl etwas selbstherrliche Tenor lässt noch einmal sein Material verströmen - ins Freie schreiten. Respekt für diese erste Opernregie des Schauspieldirektors!

Ein mit dem Text Hofmannsthals im Widerspruch stehendes Novum ist die Besetzung der Sprachrolle des Haushofmeisters mit einer Schauspielerin (sehr deutlich: Martina Stilp) als einer Art Managerin im Zeichen von Frauenpower. Die Ausstatterin Susanne Maier-Staufen hat die Handelnden nach neuer Fasson eingekleidet: so das Herrenquartett der Commedia del'Arte in einem Entertainer- look, das hilfreiche Damenterzett - Najade, Dryade, Echo - wie medizinisches Personal. (Manfred Blumauer/DER STANDARD; Printausgabe, 19.02.2003)

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