"Leibfeindliche" Schwestern bei Bischof Krenn

18. Februar 2003, 14:47
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Schulschwestern, die in Auerbach Seiten mit Sexualaufklärung aus Biologiebüchern rissen, soll es jetzt nach St. Pölten ziehen

St. Pölten/Auerbach - Ein Großteil der abtrünnigen Ordensfrauen habe die Stammhäuser schon verlassen, betont Lucilla Hauser, Provinzoberin der Schulschwestern von Unserer Lieben Frau im bayerischen Auerbach. Wohin es sie verschlagen habe? "In die verschiedensten Richtungen", antwortet Hauser unbestimmt. Etwa nach St. Pölten auch? "Da mache ich keine Aussage."

Doch die niederösterreichische Diözese des wehrhaft- konservativen Bischofs Kurt Krenn gilt als heißer Tipp für die Zukunftsgestaltung des heimatlos gewordenen, sektiererischen Flügels des Auerbacher Schwesternordens, der in Bayern unter anderem Realschüler unterrichtete.

Haushalt wird seit sieben Jahren von "Auerbacherinnen" geführt

Nicht zuletzt, weil des Bischofs Haushalt seit sieben Jahren und bis heute von "Auerbacherinnen" geführt wird. Und weil deren Beichtvater, der umstrittene Pater Heinrich Morscher, seit Ende Jänner 2003 Diözesanpriester in St. Pölten ist.

Morscher sei ein "alter, ziemlich kranker Mann", meint Krenns Medienreferent, Michael Dinhobl. Aufgrund seines Gesundheitszustandes werde er in St. Pölten keine seelsorglichen Aufgaben mehr übernehmen. Doch noch vor zwei Jahren hatte der 73-Jährige in Auerbach umfassende Aktivitäten gesetzt.

Nähe zum Engelwerk

Als graue Eminenz im Kloster habe Morscher, dem eine Nähe zum Engelwerk - einer katholischen Sekte, die von der Existenz von Engeln und Dämonen ausgeht - einen Teil der Schwestern von der Allgegenwart des Teufels überzeugt, erläutert Christoph Renzikovski von der deutschen Katholischen Nachrichtenagentur (KNA): Der Teufel, so habe Morscher verkündet, manifestiere sich in zu kurzen Röcken und ärmellosen Oberteilen bei Schülerinnen.

Auch bei schulischen Tanzpartys tue er sein Werk - alles in allem eine "extreme Form der Leibfeindlichkeit" gepaart mit Machtmissbrauch: "Einem Schüler wurde von einer Schulschwester der Tod als Strafe für seine Sünden angekündigt."

Eklat

Zum Eklat war es im Herbst 2001 gekommen, als Auerbacher Schulschwestern aus Biologiebüchern für 16-jährige Realschüler jene Seiten rissen, mit denen Sexualaufklärung betrieben werden sollte. Eltern erhoben Protest, die Angelegenheit wurde politisch. Mitte 2002 entzogen die bayerischen Schulbehörden den Auerbacher Schwestern die Lehrerlaubnis.

Vatikan griff ein

Im Herbst 2002 dann setzte der Vatikan auf Betreiben der Erzdiözese Bamberg den - laut KNA - "gravierendsten Eingriff der römischen Kirchenleitung im deutschen Sprachraum seit mehr als 70 Jahren": Die frühere, in Bund mit Morscher befindliche Provinzoberin, Blandine Wiesnet, wurde abgesetzt, Pater Morscher mit Kontaktverbot zu den Schulschwestern belegt.

Der Orden, so Renzikovski, sei bisher dennoch nicht zur Ruhe gekommen: "Die verbliebenen rechtskatholischen Schwestern stellen Bedingungen für den Fall ihres Verbleibens." In St. Pölten, so habe er gehört, erwäge man derzeit die Zulassung eines Auerbacher Gebetskreises: "Das ist die geringste Form der Anerkennung." Doch diesem Gerücht widerspricht Dinhobl vehement: "Davon weiß ich nichts". (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2003)

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    Zu Besuch bei Herrn Krenn

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