Im lauten Ozean

17. Februar 2003, 13:07
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Studie über Auswirkungen des menschgemachten Lärms auf Meeressäuger lässt Fragen offen

Washington - Nach 30-monatiger Forschungsarbeit hat das US-National Research Council (NRC) eine Studie über Lärm im Ozean und die Auswirkungen auf Meeressäuger publiziert. Die Forscher kritisieren darin, dass es weiterhin große Wissenslücken über die Auswirkungen gibt. Der NRC, eine Agentur der National Academy of Sciences, hat angeregt, eine eigene Agentur einzurichten, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt, um genauere Untersuchungen anzustellen.

Seit 1950 hat sich die Zahl der kommerziellen Schiffe von 30.000 auf 87.000 (bis 1998) erhöht. Die Schiffe sind in den vergangenen 50 Jahren zwar um rund 15 Dezibel leiser geworden, dennoch hat die rasante Wachstumsrate zur Lärmerhöhung beigetragen. "Über die Charakteristik von Lärm unter Wasser ist zu wenig bekannt, egal ob der Mensch oder natürliche Vorgänge dafür verantwortlich sind", so die Meinung der Studienautoren. Konsequente Angaben über die Lärmentwicklung können nicht abgegeben werden, weil die Daten dazu nicht erhoben werden konnten, schreiben die Forscher. Das gelte nicht nur für die Geräusche, die von Schiffen und Booten stammen, sondern auch von Öl- und Gasbohrungen und militärischen Aktivitäten. Auch die Auswirkungen auf die Meeressäuger sind zu wenig genau erfasst. Von einigen Walen wissen die Forscher inzwischen, dass sie auf Geräusche sensibel reagieren. Die neue Agentur soll Datenmaterial über Lärm- und Geräusche unter Wasser sammeln und auswerten.

Die Agentur soll auch die Auswirkungen von hochenergetischen Sonarwellen auf die Hörorgane von Walen untersuchen. Nachdem 1996 nach Nato Manövern, bei denen niedrig-frequente Sonarsysteme verwendet wurden, in Griechenland zwölf Wale gestrandet sind, meinen Forscher einen Hinweis auf den Tod der Tiere gefunden zu haben. Im Jahr 2000 sind nach Versuchen mit Sonarsystemen durch die US-Navy 17 Wale auf den Bahamas gestrandet. Ungeklärt ist weiterhin, welche Folgen die vom Militär angewendeten Sonarsysteme auf die Säuger haben. "Für Meeressäuger sind Geräusche quasi Ohren und Augen des Ozeans", so Gearld Leape, Direktor des Marine Conservation Program beim National Environment Trust. "Mithilfe von Schallwellen finden die Tiere Nahrung, kommunizieren miteinander und finden sich in den Weiten der Meere zurecht", erklärt der Experte. "Jegliche Lärmentwicklung und Geräuschpegel stört die Tiere", meint der Wissenschaftler. Nur ein besseres Verständnis der Ursachen und Wirkungen könne die Meeressäuger vor den Gefahren retten, argumentieren die Studienautoren. "Nur wenn wir wissen, welche Art von Schiffslärm für die Säuger problematisch ist, können wir auch darauf reagieren", erklären die Autoren. (pte)

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