Armageddon auf den Kurszetteln

16. Februar 2003, 19:34
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Charttechnik sieht statt günstiger Einstiegsniveaus heuer noch gewaltige Wertvernichtung an den internationalen Aktienmärkten

Börsianer verlassen sich idealtypisch auf eine Kombination von Fundamentaldaten und technischer Analyse - gemischt mit dem eigenen Gefühl im Bauch, den Aussagen von Gurus und dem Ergebnis der Superbowl.

Fundamentalanalysten versuchen den "wahren Wert" eines Unternehmens zu ergründen, der sich dann über ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) interpretieren lässt. Dann lässt sich feststellen, ob ein Markt historisch gesehen über- oder unterbewertet ist. Da jedoch hier verschiedene Analysten mit dem gleichen Datenmaterial zu unterschiedlichen Bewertungen kommen, ist dem Anleger kaum geholfen.

Muster

Die Chartanalyse geht von der Annahme aus, dass der Kursentwicklung Muster zugrunde liegen, die sich in der Zukunft wiederholen werden. Auf der Basis der Arbeiten von Charles Dow und Ralph Elliott basieren auch die Prognosen des bekanntesten Wellenspezialisten Robert Prechter.

Er bezieht in seine Analysen nicht nur Kursverläufe und makroökonomische Daten mit ein, sondern auch kulturelle Trends. Fasst man seine aktuellen Prognosen zusammen, so dürften wir uns kurz vor einem Armageddon befinden.

Ein paar Beispiele: Bei Dow Jones befinden wir uns demnach vor einer neuen Abwärtswelle, die den Markt in Richtung 3000 Punkte bringen sollte - momentan steht dieser Index bei rund 7800 Punkten, was noch weitere minus 60 Prozent bedeuten würde.

Bärenfutter

Da sich die anderen Märkten dieser Entwicklung nicht entziehen können, ist das Kursziel der europäischen Börsen ein kräftiges Bärenfutter. Demnach befindet sich die nächste strukturelle Unterstützung im Frankfurter Dax bei 1890 Punkten, also 25 Prozent unter dem gegenwärtigen Niveau. Für den englischen FTSE-Index sieht es noch schlechter aus, dort ergibt sich ein mögliches Minus von weiteren 30 Prozent. Weiters rechnet Prechter mit längerfristig höheren Ölpreisen, indes befindet sich Gold schon in der letzten Aufschwungwelle und könnte vielleicht noch 400 Dollar je Unze sehen. Und selbst der Arbeitsmarkt steht laut Prechter erst am Beginn einer Massenarbeitslosigkeit.

Zur Rettung der Theorie, dass die Zukunft unvorhersehbar ist, empfiehlt sich ein Blick in die Vergangenheit: Schon 1997 riet Prechter zum Ausstieg aus Aktien, da er das Ende des Bullenmarktes sah und den Dow auf 7111 Punkten wähnte. Vier Jahre später waren wir noch bei 11.750. (Ulrich Baumann, DER STANDARD, Printausgabe 17.2.2003)

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    Investoren suchen seit Monaten Kursniveaus für einen Wiedereinstieg. Charttechniker erwarten jedoch neuerliche Kursgemetzel.

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