Israel intensiviert Militäraktionen im Gaza-Streifen

17. Februar 2003, 14:16
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Armee tötet militanten Hamas-Führer - Neue Nahost-Gespräche in London

Gaza/London - Mit Panzer- und Kampfhubschrauber-Unterstützung sind israelische Besatzungstruppen am Montag im Gaza-Streifen gezielt gegen Mitglieder der militanten Hamas-Bewegung vorgegangen. Ein Kommando fing einen Führer der Hamas-Miliz "Ezzedin el Kassam", Riyad Abu Seit, ab und tötete ihn bei einem Schusswechsel. Nach palästinensischen Berichten lauerten die israelischen Soldaten Abu Seit in der Nähe des Flüchtlingslagers Boureij im Süden der Stadt Gaza auf und feuerten auf sein Auto. Er wurde dabei so schwer verletzt, dass er wenig später in einem israelischen Krankenhaus starb. Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtete, die Streitkräfte bereiteten eine Großoffensive gegen den bewaffneten Arm der Hamas vor.

Der Getötete war im vergangenen Jahr zum Nachfolger des Hamas-Führers Salah Shehade ernannt worden, der von der israelischen Armee im Juli "liquidiert" worden war. Bei diesem Angriff starben weitere 14 Menschen, darunter mehrere Kinder. Nach Angaben eines Armeesprechers wollte das israelische Kommando Abu Seit am Montag nicht töten. Vielmehr habe man ihn festnehmen und vor Gericht stellen wollen, hieß es.

Nahost-Quartett in London

Eine weitere Konferenz über Reformen der palästinensischen Selbstverwaltung soll am heutigen Montag in London stattfinden. Daran nehmen Vertreter des so genannten Nahost-Quartetts (USA, UNO, EU und Russland) teil. Mitte Jänner hatte bereits eine Konferenz zu dem Thema in London stattgefunden, doch hatte Israel der palästinensischen Delegation die Reise untersagt. So konnten die Palästinenser nur per Videoschaltung teilnehmen.

Zu den Forderungen des Nahost-Quartetts gehören Neuwahlen in den autonomen Palästinensergebieten, die ursprünglich für den 20. Jänner angesetzt waren, aber wegen der israelischen Wiederbesetzung nicht durchführbar sind. Präsident Yasser Arafat hat unterdessen der Ernennung eines Ministerpräsidenten mit ausgedehnten Regierungsvollmachten zugestimmt. Als aussichtsreichste Kandidaten für das Amt gelten Parlamentspräsident Korei (Abu Ala), Arafats Stellvertreter Mahmud Abbas (Abu Mazen), sowie Finanzminister Salam Fayed.

13 tote Palästinenser nach Panzer-Attacke

Nach einem Angriff auf einen israelischen Panzer, bei dem am Wochenende vier israelische Soldaten getötet wurden, sind im Gaza-Streifen 13 Palästinenser bei gewaltsamen Zusammenstößen getötet worden. Der Tod von sechs Hamas-Mitgliedern am Sonntag war unklar; Sprecher der Gruppe sprachen von einem israelischen Angriff und drohten mit Vergeltung. Israelische Stellen lehnten es ab, sich zu dem Zwischenfall zu äußern.

Bei Gefechten in Nablus im Westjordanland wurden drei Palästinenser getötet worden. Die israelische Armee habe einen hochrangigen Vertreter einer palästinensischen Organisation im PLO-Exekutivkomitee festgenommen, teilte die PLO mit. Palästinenser hätten das Feuer eröffnet, als die Soldaten in ein Bürogebäude eingedrungen seien, in dem der Mann gearbeitet habe, sagten Augenzeugen. (APA/AP/dpa)

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