Wien: Neue kommunale Wirtschaft in einer bald gealterten Stadt

14. Februar 2003, 20:22
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Stadt soll für einen rasanten Anstieg der Bevölkerung über 60 gerüstet werden - die Wiener Holding soll wieder aufgewertet werden...

Wildalpen - "Um klare Gedanken zu fassen, sind wir an die klare Luft gefahren - in Wien ist die Luft vom vielen Sondieren und Verhandeln schon zu verbraucht", erklärte Bürgermeister Michael Häupl am Freitag den Wiener Stadtregierungsausflug in den steirischen "24. Wiener Gemeindebezirk" Wildalpen. Die Beschlüsse aber, die hier, nahe dem Quell des Wiener Wassers, in der "Zirbenstube Kaiser Franz Joseph" präsentiert wurden, könnten nachhaltige Veränderungen in der Bundeshauptstadt auslösen.

Wirtschaftliche Neuorientierung

Zum einen ist dies eine wirtschaftliche Neuorientierung: Die Wiener Holding, deren Unternehmen vor ein paar Jahren mehr oder weniger ausgeräumt worden waren wie eine Weihnachtsgans, soll wieder erstarken. Vorerst sind es drei Betriebe, die laut Vizebürgermeister Sepp Rieder wieder in den Konzern eingegliedert werden sollen: die Telekabel Wien, der Bauträger Gesiba und der Wiener Hafen.

Beim Wiener Hafen sollen die drei Teilunternehmungen gebündelt und gestrafft werden und dazu eine "Entwicklungsgesellschaft für den Donauraum" entstehen.

Gleichzeitig soll innerhalb der Holding aber auch eine Immobilienentwicklungsgesellschaft geschaffen werden - etwa auch unter Einbeziehung der Messebesitzgesellschaft. Rieder: "Das soll eine Gesellschaft sein, die das Entwicklungspotenzial von Grundstücken auslotet und ein entsprechendes Developing vornimmt." Auch "um ein Geschäft zugunsten der Steuerzahler zu machen".

Das könnte erst der Anfang gewesen sein: "Es ist durchaus möglich, dass es zweckmäßig ist, auch andere Bereiche der Stadt in die Holding zu integrieren", so Rieder.

Ein Drittel Senioren

Zum anderen wollen die Stadtverantwortlichen jetzt auf eine Entwicklung reagieren, die mittelfristig gehörigen gesellschaftspolitischen Sprengstoff in sich birgt. "Derzeit sind 20 Prozent der Wiener Bevölkerung älter als 60 Jahre alt, in zehn Jahren werden es 25 Prozent sein und in 30 Jahren bereits ein Drittel der Gesamtbevölkerung", erinnerte Vizebürgermeisterin Grete Laska.

Dass diese Veränderung in der Bevölkerungsstruktur massive Auswirkungen nicht nur auf die Frage der Pensionssicherung, sondern auch auf die ganze Stadt haben wird, liegt auf der Hand. Daher wurde in Wildalpen beschlossen, alle Bereiche der Stadt im Hinblick auf die Kompatibilität mit einer gealterten Bevölkerungsstruktur zu durchleuchten.

Dies kann sowohl die Einrichtungen von öffentlichem und Individualverkehr betreffen, Freizeit- und Sportangebote - aber auch das gesamte Wirtschaftsleben bis hin zu längeren Lebensarbeitszeiten.

Ein dritter Punkt betrifft die Zukunft des Wiener Praters, der laut Laska "durch den Zuschlag für die Fußball-Europameisterschaft 2008 einen zusätzlichen Overdrive" erhalten habe. Sie will daher nun gemeinsam mit dem ÖFB "ein straffes Management einsetzen", das die Voraussetzungen für die Events im und rund ums Stadion schaffen, Voraussetzungen für die Infrastruktur schaffen und Side-Events koordinieren soll.

Gesalzene Lösung

Ganz zum Schluss noch eine Detailfrage an den Bürgermeister, wie er zur Aufhebung des Wiener Salzstreuverbotes stehe, die Stadträtin Isabella Kossina plant. Häupl: "Hier ging es um grundsätzlich strategische Fragen. Aber wir werden sicher auch in dieser Sache eine Lösung finden, die handhabbar ist, ohne das Prinzip aufzugeben." Wie das zu verstehen sei? "Es könnte etwa eine Entscheidungsstruktur geben, in die die Umweltstadträtin nicht mehr eingebunden ist." (Roman Freihsl aus Wildalpen, DER STANDARD Printausgabe 15/16.2.2003)

Die Wiener Holding soll wieder aufgewertet werden und auch als Immobilien-Developer auftreten, beschloss die Wiener Stadtregierung in einer Klausurtagung. Außerdem soll die Stadt für einen rasanten Anstieg der Bevölkerung über 60 gerüstet werden.
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