Star-Manie: Alle Welt singt um die Wette

14. Februar 2003, 19:19
posten

Doris Priesching

Geradezu süchtig nach Wettgesang sind die Amerikaner. Ende Jänner startete bereits die zweite Staffel von "American Idol". Die von Beginn an noch deutlich mehr Zuschauer erreichte als das Finale der ersten.

Bis zu 26 Millionen sitzen mittlerweile vor den Bildschirmen. Womit der Privatsender Fox zwar immer noch ein gutes Stück von den 57 Millionen der Überlebensshow "Survivor" entfernt ist. Mit der beliebtesten Serie, dem Dauerbrenner "Friends", liegt man allerdings schon gleichauf. Bis zur Entscheidung Ende Mai könnte man selbst die magische "Survivor"-Grenze schaffen.

Längst ist die Rede von der "Star Search Mania" (USA Today). Was nicht nur den guten Riecher am Küniglberg für den Titel der österreichischen Kreation belegt, sondern auch die umfassende Euphorie, die das Land erfasst hat. Schon geistern erste Plagiate durch die Sender: Wie der ORF entwickelte etwa CBS unabhängig von der kostspieligen "Idol"-Idee des Briten Simon Fuller eine eigene Show. "Star Search" verzeichnet ebenfalls Spitzenquoten.

Simon Fuller ist dennoch der "Big Player" im Talentegeschäft. Der Erfinder der "Spice Girls" verkauft die Show in aller Herren Länder und häufte ein Vermögen an, das grob auf eine Dreiviertelmilliarde Euro geschätzt wird.


Polen schon zweimal

Fast zeitgleich mit dem "Starmania"-Finale nächsten Freitag kürt Polen - bereits zum zweiten Mal - sein "Idol". 55 Prozent Marktanteil konnte der Sender Polsat zuvor verbuchen. Im streng katholischen Land sangen die Kandidaten sogar Kirchenlieder vor. Mit Alicja Janosz gewann weltweit die erste Frau einen "Idol"-Wettbewerb.

In Südafrika lief "Idols" im gebührenpflichtigen Sender M-Net, den sich vorwiegend die weiße Oberschicht leisten kann. Sieger wurde ein Deutschstämmiger, der Jurastudent Heinz Winckler. Das Finale erreichte einen Marktanteil von 53 Prozent.

Starsuche betreibt bekannt- lich auch Nachbar Deutschland, der Privatsender RTL rechnet für heute, Samstag, mit mehr als 13 Millionen Zusehern. Mehr schauen nur "Wetten, dass ...?", und bis zur Entscheidung sind es noch drei Wochen.

Gecastet wird zurzeit außerdem noch in Norwegen, Belgien und den Niederlanden. Frankreich folgt im März, Großbritannien startet im Sommer eine weitere Staffel. Auf der Anmeldeliste steht der panarabische Raum, jüngstes Mitglied der Familie ist der Libanon, wie RTL-Vermarkter Grundy Light Entertainment auf STANDARD-Anfrage bestätigt.

Obwohl weltweit betrieben, ist die Talentsuche keineswegs völkerverbindend. Der Erfolg der "Idole" beschränkt sich auf nationale Grenzen. Der österreichische Sieger wird da wohl kaum eine Ausnahme bilden.

Der Gewinner von "Starmania" & Co. steht längst fest. Ohne den geringsten Pieps, schon gar nicht vor der Kamera. Simon Fuller, den Erfinder des Wettsingens, brachte die Showidee schon in die Nähe einer Euromilliarde. Denn die geht um die Welt - und nicht alle kupfern ab wie der ORF.
Share if you care.