Ampeln vor Tangente: Wien schaltet auf Rot

11. Februar 2003, 21:01
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Die Stadt sprach sich am Dienstag gegen Pläne aus, bei den Autobahn-Auffahrten so genannte Pförtnerampeln zu installieren

Wien - Wenn ein Unternehmen sich vor allem aus Mauteinnahmen finanziert, ist es nur nahe liegend, dass es alles nur mögliche tun wird, damit in kurzer Zeit möglichst viele Autos zum Abkassieren vorbei kommen. Dies ist in der Theorie nachvollziehbar. In der Praxis könnte so etwas allerdings einen veritablen Verkehrs-Zusammenbruch im Umfeld zur Folge haben.

Konkret: "Die Asfinag hatte überlegt, bei den Auffahrten etwa zur Südost-Tangente Pförtner-Ampeln aufzustellen, um den Verkehr auf der Tangente flüssig zu halten", berichtete Wiens Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (SP) am Dienstag. "Aber man kann sich ja sehr leicht vorstellen, was dann zum Beispiel am Verteilerkreis Favoriten passiert wäre. Oder in der Schlachthausgasse."

Verschoben

Ein Vorhaben, gegen das sich die Stadt Wien vehement quer legt - die Vorhaben wurden um ein Jahr verschoben: "Da wird die Asfinag schon ein bisschen anders vorgehen müssen als am flachen Land", verlangte Schicker. "Verkehr funktioniert nun einmal vernetzter als nur im Schnellstraßennetz. Die Schnittstelle zu den Autobahnen muss auf jeden Fall stadtverträglich sein - und nicht nur systemverträglich."

Schicker ist es daher "lieber, man setzt die geplanten Maßnahmen für ein Jahr aus und kann inzwischen eine ordentliche Lösung finden".

Londoner Staugebühr

Aber auch andere Lösungsansätze sind in den Augen der Wiener Stadtobersten nicht "ordentlich" für Wien - wie etwa die neue "Staugebühr" in London: Um die Blechlawinen in der Londoner Innenstadt einzudämmen, müssen ab nächster Woche Autofahrer diese "Staugebühr" zahlen: Wohlfeile acht Euro kostet wochentags in der Zeit zwischen 7 und 18.30 Uhr eine Fahrt ins Zentrum der britischen Hauptstadt.

Bürgermeister Michael Häupl am Dienstag: "Solange ich Bürgermeister bin, wird es so etwas in Wien nicht geben. Und das wird noch lange sein." Gegen eine "Staugebühr" wie in London sprachen sich am Dienstag auch Vertreter der Städte Graz. Linz und Salzburg aus.

Verkehr am Gürtel reduziert

Schicker sieht auch keine Notwendigkeit dafür: "Seit Einführung der Parkraumbewirtschaftung hat der Verkehr innerhalb des Gürtels um etwa 1,5 Prozent abgenommen. An der Stadtgrenze haben hingegen die Pkw-Fahrten im gleichen Zeitraum um etwa 15 Prozent zugenommen. Daher ist eher die Frage der Pendler zu lösen."

Schicker schlägt der Asfinag daher "Informationssysteme" anstelle der "Pförtnerfunktionen" vor. Es sei viel sinnvoller, die Autofahrer schon auf der Autobahn zu informieren, bei welchem Park-and-Ride-Standort an der Peripherie wie viele Parkplätze frei sind und wann dort der nächste Zug abfährt." (frei/DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2003)

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