Kärntner Schüler wollen für Weiterbestand von Radio dva hungern

11. Februar 2003, 10:14
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Streik in Offenem Brief an Bildungsministerin angekündigt

Nach dem fünftägigen Hungerstreik der Redakteure des von der Schließung bedrohten slowenischsprachigen Senders Radio dva in Kärnten (etat.at berichtete) will nun eine Gruppe von Kärntner Schülern ebenfalls in einen Hungerstreik treten, falls der Weiterbestand des Radiosenders nicht sicher gestellt wird. Das kündigten die fünf jungen Kärntner Slowenen in einem Offenen Brief an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer an.

Mit Jahresende 2002 hatte der ORF aus Spargründen die bis dahin bestehende Kooperation mit Radio dva gekündigt. Um die Sendefrequenz nicht zu verlieren, entschlossen sich die Radiomacher, vorerst bis Ende März weiter zu senden. Die Redakteure arbeiten seither ehrenamtlich, die Betriebskosten wurden in einer Solidaritätsaktion aller slowenischen Organisationen, Vereine und Verbände für drei Monate aufgetrieben. Vergangene Woche machten die Redakteure mit einem fünftägigen Hungerstreik auf ihr Dilemma aufmerksam.

Popularbeschwerde

Die Volksgruppe hat bereits eine Popularbeschwerde an den Bundeskommunikationssenat (BKS), eingereicht. Darin wirft man dem ORF vor, die gesetzliche Verpflichtung zur Verbreitung von Radio- und Fernsehprogrammen in den Sprachen der autochthonen Volksgruppen (Paragraph 5 ORF-Gesetz) nicht zu erfüllen. Für Marjan Pipp, Präsident des Österreichischen Volksgruppenzentrums, sind die Sendezeiten "völlig unzureichend". Damit würden auch die Schutznormen des Europarates verletzt, der Programmauftrag nach dem ORF-Gesetz werde nicht erfüllt. Für eine zufrieden stellende Lösung sei aber die Bundesregierung zuständig, an die sich die Kritik der Kärntner Slowenen richtet.

Die fünf jugendlichen Kärntner Slowenen wandten sich nun an Bildungsministerin Gehrer. In ihrem Schreiben heißt es unter anderem: "Für eine kleine Volksgruppe ist ein ganztägiges Radio lebenswichtig. Wir wollen unsere Identität auch außerhalb der eigenen vier Wände leben dürfen, wir wollen in unserer Muttersprache öffentlich kommunizieren, wir wollen unsere slowenische Kultur und Musik öffentlich pflegen."

Weiters erklären sie in ihrem Brief, sollte die Bundesregierung nicht bis Mitte März ein ganztägiges slowenischsprachiges Radio dauerhaft absichern, würden sie in einen unbefristeten Hungerstreik treten. Die Begründung für den Streik: "Die ganze Welt soll erfahren, wie es um die Rechte der Kärntner Slowenen bestellt ist."

Dienstag will Marjan Pipp in Straßburg im Europäischen Parlament die internationale Presse über die Volksgruppenpolitik in Österreich informieren, und zwar gemeinsam mit den österreichischen Europaabgeordneten Hannes Swoboda, Ursula Stenzel und Mercedes Echerer. (APA)

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