Nichts Geringeres als die Welt beschreiben

13. Februar 2003, 15:07
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etat.at verlost fünf Exemplare von Herbert Riehl-Heyses "Arbeiten in vermintem Gelände: Macht und Ohnmacht des Journalismus", erschienen im Picus-Verlag

"Wenn die Leute 50 Jahre hindurch mit wenigen Ausnahmen hauptsächlich durch ein einziges Boulevardblatt versorgt werden, dann verlernen sie das Lesen", sagte Herbert Riehl-Heyse über den österreichischen Zeitungsmarkt (im STANDARD, April 2001). Der Redakteur der Süddeutschen Zeitung ("Streiflicht") hält in "Arbeiten in vermintem Gelände: Macht und Ohnmacht des Journalismus" ein Plädoyer für den Qualitätsjournalismus.

"Kein Geschäft wie jedes andere"

"Qualitätszeitungen können nur unter großer Freiheit und unbedrängt von den Kaufleuten entstehen ... Die Medien sind kein Geschäft wie jedes andere", sagte er damals im STANDARD-Interview. "Es muss der Versuch erkennbar sein, jeden Tag, jede Woche mit Hilfe des Journalismus nichts Geringeres als die Welt zu beschreiben, sie sich als journalistisches Team zu erarbeiten, sich über Prioritäten bei der Beschreibung zu verständigen und die Ergebnisse dann seinen Lesern, Hörern und Zusehern so zu unterbreiten, dass möglichst viele von ihnen nicht sofort das Blatt aus der Hand legen oder zur nächsten Quizshow zappen", ist im vorliegenden Buch zu lesen.

"Richtig gute Tageszeitungen sind für eine Demokratie unerlässlich. Ohne gemeinsame Basis an Wissen für Wähler und Wählerinnen eines Landes wissen die überhaupt nicht, worüber sie abstimmen sollen. Die gute Tageszeitung ist eine der letzten Klammern der Gesellschaft, die total zerfuselt und zerfasert", so Riehl-Heyse auf die Frage, woher der Bedarf nach Qualitätszeitungen komme (DER STANDARD, 24.10.2002).

Das Buch umfasst vier Vorlesungen zur Poetik des Journalismus (Theodor-Herzl-Vorlesung), gibt Antworten auf Fragen wie "Zu viel Poesie im Journalismus?" oder "Wie mächtig sind Journalisten?", erklärt, "warum guter Journalismus nicht vom Himmel fällt" und "warum Qualitätsjournalismus die Gesellschaft zusammenhält". Weiters gibt es einen Einblick in die Schreibwerkstatt des Autors - von einer "Kränkung für den 'mínimo líder'" bis zu einer Physiologie des Medienzars.

Herbert Riehl-Heyse, Jahrgang 1940, hat mehrere Bücher geschrieben, u.a. "Bestellte Wahrheiten" oder "CSU - die Partei, die das schöne Bayern erfunden hat". (sb)

  • Arbeiten in vermintem Gelände: Macht und Ohnmacht des Journalismus / Herbert Riehl-Heyse. Hrsg. von Wolfgang R. Langenbucher. Wien: Picus Verlag, 2002.
    foto: derstandard.at

    Arbeiten in vermintem Gelände: Macht und Ohnmacht des Journalismus / Herbert Riehl-Heyse. Hrsg. von Wolfgang R. Langenbucher. Wien: Picus Verlag, 2002.

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