Mann im Käfig

16. April 2008, 07:00
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Kaufhaus Steffl erwirbt mit seinem Werbesujet "Welcome to the final Emancipation" eine unmissverständliche Zitrone

Es geht um Mode. Und scheinbar um den unterdrückten Mann. Den modisch unterdrückten Mann. Denn wo sonst, wenn überhaupt, ist der, der gemeinhin als dem "starken Geschlecht" zugeordnet gilt, unterjocht? Wäre dies der Fall, würde die Subsummierung des Mannes unter diese Kategorie nicht existieren. Nicht einmal gedanklich. Also erweisen sich sogar in der Oberflächen-Leichtigkeit der Modewelt Konstrukte, den Mann als Objekt der Unterwerfung zu denken, als Faktum der Verschwendung. Denn auch hier dirigieren die Männer, wo und vor allem wie es langgehen soll.

Dem Kaufhaus Steffl, vielmehr seinen Werbeköpfen, ist das egal. Sie stecken den Mann in einen Hunde-Transporter und setzen die Frau obendrauf. Er schmollt, sie triumphiert. Lasziv, wie sonst! Darunter der Spruch: "Welcome to the final Emancipation in Men's Fashion, Labels & Lifestyle".

Die Botschaft? Welche Suggestionen werden verordnet? Welche Assoziationen sollen sich daraus ergießen? Uns ist das einfach zu blöd, wenn Begriffe wie "Emanzipation" im Zusammenhang mit Geschlechterherrschaft sinnentleert oder in ihr Gegenteil verkehrt werden. Auch wenn oder gerade weil das lustig sein soll. Nein, danke!
(dabu/dieStandard.at 16.04.2008)

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    ursula schersch
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