Immer mehr "Problemlehrer"

7. Februar 2003, 10:58
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Elternvereine warnen vor überforderten Pädagogen - Klagedrohungen gegen Eltern, die Missstände aufzeigten

Linz - Der Landesverband der Elternvereine öffentlicher Pflichtschulen Oberösterreichs schlägt nun Alarm: Die Zahl so genannter "Problemlehrer" - also zum Beispiel solche, die mit ihrem Job "überfordert sind" oder diesen nicht "pädagogisch wertvoll ausüben" - sei in jüngster Zeit deutlich gestiegen. "Viele Lehrer sollten es sich wieder einmal bewusst machen, dass sie Menschen und keine Maschinen unterrichten", erklärte die Vizepräsidentin des Elternverbandes, Sieglinde Guserl.

Zehn bis 20 Prozent Problempädagogen

Guserl beruft sich auf Studien, denen zu Folge "zehn bis 20 Prozent" der Pädagogen an den Schulen als "Problemlehrer" anzusehen seien. Es sei keine Frage, dass "viele Lehrer mit großem Engagement tätig sind und ihrer Aufgabe auch gerecht werden", so Guserl, aber man dürfe vor dem Faktum der "Problemlehrer" nicht die Augen verschließen.

Keine Ausbildung in "Konfliktmanagement"

Ein wesentliches Problem sei, dass viele Lehrer keine adäquate Ausbildung im Bereich "Konfliktmanagement" hätten, meinte Guserl. "Man muss den Kindern als Lehrer doch Vorbild sein und gerade deshalb Konflikte rechtzeitig erkennen und vor allem lösen können", so die Elternvertreterin. Es gebe sehr wohl auch positive Beispiele bzw. "Vorzeige-Schulen" in Oberösterreich, doch leider eben auch Schulen, in denen kein "zeitgemäßer und moderner Unterricht" abgehalten werde.

Elternbeschwerden

Auch ein seit 1986 bestehendes Gesetz, in dem unter anderem ein Mitspracherecht der Eltern "verankert" sei, werde anscheinend - so Guserl - immer wieder umgangen. "Dies geht sogar so weit, dass an zwei oberösterreichischen Schulen Eltern, nachdem sie Beschwerden geäußert hatten, Briefe von Anwälten der Lehrer mit Klagsdrohungen bekommen haben", berichtete die Elternvertreterin.

In einem der beiden Fälle gelang es inzwischen, eine "außergerichtliche" Einigung zu erzielen, der zweite Fall sei noch offen, hier steht die Klagedrohung der Lehrer gegen die Eltern wegen "übler Nachrede" noch im Raum. Um welche Schulen es sich konkret handelt, das wollte Guserl nicht sagen, "das wäre eine friedlichen Lösung nicht zuträglich".

Überprüfung

Von Seiten des oberösterreichischen Landesschulrates weist man die Kritik der Elternsprecherin nachdrücklich zurück. Die Behauptungen seien völlig aus der Luft gegriffen und es handle sich dabei wahrscheinlich um Einzelfälle, die zu einem generellen Problem "aufgebauscht" werden. "Die Zahl der überforderten Lehrer in Oberösterreich ist klar rückläufig, eine regelmäßige Überprüfung durch ein Qualitätsmanagement belegt dies", erklärte der Landesschulinspektor für Pflichtschulen in Oberösterreich, Herbert Saxinger.

Zu den angeblich angedrohten Klagen könne man sich nicht äußeren, so Saxinger, da "diese nicht bekannt seien" und wenn es Probleme gebe, "sollte doch unter Erwachsenen eine normale Diskussionsebene möglich sein". (APA)

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