Kindersitze - Jeder Dritte fiel durch

5. Februar 2003, 12:52
posten

Über zwölf Prozent der Sitze waren bei Sicherheits-Check nicht straff genug verankert

Wien - Nicht jeder Sprössling ist in einem Kindersitz auch wirklich sicher unterwegs: Immerhin jede dritte Rückhaltevorrichtung fiel bei einem Check durch.

834 Mal wurde im Dezember 2002 von der Gratis-Aktion des ÖAMTC und des Vereins "Große schützen Kleine" Gebrauch gemacht, hieß es. Über zwölf Prozent der Sitze waren nicht straff genug verankert. "Viele wissen nicht, wie fest ein Kindersitz montiert werden kann", sagte ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.

Allerdings führen auch bauliche Unterschiede in den Pkw zu Problemen. Beim Kauf müssen Auto und Kind unbedingt mitgebracht werden. Zur Überprüfung hatte übrigens nur knapp die Hälfte der Erwachsenen den Nachwuchs dabei. Insgesamt 23 Kriterien wie Marke, Type, Alter und ECE-Label wurden in Verbindung mit Kind und Auto überprüft. Eine Fortsetzung der Aktion im Frühjahr ist geplant.

"Typische Mängel", so der Experte, gab es bei der Verwendung der sitzeigenen Gurte. Kerbl: "Bei elf Prozent war dieser einfach verdreht, bei knapp zehn Prozent die Gurtpolsterung wegen mangelhafter Pflege abgenutzt und verschlissen." Klassische Bedienfehler gab es auch beim Gurtverlauf, dem Öffnen und Schließen vom Schloss und beim richtigen Spannen. Diese Schönheitsfehler können mit fachkundiger Hilfe leicht behoben werden, hieß es. Wichtig ist es, die Anleitung exakt zu studieren.

Ein lockerer Gurt - wie bei sieben Prozent der getesteten Systeme festgestellt - ist vielleicht bequemer, kann aber zu schweren Verletzungen führen, warnte Kerbl. Keinesfalls sollten die Kids zu dick angezogen sein. Bei einem Anprall fallen sie sonst mit volle Wucht in die Gurte. Bei sechs Prozent der überprüften Sitze hatte die Innenschale Brüche oder Risse, sie dürften nicht mehr verwendet werden. Leichte Kratzspuren sind laut dem Club aber kein Problem. Nach einem Unfall sollte der Schutz getauscht werden.

"Durch das relativ hohe Kopfgewicht bei Kleinkindern drohen schwere Verletzungen der Halswirbelsäule, im Extremfall sogar Lähmungen", erklärte der Primar des Lorenz-Böhler-Krankenhauses und ÖAMTC-Vizepräsident Univ.Prof. Dr. Harald Hertz. "Wird ein Sitz ordnungsgemäß verwendet, sinkt das Tötungsrisiko bei Säuglingen um 70 Prozent und bei Kleinkindern um 50 Prozent", so Univ.Prof. Dr. Michael Höllwarth, Vorstand der Universitätsklinik für Kinderchirurgie Graz und Präsident von "Große schützen Kleine". Ohne Rückhaltevorrichtung ist das Risiko für schwere und tödliche Verletzungen sieben Mal höher. (APA)

Share if you care.