Yoko Ono: "Ja, ich bin eine Hexe"

14. März 2008, 12:03
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Künstlerin, Autorin, Filmemacherin, Sängerin, Komponistin, Feministin, Pazifistin und Lennon-Witwe wird 75

New York - Bis heute werfen hartgesottene Beatles-Fans der Avantgardekünstlerin Yoko Ono vor, sie sei wegen ihrer Hochzeit mit John Lennon für das Auseinanderbrechen der besten Popgruppe aller Zeiten verantwortlich. Als "böse Hexe im Beatles-Märchen" wurde sie gescholten, als Frau, die es letztlich nur auf das Geld ihres legendären Gatten abgesehen hatte. Yoko Ono hat sich um solche Vorwürfe wenig gekümmert, im Gegenteil. Im vergangenen Jahr brachte sie ein Remix-Album ihrer alten Songs auf den Markt. Trotziger Titel: "Yes, I'm A Witch" (Ja, ich bin eine Hexe). "Für mich sind alle Frauen Hexen. Hexen sind magische Wesen, dafür sollten wir uns nicht schämen", sagt die Frau, die am Montag, dem 18. Februar 75 Jahre alt wird.

Quirlig und immer noch berstend vor Energie hat die aus einer reichen japanischen Bankiersfamilie stammende Amerikanerin noch keinen Deut ihrer Provokationslust verloren. Sie arbeitet rastlos als Künstlerin, Autorin, Filmemacherin, Sängerin, Komponistin, Feministin und Pazifistin.

Dabei ist und bleibt John Lennon der zentrale Bezugspunkt in ihrem Leben. Immer noch wohnt Ono in dem Haus am Central Park in New York, vor dem ihr Mann, damals 40, am 8. Dezember 1980 ermordet wurde. Sie war dabei, als der Attentäter Mark David Chapman, ein einstiger Fan, die Waffe auf ihn richtete und fünfmal traf. Ein Foto von Lennons zersplitterter, blutbespritzter Brille erschien 1981 auf ihrem Plattencover "Season of Glass".

Das spukhafte Riesengebäude ("Dakota"), das durch Roman Polanskis Film "Rosemaries Baby" weltberühmt wurde, ist seither ihr Refugium. "Es ist der einzige Platz, der mir geblieben ist, der Platz, den John und ich teilten", sagte sie einmal. Die beiden ungleichen Partner hatten sich 1966 bei einer Ausstellungseröffnung in London kennengelernt und später eine auch künstlerisch produktive Beziehung begonnen.

"Bed-in for peace"

Am 20. März 1969 heirateten sie in Gibraltar. Während der Flitterwochen saßen sie eine Woche in ihrem Hotelbett und erklärten die Aktion zum "Bed-in for peace" - es war die Hoch-Zeit der Friedensbewegung. Zusammen versuchten sie mit der Plastic Ono Band eine Mischung aus Rock- und Experimentalmusik, die Single "Give Peace a Chance" (1969) wurde zur Pazifistenhymne. Kurz darauf gingen die Beatles endgültig auseinander.

Am schönsten beschwor Lennon die Liebe zu seiner sieben Jahre älteren Frau in der "Ballade von John & Yoko". Aber die Beziehung bekam Brüche. Nach einer zweijährigen Trennung sorgte erst die Geburt des gemeinsamen Sohnes Sean 1975 für neues Familiengefühl: Lennon machte den Hausmann, sie organisierte und dirigierte sein Imperium - bis heute mit großem Erfolg. Yoko Ono ist steinreich.

Sie sei "die berühmteste unbekannte Künstlerin der Welt", sagte John Lennon einmal. "Jeder kennt ihren Namen, aber keiner weiß, was sie macht." Dabei hatte sich Ono schon lange vor der Beziehung mit dem britischen Pilzkopf als avantgardistische Konzeptkünstlerin in New York etabliert.

1962 etwa inszenierte sie "Wall Piece for Orchestra", wo sie zu Musik-Klängen kontinuierlich den Kopf auf die Bühne schlägt. In dem Film "Bottoms" zeigte sie 1966 als "Petition gegen den Vietnamkrieg" 80 Minuten lang 365 nackte Hintern. Und zur Jahrtausendwende sollte ein mit 4.000 Gewehrschüssen durchlöcherter Güterwaggon "Freight Train" in Berlin an ein "Millennium der Gewalt" erinnern. Ans Aufgeben denkt die umtriebige Aktivistin noch nicht so schnell. "Wenn man nicht darüber nachdenkt, wie alt man ist, wird man nicht alt." (APA/dpa)

  • Yoko Ono im Jänner 2008
    steve marcus
    Yoko Ono im Jänner 2008
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