"Lehrgeld" für den Problemflieger

3. Februar 2003, 19:57
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AUA will vorerst keine neuen Flugzeuge von Bombardier kaufen

Wien - "Wir haben Lehrgeld gezahlt, in Zukunft werden wir nur mehr Maschinen bestellen, die schon zwei bis drei Jahre in Betrieb sind." Diese Lehre hat AUA-Chef Vagn Soerensen aus den Problemen rund um die Dash 8/400 gezogen. Ob der Hersteller Bombardier Schadenersatz leisten muss, ist noch offen. Schwierigkeiten mit der Maschine sind schon seit fast drei Jahren bekannt.

Für die AUA und ihre Tochter Tyrolean gehe es zunächst einmal darum, die Probleme mit der Maschine in den Griff zu bekommen, ehe über Forderungen gesprochen wird, erklärte Soerensen am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Acht, jeweils umgerechnet 18,6 Mio. Euro teure, Flieger hat die Tyrolean derzeit, vorerst wird die gesamte Gruppe keine weiteren Bombardierjets kaufen.

Als Grund für die Schwierigkeiten sieht man bei der AUA die "Kinderkrankheiten" der seit vergangenem Frühjahr eingesetzten Flieger. Rund 50 Zwischenfälle führten bisher zu Abflugverzögerungen und teilweise zu Ausfällen. "Eine Lernkurve ist bei jedem neuen Flugzeugtyp da, in diesem Fall ist sie aber zu lange", konstatiert Tyrolean-Geschäftsführer Johann Messner.

Gemeinsam mit der Tyrolean agiert die skandinavische Fluggesellschaft SAS als "Beta-Tester" des Fluggeräts. Dort kämpfte man mit ähnlichen Schwierigkeiten, bestätigt SAS-Sprecher Bertil Ternert. "Wir haben 24 Maschinen im Betrieb, die ersten wurden im Februar 2000 ausgeliefert. Es gab eine Menge technischer Probleme, besonders im Bereich von Fehlanzeigen im Cockpit." Bombardier-Techniker wurden eigens in Kopenhagen stationiert, um bei der Fehlersuche zu helfen.

Auch in Österreich sollen nun Ingenieure aus Kanada helfen, die Zuverlässigkeit der Dash 8/400 verbessern. Auf der Strecke Salzburg-Frankfurt, die besonders von Ausfällen geplagt war, wird bis auf weiteres eine Fokker fliegen. Die Ursache des Radmutterbruchs, der vergangene Woche zum Verlust eines Rades beim Start in Frankfurt geführt hat, wird noch untersucht.

Aus der Bombardier-Zentrale in Montreal war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu den Problemen zu erhalten. (moe/DER STANDARD, Printausgabe 04.02.2003)

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