Kenia: Kein Schutz vor Vergewaltigungen in Flüchtlingslagern

27. Jänner 2008, 12:00
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Auch viele Kinder unter den Opfern - UNICEF spricht von Verdopplung der Fälle seit Präsidentenwahl - UNO entsendet nun Ermittler

Nairobi - Der UNO-Sonderberater zur Verhinderung von Völkermord und Massenverbrechen, Francis Deng, will einen Ermittler nach Kenia entsenden, um die Gewalt zwischen Volksgruppen der vergangenen Wochen zu untersuchen. Die kenianische Zeitung "Daily Nation" berichtete am Mittwoch, Deng habe die Führer der verfeindeten politischen Lager darauf hingewiesen, dass sie für Gewalttaten bestraft werden können, die sie initiiert hätten. Auch die Polizei könne zur Rechenschaft für Gewalttaten gezogen werden.

Zahl der Vergewaltigungen nimmt zu 

Seit Beginn der Unruhen wegen der umstrittenen Präsidentenwahl in Kenia werden auch immer häufiger Kinder und Frauen in den überfüllten Flüchtlingslagern zu Opfern sexueller Gewalt. "Die Zahl der Vergewaltigung nimmt zu", erklärte am Freitag eine Sprecherin des UN-Kinderhilfswerks UNICEF vor JournalistInnen. Frauen oder Kinder würden beispielsweise nachts beim Gang auf die Latrinen vergewaltigt. In anderen Fällen seien Frauen und Mädchen gezwungen, sexuelle Handlungen im Austausch für Schutz, Transport oder Nahrung anzubieten.

Zusätzliche Gefahr der HIV-Infektionen

Konkrete Zahlen seien schwer zu bekommen, da die Opfer viele Fälle sexueller Gewalt aus Scham gar nicht meldeten, erklärte die UNICEF-Sprecherin weiter. Einheimische Menschenrechtsorganisationen gingen aber davon aus, dass sich die Zahl sexueller Gewaltverbrechen seit der Präsidentenwahl verdoppelt habe. Es sei zu befürchten, dass infolge der Vergewaltigungen auch die Zahl der HIV-Infektionen rasant zunehme.

Nach Ausbruch der Gewalt im Zusammenhang mit der umstrittenen Wahl sind schätzungsweise eine Viertelmillion KenianerInnen aus ihren Häusern geflohen. Viele halten sich in Behelfslagern in der Nähe von Schulen oder Polizeiwachen auf, weil sie sich dort etwas Schutz erhoffen. (APA/AP)

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