Ball in New York mit Steirer-Schmäh

2. Februar 2003, 15:43
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Mortantscher Schuhplattler debütierten im Nobelhotel Waldorf-Astoria

New York - Bereits zum 48. Mal fand vergangenen Freitag in New York der "Wiener Opernball" statt, und die Traditionsveranstaltung der US-österreichischen Handelskammer hatte heuer einige Überraschungen zu bieten. Nachdem vor zwei Wochen der erste "New Operaball" im Hotel Plaza für ungewohnte Konkurrenz gesorgt hatte, war man beim "Old" Operaball nun besonders darauf bedacht, die Authentizität und Österreich-Verbundenheit herauszustreichen. "Das ist der echte Opernball in New York", meinte der österreichische Botschafter, Peter Moser, der den Abend als Zeichen der Freundschaft zwischen Österreich und den USA würdigte.

Rund fünfhundert Gäste genossen einen glanzvollen Abend im Nobelhotel Waldorf Astoria - wenige Stunden, bevor die Nachricht vom Unglück der Raumfähre "Columbia" die USA in Trauerstimmung versetzte. Zu Beginn kam das echte Manhattan-Fiakerpferd "Benji" in den Ballsaal und brachte in einer Kutsche die ersten Tänzer - zur Verwunderung der Wiener Vizebürgermeisterin Grete Laska, da in Wien die Pferde vor der Oper stehen bleiben: "Der New Yorker Opernball hat etwas, was wir in Wien nicht haben", kommentierte sie diplomatisch das Spektakel.

An Staatsoper erinnert

Bei der Polonaise und einer Eröffnungsvorstellung nach einer Choreografie von Teddy Kern fühlten sich die Zuseher durch die anmutigen Tänzer etwas an das Ballett der Staatsoper erinnert. Das Musik-Programm bot dann sowohl von österreichischen als auch von amerikanischen Rhythmen etwas, das Peter-Duchin-Orchester wechselte zwischen Big-Band- und Walzerklängen. Nach einer Operetten-Einlage mit Liedern aus der "Lustigen Witwe" und der Verlosung von Geschenken kam eine steirische Volkstanz-Gruppe - und stahl allen die Show.

Die "Mortantscher Plattler" brachten mit "Steffl"- und "Steirermen "-Variationen Stimmung und schlugen eine Brücke von ländlichen Traditionen in die Weltstadt New York. Die jungen Steirer ernteten für ihre Mischung aus Schuhplatteln, Artistik und witzig dargebotenen kleinen Show-Einlagen begeisterte "Bravo"-Rufe und standing ovations. Viele amerikanische Gäste haben wohl zum ersten Mal eine österreichische Volkstanz-Gruppe in Lederhosen und mit Knopf-Harmonika-Begleitung erlebt - und der "Steirer-Schmäh" hat nicht nur in Hollywood Erfolg.

Stolze Preise

Der Eintrittspreis betrug 500 Dollar für Mitglieder der Handelskammer, bzw. stolze 750 Dollar für alle anderen. Für Denise Rich, die mit dem österreichischen Architekten Peter Cervinka gesehen wurde, war diese Summe wohl kein Hindernis: Die Ex-Frau des milliardenschweren Finanziers Marc Rich ist selbst äußerst begütert. Wegen ihres Ersuchens an den scheidenden Präsidenten Bill Clinton, ihren wegen Steuerflucht verurteilten Ex-Mann zu begnadigen, hatte die großzügige Spenderin für die Demokratische Partei für Schlagzeilen gesorgt.

Zahlreiche Ehrengäste waren zum Ball gekommen, darunter die Wiener Stadträtin Renate Brauner, der Leiter des österreichischen Kulturinstituts in New York, Christoph Thun-Hohenstein, der österreichische Generalkonsul in New York, Michael Breisky, und der Direktor des Kunsthistorischen Museums in Wien, Wilfried Seipel. Das "Kunsthistorische" profitiert gemeinsam mit dem Guggenheim-Museum in New York und der Eremitage in St. Petersburg von den Fundraising-Erlösen. Der österreichische Handelsdelegierte in New York, Bruno Freytag, der den neuen und den traditionellen Opernball in New York besucht hatte, zeigte sich von beiden Events beeindruckt: "Konkurrenz belebt das Geschäft", wünschenswert wäre es jedoch, mit vereinten Bemühungen vorzugehen, richtete er einen "Friedensappell" an die Veranstalter. (APA)

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