Sprich mit ihr, ­aber richtig!

15. Jänner 2003, 13:11
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Wo ist beim Aussprechen ausländischer Fresserei die Grenze zwischen unerträglicher Ignoranz und ungustiösem Oberlehrertum?

Was soll man tun: Es gibt da so Zutaten und Gerichte, die in unserer Sprache nun mal felsenfest in einem bestimmten Geschlecht verankert sind, in der Originalsprache aber in einem anderen. Wem fühlt man sich verpflichtet? Der Authentizität oder der lokalen Umgangssprache. Beispiel Mozzarella: Dass es sich dabei um einen Käse handelt, und Käse bei uns grundsätzlich "maskulin" definiert wird, heißt es halt "der Mozzarella". Was natürlich ein völliger Topfen ist, nur wenn man sich drüber aufregt, schwappt einem auch nicht gerade Sympathie entgegen. Und zurecht, würd ich meinen, ich mag mich ja selber nicht, wenn ich besserwisserisch bin. Und noch weniger mag ich welche, die noch besserwisserischer sind, und vielleicht sogar noch "eine" Grappa bestellen. Das sind dann die Typen, die beim Verzehr des galligen Trebernschnapses dann auch noch den kleinen Finger wegstrecken, oder was ...

Ebenfalls ein schwieriger Fall: Der Risotto. Schwierig nämlich deshalb, weil die Italiener kein Neutrum besitzen, so viel ich weiß, und "il risotto" daher eigentlich sowohl als "der Risotto" oder "das Risotto" übersetzt werden könnte. Nur, wenn's uns schon bei "der Paella" gelingt, warum sollte eigentlich nicht auch der Risotto sein Recht auf den korrekten Artikel haben. Ebenfalls ein populärer Irrtum, vor allem bei Winzern: die Cuvée. Aus der Vermischung verschiedener Rebsorten-, Jahrgangs- oder Lagenweine "das Cuvée" zu machen, ist jedenfalls ungefähr so elegant wie "das Teller" oder "der Butter(n)" und zeugt von nicht gerade überwältigendem kosmopolitischem Geist. Und auch nicht schlecht ist die Sache mit der Singular-Plural-Geschichte: "ein Spaghetti" und "ein Scampi" sind natürlich absoluter Schwachsinn, aber wenn man vom Spaghetto oder vom Scampo spricht, macht man sich grundsätzlich auch nicht gerade viele Freunde.

Und wenn man dann noch dazu sagt, dass es sich darüber hinaus nicht um echte Scampi handelt, sondern eh nur um thailändische Warmwasser-Shrimps, deren korrekter Singular übrigens "Shrimp" ist, gell, dann kann man sich einigermaßen sicher sein, nicht mehr eingeladen zu werden ...

Von Florian Holzer
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