"Graz ist reif für die Insel"

11. Jänner 2003, 19:58
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Murinsel eröffnet - Projekt des New Yorkers Vito Acconci bietet im Fluss Platz für eine Cafe-Bar, ein Freilufttheater und einen Spielplatz

Graz - Am Samstag ging es Schlag auf Schlag in Graz, der neuen "Kulturhauptstadt Europas". Nach der mittägigen offiziellen Eröffnung des Programms mit einem Festakt in der Grazer Oper wurde am Nachmittag auch einer der spektakulärsten Neubauten, die Mur-Insel, für das Publikum freigegeben. Nach einer Idee des gebürtigen Grazers Robert Punkenhofer hat der New Yorker Künstler und Designer Vito Acconci eine Insel in den Fluss gebaut und bietet den Grazern einen neuen Schauplatz für Events und eine neue Perspektive auf die Stadt.

Die 54 mal 17 Meter große Insel besteht im Wesentlichen aus einer Plattform in der Form von zwei ineinander verwundenen Schalen einer geöffneten Muschel. Auf ihr befinden sich Rampen, Stiegen und Tribünen in einer Gitter-Konstruktion aus Glas und Stahl - ein ungewöhnliches, faszinierendes, begehbares Architektur-Objekt, das gekonnt mit Innen- und Außenräumen spielt und die beiden Ufer über Zugangsbrücken miteinander verbindet. Als Kosten werden rund 5,5 Mill. Euro angegeben.

Mit Reggae-Klängen bekämpfte man die klirrende Kälte im rund 250 Besucher fassenden Freiluft-Amphitheater, wo die Eröffnungsreden geschwungen wurden. Die Band heizte den Gästen so kräftig ein, dass EU-Kommissar Franz Fischler mit Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und EU-Kommissarin Viviane Reding mit Bürgermeister Alfred Stingl das Tanzbein schwangen. "So eine Eröffnung einer Kulturhauptstadt habt ihr sicher noch nicht erlebt", wandte sich Stingl nach absolviertem Tanz lachend an die beiden EU-Politiker.

"Danke, dass Sie den ersten Belastungstest durchführen", wandte sich Graz 2003-Intendant Wolfgang Lorenz an die Eröffnungsgäste, "so viele Menschen waren noch nie auf der Insel, aber es sieht gut aus." Lorenz erklärte die Insel zu einem der Herzstücke des Programms - "und das Schönste daran ist: sie ist absolut nutzlos!" Sie diene zwar Kindern zum Spielen, Theater- und Musikgruppen sowie anderen Veranstaltern für Aufführungen und Flaneuren zum Verweilen, aber sei eben vorwiegend zum Vergnügen da. Die Insel sei "ein herrlicher Wahnsinn", der den Grazern klar mache, dass die Mur "kein Abwasser" sei und von dem er eigentlich nicht gegelaubt habe, "dass wir das wirklich machen."

Vito Acconci (Lorenz: "Ein toller Mann, ein äußerst komplizierter Partner") freute sich darüber, dass die Theorie nun ihre reale Verwirklichung gefunden habe und hoffte, dass die Menschen die ihnen gebotene Gelegenheit nützen würden. Die Grazer scheinen Acconci und seine Insel bereits ins Herz geschlossen zu haben: Als doppelte Schnecke mit Schokolade- und Vanille-Guss können sich die Kunden einer Grazer Bäckerei den "Vito" jedenfalls bereits schmecken lassen. Die Vitos sollen auch in der rund 120 Gäste fassenden neuen Cafe-Bar der Insel angeboten werden, die den Eröffnungs-Besuchern nach der von Fischler und Reding mit Champagner vorgenommen Insel-Taufe die Möglichkeit zum Aufwärmen bot.

Die Entscheidung, die Insel auch nach Ende des Kulturhauptstadtjahres vor Anker zu lassen, scheint gefallen zu sein: Klasnic betonte, man wolle diese "neue Form der Brücke" auch "in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nutzen." Und Stingl stellte klar: "Die Insel bleibt in Graz. Graz ist reif für die Insel." (APA)

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