Gerhard Sailer 1931-2002

18. Dezember 2002, 12:52
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Langjähriger Präsident des österreichischen Bundesdenkmalamtes

Wien - Der ehemalige Präsident des Bundesdenkmalamtes, Gerhard Sailer, ist am Dienstag knapp nach Vollendung des 71. Lebensjahres nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Sailer wurde 1982 als Erwin Thalhammers Nachfolger Präsident des Bundesdenkmalamtes und bekleidete diese Funktion bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1997.

"Mit großem persönlichen Einsatz verstand es Gerhard Sailer die Anliegen von Denkmalschutz und Denkmalpflege in die Öffentlichkeit zu tragen", heißt es in einer Aussendung des Denkmalamtes, "Weitsichtigkeit und Augenmaß kennzeichneten seine Präsidentschaft im Bundesdenkmalamt. Die Erhaltung des kulturellen Erbes war ihm nicht nur berufliches Interesse sondern tiefes persönliches Anliegen."

Wachsende Behörde

In seiner Amtsperiode konnte der Jurist und Kunstliebhaber die personelle, organisatorisch-administrative und besonders die finanzielle Situation in Denkmalschutz und Denkmalpflege erheblich verbessern.

Der am 29. November 1931 in Wien geborene Sailer studierte nach der Matura an einem humanistischen Gymnasium Jus und promovierte im Jahr 1953. Nach der Gerichtspraxis begann er seine Berufslaufbahn 1955 bei der Finanzprokuratur, wo er über 25 Jahre für den Wissenschafts- und Unterrichtsbereich tätig war.

1982 wurde Sailer schließlich als Nachfolger Erwin Thalhammers zum Präsidenten des Bundesdenkmalamtes berufen - entscheidend dafür war unter anderem die steigende Bedeutung des Bundesdenkmalamts als Fachinstitution und und Behörde in allen rechtlichen Fragen des Denkmalschutzes. Nachfolger wurde 1998 der Architekturhistoriker Wilhelm Georg Rizzi.

Inhaltliche Ausweitung

In Sailers Amtszeit wurden die Aufgaben des Denkmalamts inhaltlich ausgeweitet: So wurden etwa die "Abteilung für historische Gartenanlagen" und die "Werkstätten für Baudenkmalpflege" in der Kartause Mauerbach für die Aus- und Weiterbildung im Bereich der Denkmalpflege geschaffen. Außerdem brachte Sailer seine juristischen Kenntnisse in die Vorbereitung einer Novelle des Denkmalschutzgesetzes ein. Seine Bemühungen galten auch einer Verhinderung der Zersplitterung der Denkmalschutz-Kompetenzen im Zuge von Verländerungsbestrebungen der Materie.

Letzte Großprojekt MQ

Als eine der letzten Amtshandlungen Sailers stimmte das Denkmalamt im Oktober 1997 dem Bau des Museumsquartiers in Wien zu - nicht zuletzt für die Abwicklung dieses Verfahrens war die Amtszeit des Juristen über sein vollendetes 65. Lebensjahr hinaus um ein Jahr verlängert worden.

Seine juristischen Kompetenzen verband Sailer mit dem Interesse für Kunst: So fungierte er bis zuletzt als Generalsekretär der "Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft" und war als solcher am Aufbau des Museums Moderner Kunst beteiligt. Unter anderem wurde Sailer mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, dem Großen Silbernen und dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Wien ausgezeichnet. (APA)

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    Gerhard Sailer 1931-2002

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