Schrilles Konsumhöllen-Duett

11. Dezember 2002, 20:20
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"Magenta" heißt ein Stück mit und über Ex-Taxi-Orange-Star Andrea "Magenta" Konrad

So unbekannt Andrea Konrad auch sonst sein mag - als Magenta bleibt die Sozialisationsdiva aus dem kuscheligen TV-Reality-Heuler "Taxi Orange" nicht nur der hypergeilen Haarkoloration wegen irgendwie in Erinnerung. Da mag es nur verständlich sein, dass der einzige wirkliche weibliche Star dieses ORF-Quotenhits jetzt endlich ansetzt, um "Max" und "Mama" bei der Verwertung des flüchtigen Fernsehruhms zu überholen.

Und zwar mit einem vom Grazer Autor Robert Wolf ersonnenen und auf ihren Namen getauften Stück. "Magenta" erweist sich bei der Uraufführung in Salzburg als recht dünnes Bühnensüppchen: Ein mühsam zusammengepresster Dialog zweier wackerer Konsumidioten vor der Umkleidekabine eines Klamottentempels enthüllte kaum mehr als eine theatralische Notoperation mit pädagogischem Hintergrund. Je kürzer Slips und Shirts und höher die Heels der Hauptdarstellerin, desto länger die Bärte an der Kritik des juvenilen Verbrauchsdeliriums.

Robert Wolf schafft es nicht, das schrille Kitschstadium einer klaumauk-erstickten, oberlehrerhaft ermüdenden Sitcom zu durchbrechen. Regisseur Michael Schilhan war nicht zu beneiden. Das fragwürdige Experiment, theatralisch an einer Fernseh-Kurzzeitikone zu partizipieren, wird demnächst im Grazer "Next Liberty" nach dem Salzburger Rezept serviert. (gugg/DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2002)

Landestheater Salzburg
Schwarzstraße 22
5020 Salzburg
0662/ 87 15 12-0
Bis 31.12., 19 Uhr
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    foto: christian schneider
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