Zeitungsverleger fordern Abschaffung der Werbesteuer bereits 2003

6. Dezember 2002, 11:47
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Kritik am Abstimmungs- verhalten bei Tabak-Werbeverbot - Medien "in einer Krisensituation", aber "Talsohle dürfte erreicht sein"

Die rasche Abschaffung des "österreichischen Unikats einer Strafsteuer auf Werbung" hat VÖZ-Präsident Franz Ivan anlässlich der Generalversammlung des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) am Donnerstag in Wien gefordert. Ivan appellierte an die künftige Bundesregierung und den neu gewählten Nationalrat, die Abschaffung der Werbesteuer bereits 2003 zu beschließen. "Dies wäre nicht nur ein Zeichen guten Medienwillens, sondern ein wichtiger Impuls für die gesamte werbetreibende Wirtschaft", hieß es in einer Aussendung.

Kritik an Tabak-Werbeverbot

In diesem Zusammenhang äußerte der Verleger-Präsident und "Presse"-Geschäftsführer auch Kritik an der österreichischen Zustimmung zur Tabak-Werbeverbotsrichtlinie beim EU-Ministerrat Anfang Dezember, die im Gegensatz zur früher von Österreich vertretenen Position steht. Ivan bedauerte, dass das an die Bundesregierung gerichtete dringende Ersuchen, "die bisherige Haltung Österreichs beizubehalten und im Rat gegen dieses Werbeverbot zu stimmen", keine Resonanz gefunden habe. Noch im April habe der zuständige Gesundheitsminister dies zugesagt.

"Krisensituation"

Das Medienjahr 2002 sei von der schlechten Konjunkturlage gekennzeichnet gewesen, die sich in einer rückläufigen Auflagenentwicklung und sinkenden Anzeigenvolumina ausgewirkt habe. Ivan: "Wir befinden uns in einer Krisensituation, die aber auch Chancen bietet, die es zu nützen gilt. Die Talsohle dürfte erreicht sein, 2003 wird noch eine Durststrecke werden, die allmählich wieder nach oben führen sollte, wenn man auf Konjunkturzyklen vertraut. Jedenfalls sollte die in allen Häusern stattfindende Konzentration auf das Kerngeschäft, die Besinnung auf die ureigensten Stärken der gedruckten Zeitung und Entschlackung in dem uns aufgezwungenen Gesundheitsbad dazu führen, dass die Zeitungen abgehärtet, gestählt, profiliert und gerüstet aus diesen schwierigen Jahren hervorgehen."

Kollektivvertrag

Positiv äußerte sich der VÖZ-Präsident über den Abschluss eines neuen Kollektivvertrags für die kaufmännischen Angestellten per 1. Jänner 2003. Hier sei ein "richtungsweisender Schritt" gelungen. Dadurch könnten neueintretende Mitarbeiter zu halbwegs marktentsprechenden Konditionen angestellt werden. Ivan zollte in diesem Zusammenhang "unserem Sozialpartner, der GPA, vollsten Respekt für ihren bewiesenen Realitätssinn und ihre Einsicht in wirtschaftliche Zusammenhänge und Notwendigkeiten".

Presserat

Zum Thema Presserat unterstrich Ivan, dass dieses Selbstkontrollorgan dem Verlegerverband immer wichtig war und ist. Aus vielen guten Gründen habe man deshalb im Jahr 2001 eine Reform, Verselbstständigung und Institutionalisierung des Presserats angestrebt, weshalb aus formalrechtlichen Gründen der bisherige Presserat aufgekündigt worden sei. Darin habe die Journalistengewerkschaft "einen feindseligen Akt erblickt, dem Verband - völlig grundlos - einen Bruch der Sozialpartnerschaft vorgeworfen, uns öffentlich diskreditiert und klassenkämpferische Töne angeschlagen, die ein vernünftiges gemeinsames Bemühen um den Presserat unmöglich machten". Inzwischen sei es jedoch möglich gewesen, mit Franz Bittner, dem Vorsitzenden der Gesamtgewerkschaft Druck, Journalismus und Papier, "eine Übereinstimmung zu erzielen, einen schlagkräftigeren, auf Vereinsbasis zu stellenden Presserat auch in Zukunft gemeinsam, allerdings unter direkter Einbindung von Zeitungen und Magazinen, zu schaffen". Detailgespräche dazu seien im Gange, so Ivan.

Ehrenpräsidenten Julius Kainz und Werner Schrotta

Julius Kainz und Werner Schrotta wurden zu Ehrenpräsidenten ernannt.

Kainz war über viele Jahre als Manager und Verlagsdirektor bei der Styria Medien AG ("Kleine Zeitung", "Die Presse", "Die Furche") tätig. 1991 wurde er Geschäftsführer der Tageszeitung "Die Presse", 1995 Herausgeber des Traditionsblattes. Er wirkte seit 1969 in Spitzenfunktionen des Zeitungsverbandes.

Werner Schrotta war von 1964 bis 1978 Geschäftsführer der "Wochenpresse", von 1978 bis Ende September 1998 arbeitete er als Geschäftsführer der "J. Wimmer Gesellschaft m.b.H." und der dort publizierten "Oberösterreichischen Nachrichten". Schrotta war seit 1970 in Spitzenfunktionen des Verlegerverbandes aktiv.

Jahrbuch Presse 2002

Anlässlich der Generalversammlung des VÖZ ist das Jahrbuch Presse 2002 erschienen. Über die Dokumentation der Arbeit des Verbandes hinaus - mit Übersichten zu Daten und Fakten der Branche - präsentiert sich der Band als "Medienjahrbuch" mit wichtigen Informationen und Dokumenten zur Presse in Österreich, zu ihrem Umfeld sowie zu Medienpolitik und Medienrecht. (APA)

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