Die Renaissance der Bescheidenheit

10. Dezember 2002, 13:52
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Die Fondsindustrie setzt 2003 auf starken Euro, das Sicherheitsbedürfnis der Anleger, Aufschwung in Osteuropa und Altersvorsorge

Das Stimmungsbild der europäischen Fondsgesellschaften für das kommende Jahr entspricht insgesamt der allgemeinen Stimmungslage: "Vorsichtig optimistisch." Renditen im einstelligen Bereich gelten nunmehr etwas. Manche waren in den vergangenen zweieinhalb Jahren zu mutig, andere zu konservativ, kaum einer ist zufrieden mit dem (fast) abgelaufenen Jahr.

In einer Befragung durch den Finanzdienstleister Morningstar erwartet der Großteil der 73 großen Fondsunternehmen, dass die globalen Aktienmärkte um durchschnittlich fünf Prozent steigen werden. Gleichzeitig sollte der Euro, so die Experten, die Währung mit der besten Performance werden. Einige amerikanische Devisenhändler sehen die Europa-Währung sogar auf 1,17 je Dollar.

Gleichzeitig reagiert die Fondsindustrie auf ihr überwiegend recht schmerzhaftes Jahr - Verluste, Mittelabflüsse, Fondsschließungen, Konsolidierung in der Branche und harte Zeiten an der Verkaufsfront - offenbar aktiv: Die meisten Gesellschaften planen im kommenden Jahr die Neuauflage von Fonds in allen Kategorien. Hauptsächlich geht es dabei um kapitalgarantierte Produkte. Dies bestätigt auch Helmut Sobotka, Vorstandschef der CapitalInvest, als fortlaufenden Trend für 2003.

Erwartung der Wende

Insgesamt erwarten sich die Fondsmanager weiter große Mittelzuflüsse in Geldmarktfonds, auch Aktienfonds sollten zumindest eine kleine Renaissance erleben - wenn wie erwartet die wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr sichtbar wird. Vor allem den großen europäischen Branchenriesen wird dabei einiges zugetraut.

Auf der Anleihenseite wird kurzlaufenden Festverzinslichen die beste Performance-Chance eingeräumt. Dem schließt sich auch Berndt May, Geschäftsführer von JP Morgan Fleming in Österreich und Sprecher der ausländischen Fondsgesellschaften im Lande, an. "Weil wir mit mittelfristig steigenden Zinsen rechnen", erklärt er und sieht gleichzeitig einen Trend institutioneller Anleger zu strukturierten Anleiheprodukten.

Diesbezüglich erwartet Sobotka auch im Bereich der Unternehmensanleihen (Corporate Bonds): "Die sich verbessernde Konjunktursituation führt zu sinkenden Risikoprämien - daraus entstehen Kursanstiege." Franz Gschiegl stimmt diesem Anleihentrend zu und setzt für sein Haus, die SparInvest die Strategie fort, die von Eurorentenfonds bis zum speziellen Mortgage-Fonds reicht.

Trend zu Hedgefonds hält an

May sieht zudem einen anhaltenden Trend zu Hedgefondsprodukten, sowohl bei Privaten als auch bei Institutionellen. JP Morgan rät allerdings zur Vorsicht: Viel Geld sei bereits in diesen Bereich geflossen.

Überwiegend räumen die heimischen Fondsgesellschaften dem Thema Osteuropa 2003 viel Potenzial ein. Sowohl auf der Anleihen- wie auch auf der Aktienseite wird dem "Konvergenzthema" viel eingeräumt, so Andreas Zakostelsky, Veranlagungsexperte der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Er empfiehlt - wie auch die CapitalInvest - allerdings eine Risikostreuung via Fondsvehikel. Einzeltitelkauf gilt als sehr risikoreich.

Diversifizieren und planen

Für die Anlagestrategie raten die Experten, was sie immer zu bedenken geben: Diversifizieren und planen, also weder alle Eier in einen Korb noch ständig hin und her mit dem Vermögen. Bei Fidelity wird der hauseigene Stil 2003 weitergeführt: Man wolle nicht Hoffnung auf bestimmte Märkte oder Branchen verkaufen, sondern Aktien identifizieren, die für positive Gewinnüberraschungen gut sein könnten. Drei Jahre lang gepeinigten Anlegern sprechen sie weiter mit "Geduld" bei der langfristigen Anlage Mut zu.

Gute Geschäfte erwarten sich die inländischen Gesellschaften und Banken aus dem Vorsorgethema. Einerseits rechnet die Branche mit weiter bravem Fondssparen der Österreicher, andererseits werden große Stücke auf die neue staatlich geförderte Vorsorge, bei der höchstens 380 Euro Prämie ab 2003 gewährt werden. Einige Anbieter (Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, Wiener Städtische) haben sich bereits in den Produktwettkampf geworfen. Die Volksbanken wollen demnächst folgen. "Alle werden solche Vehikel anbieten, um diese Prämie zum Kunden zu bringen, wir sehen diese Produkte sehr erfolgversprechend", so Horst Simbürger, Fondsmanager in der Volksbanken KAG. "Diese Produkte sollten Selbstläufer werden, jeder wird sich das in den kommenden Jahren kaufen", glaubt auch Gschiegl. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 5.12.2002)

  • Die europäische Fondsindustrie rechnet für 2003 mit einem Plus von fünf Prozent an den Aktienbörsen.
    foto: photodisc

    Die europäische Fondsindustrie rechnet für 2003 mit einem Plus von fünf Prozent an den Aktienbörsen.

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