Prinzhorn: "Verwehter" nicht "Verräter"

    14. November 2002, 09:29
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    FPÖ-Vize korrigiert "Hörfehler" zu Haider-Sager über Grasser - "Nein, nein, er hat "Verwehter" gesagt"

    Linz - Der zweite Präsident des Nationalrates Thomas Prinzhorn hat nach dem Ende seiner Pressekonferenz am Mittwoch in Linz zum Thema "EU-Erweiterung" einen "Hörfehler" korrigiert. Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider habe Karl-Heinz Grasser nicht als "Verräter" sondern als "Verwehter" bezeichnet.

    Die Pressekonferenz, in der die Journalisten auch zur Entscheidung von Grasser, in einer ÖVP-Regierung als Finanzminister zur Verfügung zu stehen, gefragt hatten, war von Landesparteiobmann Günther Steinkellner schon offiziell beendet worden und alle standen auf. Da entwickelte sich noch ein Dialog, den der Leiter der Innenpolitik-Redaktion des Volksblattes Walter Salzmann mit der Frage eröffnete, wie er, Prinzhorn, Karl-Heinz Grasser beurteile, den der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider als "Verräter" bezeichnet habe. Prinzhorn: "Na, ich hab das als 'Verwehter' verstanden". Frage von Salzmann: "Bitte ?" Prinzhorn: "Ich hab das anders verstanden, ich glaub' das haben sie nicht richtig gehört - 'Verwehter' hat er gemeint". Salzmann: "Verräter ?" Prinzhorn: "Nein Verwehter. Ich glaub das war eine, 'Verwehter', nein, nein, er hat 'Verwehter' gesagt".

    "Hump-Dump"-Syndrom

    Die Korrektur des Hörfehlers erinnert an die "Hump-Dump"-Affäre. FPÖ-Obmann Hilmar Kabas hatte beim 26. Ordentlichen Landesparteitag der FPÖ Wien das Staatsoberhaupt als "Lump" bezeichnet, weil dieser seine Ernennung zum Verteidigungsminister verhindert habe. Kabas wörtlich: "Er (Klestil, Anm.) hat sich wie ein Lump benommen und es ist eine Schande, dass wir so einen Präsidenten haben." Kabas änderte dieses Zitat später wiederholt ab und sprach von "Dump" oder "Hump".

    Die Kabas-Äußerung führte zu einer heftigen innenpolitischen Diskussion. Die Reaktion von Bundespräsident Thomas Klestil: "Diese Wortwahl bestätigt die Richtigkeit meiner Entscheidung, diesen Politiker nicht für würdig und geeignet zu halten, in die Regierung aufgenommen zu werden." Die Staatsanwaltschaft Wien leitete die Prüfung der Causa ein. Gemäß Paragraf 117 StGB wird jede "strafbare Handlung gegen die Ehre" von Amts wegen verfolgt, wenn sie gegen den Bundespräsidenten, ein Parlament, das Bundesheer oder eine Behörde gerichtet ist. Der Bundespräsident verzichtete jedoch auf eine Strafverfolgung. Begründung: Die Wortwahl richte sich von selbst. (APA)

    Ansichtssache

    Hump, Dump, verweht ...

    Von zurückgezogenen Aussagen, Dementis, "Hörfehlern" und "Berichtigungen" bei der FPÖ

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      Grasser ein Verwehter, aber kein Verräter?

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