Wiens Beisln locken mit Tiefstpreisen

30. Oktober 2002, 17:36
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100 Lokale, 14 Städte, ein Sieger: Laut WKÖ kann man in keiner anderen EU-Metropole so günstig essen, wie in Wien - mit Infografik

Wien - In keiner anderen europäischen Metropole kann man in Restaurants und Beiseln so günstig Essen und Trinken wie in Wien. Das behauptet eine Studie der Wiener Wirtschaftskammer (WKW), die am Mittwoch von WKW-Präsident Walter Nettig präsentiert wurde. Bei den Preisen für eine Hauptspeise oder ein Achtel Tafelwein sind die Wiener Gastronomen demnach die Billigstbieter.

Für die Untersuchung, die standesgemäß im Wiener "Meinl am Graben" präsentiert wurde, schwärmten heimische Handelsdelegierte in Kopenhagen, London, Paris, Berlin, Brüssel, Dublin, Stockholm, Mailand, Helsinki, München, Frankfurt, Madrid und Lissabon aus, um zum Stichtag 1. Oktober 2002 die Preise in 100 Spitzenbetrieben, Kaffeehäusern in Bestlagen sowie einfachen Gasthäusern zu erheben. Das Ergebnis laut Nettig: Wien ist die Stadt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Im Gesamtvergleich der Speisen schnitt die Bundeshauptstadt demnach am allerbesten ab: Lissabon liegt als zweitbilligste Stadt um drei Prozent darüber, danach folgen Madrid (32 Prozent) und Frankfurt (40 Prozent). Die höchsten Preise wurden in Paris (120 Prozent über dem Wiener Niveau), London (125 Prozent) und Kopenhagen (143 Prozent) registriert.

Sieger wurde Wien in den Detailwertungen für eine Hauptspeise (in London um 232 Prozent teurer) und ein Achtel Wein, das in Kopenhagen um 273 Prozent mehr kostet als in der Hauptstadt des Heurigen. Auch bei den Preisen für eine Melange bzw. einen Cappucino, eine kleine Flasche Mineralwasser, 0,33 Liter Bier, eine Suppe, einen Salat als Beilage sowie ein fünf- bzw. zweigängiges Menü gehört die Donaumetropole zu den Bestbietern.

Nettig betonte, dass für die Untersuchung "Äpfel mit Äpfeln und nicht mit Birnen" verglichen worden seien. Um sinnvolle Ergebnisse zu erzielen, seien bei den Speisen jeweils landestypische klassische Hauptgerichte herangezogen worden. Das gute Wiener Ergebnis sei "umso bemerkenswerter, als in Österreich die Lohnnebenkosten nach wie vor im europäischen Spitzenfeld liegen".

Laut Szenewirt Stefan Gergely hat sich Wien damit sogar noch besser positioniert als im Vorjahr: Bei einem ähnlichen Vergleich vor der Euro-Einführung sei Portugal teilweise ein wenig billiger gewesen.

Zurückzuführen seien die günstigen Preise unter anderem auf den hohen Konkurrenzdruck in Wien. Belegt wird das durch Wirtschaftskammer-Zahlen: Bei knapp 1,6 Mill. Wienern gibt es 6.911 Gastronomiebetriebe. In den Bezirken 1 bis 9 kommt auf jeden zweiten Einwohner ein Sitz- oder Stehplatz in einem Restaurant oder Cafe. In Hamburg sind es bei 1,7 Mill. Bewohnern nur 2.600 Gastro-Einrichtungen. Amsterdam kann bei 700.000 Einwohner nur auf 850 Lokale verweisen.

Insgesamt erwirtschaftete die Wiener Gastronomie im Jahr 2001 mit 26.165 Beschäftigten einen Gesamtumsatz von 1,5 Mrd. Euro. Hoch ist die Zahl der Betriebe, die neu eröffnen bzw. zusperren müssen: Laut WKW-Spartenobmann Josef Bitzinger beträgt die Fluktuation am Beisl-Sektor pro Jahr rund zehn Prozent. (APA)

  • Da hat nicht nur das Wiener Schnitzel gut lachen.
    montage: derstandard.at

    Da hat nicht nur das Wiener Schnitzel gut lachen.

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