Erfinderische Standortförderung

29. Oktober 2002, 19:12
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Städte und Gemeinden sind zur Unterstützung von Betriebsgründungen und Förderung neuer Arbeitsplätze kreativ geworden

Zur Unterstützung von Betriebsgründungen und Förderung von neuen Arbeitsplätzen sind Städte und Gemeinden in den vergangenen Jahren enorm kreativ geworden. Unter Standortmarketing wird mehr verstanden, als bloß das Grundstück zur Verfügung zu stellen.

Antrag abholen, ausfüllen, abgeben und auf finanzielle Zuwendungen hoffen - so hat Wirtschaftsförderung mitunter funktioniert. Die Zeiten haben sich jedoch geändert, wie der Chef des Wiener Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF), Bernd Rießland, betont. Inzwischen macht sich die öffentliche Hand selbst auf die Suche nach zukunftsträchtigen Ideen. "Die Förderkultur hat sich verändert", weiß der WWFF-Chef und spricht von einem "Paradigmenwechsel".

Wirtschaftsförderung muss sich konzentrieren

Rießland steht seit 1999 an der Spitze des Fonds, der jüngst sein 20-jähriges Jubiläum feierte. "Früher sind die Firmen mit einem Antrag zu uns gekommen, und wir haben geholfen, etwa bei der Grundstückssuche oder mit der Unterstützung von Investitionen", so Rießland. Heute sei Eigentum nicht mehr in dem Ausmaß gefragt, auch große Hallen würden nicht mehr in dem Umfang gebraucht wie früher. Bürogebäude wiederum werden laut Rießland von privaten Investoren errichtet. Ergebnis: Die Wirtschaftsförderung müsse sich auf spezifische Bereiche konzentrieren.

Und zwar sei sie dort gefragt, wo der Markt eine gewisse Infrastruktur nicht zur Verfügung stelle - etwa im Bereich Biotechnologie oder für Einrichtungen wie das "Techgate" auf der Donauplatte. Die Umsetzung erfolge oft gemeinsam mit universitären Einrichtungen oder mit privaten Partnern, wodurch - das gilt als nicht unangenehmer "Nebeneffekt" - auch eine Konjunkturbelebung ohne massiven Einsatz von Steuermitteln erreicht werden könne. Töpfe für die Förderung und Finanzierung im Bereich Technologie gebe es mehrere, von Unterstützungen der Stadt, der Republik Österreich, der EU bis hin zur Aufnahme von Risikokapital.

Nicht richtig aufbereitet

Das Problem dabei sei oft, dass Projekte nicht richtig aufbereitet seien. Um dies zu erreichen, werde verstärkt mit speziellen Ausschreibungen, so genannten Calls, gearbeitet. "Mobilisierende Technologieförderung" wird das genannt, und Gewinner sind laut Rießland nicht nur die Sieger des Wettbewerbs, sondern alle Teilnehmer, die motiviert worden sind, ihre Ideen auf Papier zu bringen. Doch auch Förderungen in Sachen Stadtstruktur sollen in Zukunft nicht vernachlässigt werden: "Bei aller Liebe zur Technologie: Kleinstrukturierte Handels- und Gewerbebetriebe sind für eine Stadt ebenfalls extrem wichtig. Diese Bereiche sollen eine faire Überlebenschance haben."

Hier könne man oft jedoch nur lenkend eingreifen. Neben der einzelbetrieblichen Förderung müsse etwa durch Unterstützung von Kooperationen versucht werden, das Nahversorgungsangebot in kleineren regionalen Einheiten attraktiv zu gestalten. "Wien steht derzeit vor dem möglichen Umstieg von einer regional auf eine international orientierte Hauptstadt", ist Rießland überzeugt.

Etwa zur gleichen Zeit wie der WWFF in Wien startete in Wiener Neustadt das Betriebsansiedlungsprojekt Civitas Nova. Wiener Neustadt hatte eine brach liegende Fläche von rund zwei Millionen Quadratmetern, die von einer Betreibergesellschaft erworben und entwickelt wurde, berichtet Geschäftsführer Mario Sajov. Neben diversen Firmen ist auch ein Technologiezentrum und ein Hotel untergebracht. Die gesamten Investitionskosten bezifferte Sajov bisher mit 21,8 Mio. EURO. (APA, cr/DER STANDARD, Printausgabe, 30.10.2002)

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