Yves Saint Laurent: Schluss mit der Haute-Couture

29. Oktober 2002, 18:24
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Abschlussmodell ist maßangefertigtes YSL-Wolljackett für Catherine Deneuve

Paris - Sein letztes Stück ist für eine alte Freundin bestimmt: Noch einmal ließ Yves Saint Laurent eine Jacke nach seinen Entwürfen für Catherine Deneuve schneidern, ab Donnerstag ist nach vielen triumphalen Modeschauen bei "YSL" für immer Schluss mit der Haute Couture.

Weil der Altmeister mit 65 Jahren in Pension geht, macht sein vor mehr als vierzig Jahren gegründetes Unternehmen dicht. Ab Allerheiligen läuft der Sozialplan für zuletzt mehr als 150 teils hochspezialisierte Mitarbeiter des Haute-Couture-Hauses.

Die kürzlich 59 Jahre alt gewordene Filmdiva Deneuve kann sich rühmen, in ihrem maßangefertigten schwarzen YSL-Wolljackett mit aufgestickten goldenen Ähren ein Stück Pariser Modelegende zu besitzen. Nummer 77.751 aus den Ateliers des großen Modeschöpfers ist auch sein letztes. Damit geht eine Geschichte zu Ende, die in der turbulenten Pariser Modewelt als seltener Fall von Harmonie verzeichnet wird.

Erste Kollektion 1961

Im Dezember 1961 hatte Yves Mathieu Saint Laurent, bereits gefeierter Designer beim Traditionshaus Dior, seine erste eigene Kollektion gestartet - an seiner Seite sein Freund Pierre Berge, der das Unternehmen bis zum Schluss leitete. In den folgenden Jahrzehnten wurde fast alles, was YSL anfasste, zum Erfolg, seine Marke deklinierte er bis hin zu Parfums wie dem Welterfolg "Opium".

1998 zog sich Saint Laurent aus dem Geschäft mit Düften und Pret-a-porter-Mode zurück. Er widmete sich zuletzt nur noch der Haute Couture und einem Dokumentationszentrum im Pariser Nordosten, in dem sein Werk der Fachwelt zugänglich bleiben soll.

Der Name Yves Saint Laurent wird der Modewelt erhalten bleiben, nur eben nicht bei den ganz exquisiten Haute-Couture-Schneidern: Beim Pret-a-porter - der Mode für Geschäfte rund um den Globus - schaffen nun im Namen des Altmeisters Andere, etwa der Amerikaner Tom Ford. Die italienische Gucci-Gruppe kaufte "Yves Saint Laurent Rive Gauche" und YSL Beaute. Dieser Bereich gehört inzwischen zum Luxus-Imperium des französischen Geschäftsmanns Francois Pinault, so wie zuletzt auch die Haute Couture.

Abschlussmodell

Sein Abschlussmodell hat der vielfach preisgekrönte Designer Saint Laurent für Deneuve, seine langjährige Freundin, mit ein wenig Recycling gestaltet: Es orientiert sich an einem Stück aus der Herbst/Winter-Kollektion 1985/86. Noch geht der Schöpfer selbst jeden Tag in die Firmenzentrale in der Avenue Marceau im 16. Pariser Arrondissement. Ab November sollen dort rund 15 Beschäftigten die letzten Geschäfte abwickeln.

Vom Bau- und Telekom-Unternehmer Bouygues wollte sich die bisherige Haute-Couture-Belegschaft nicht übernehmen lassen. Nun wird sie mit einem Sozialplan abgefunden. Dazu steuern Berge und Saint Laurent selbst 4,4 Millionen Euro bei. Den Großteil trägt mit 14 Millionen Euro Pinaults private Holding Artemis. Bis spätestens Ende Juli 2003 sollen Umschulungen und Überbrückungshilfen zur Verfügung stehen.

Nach Gewerkschaftsangaben haben rund 40 Mitarbeiter den Absprung bereits geschafft und konnten in der Branche bleiben. Sie wirken nun bei anderen Pariser Modehäusern wie Jean-Paul Gaultier, Azzedine Alaia oder Chanel. (APA)

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