Game Over für Nintendo

30. Oktober 2002, 15:04
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EU verurteilt Konsolen-Hersteller zu insgesamt 167,8 Millionen Euro - Der Grund: Illegale Absprachen

Brüssel - Die EU-Kommission verhängt gegen Nintendo und sieben seiner europäischen Vertriebshändler insgesamt 167,8 Mill. Euro Geldstrafen, weil sie "untereinander Absprachen getroffen haben", um die Ausfuhr von Produkten aus Hochpreis- in Niedrigpreisländer zu verhindern", heißt es in einer Mitteilung der EU-Kommission heute, Mittwoch. Auf Nintendo allein entfallen davon 149 Mill. Euro.

Die Preise für Videospiele und Spielkonsolen lagen in Großbritannien um 65 Prozent unter den Preisen in Deutschland oder den Niederlanden. Millionen europäische Familien würden jedes Jahr "Millionenbeträge" für Videospiele ausgeben und hätten das Recht, Spiele und Konsolen zum günstigsten Preis zu erstehen. "Wir lassen aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen, mit denen Preise künstlich hochgehalten werden sollen, einfach nicht zu", wird EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti in der Aussendung zitiert.

Fünftgrößte Kartellstrafe in EU-Geschichte

Mit 167,8 Mill. Euro müssen Nintendo und dessen Vertriebshändler die fünfthöchste Kartellstrafe zahlen, die in der EU bisher verhängt wurde. Die 149 Mill. Euro, die Nintendo alleine zahlen soll, sei die vierthöchste Strafe, die jemals über ein Einzelunternehmen verhängt wurde, so eine Sprecherin der EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Die Unternehmen hätten aber "natürlich" das Recht, gegen die Geldstrafe beim Europäischen Gerichtshof zu berufen.

Die Untersuchung der EU-Kommission umfasste die Jahre 1991 bis 1998. Insbesondere 1996 seien bestimmte Nintendo-Produkte in Großbritannien um 65 Prozent billiger als in den Niederlanden oder Deutschland gewesen. Auch zu Spanien (67 Prozent), Italien (54 Prozent) und Schweden (39 Prozent) habe es erhebliche Preisunterschiede gegeben. Unter anderem zitiert die EU-Kommission einen schriftlichen Vermerk eines Händlers, in dem dieser verspricht, Parallelimporte besser zu kontrollieren und sicher zu stellen, dass Nintendo-Produkte nicht aus dem billigeren Großbritannien aufs Festland verbracht werden.

Im EU-Binnenmarkt ist jede Maßnahme strengstens verboten, die den freien Warenverkehr behindert. Nintendo-Händler, die Parallelausfuhren durchgehen ließen, wurden durch Einschränkungen der Lieferungen oder sogar Lieferboykott "bestraft", so die Pressemitteilung der EU-Kommission. (APA)

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